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Superman Smashes the Klan (US)

Lucky Luke war nicht der einzige Comicheld, der 2020 eine Begegnung mit dem Ku-Klux-Klan hatte. Auch Superman bekommt es in Superman Smashes the Klan mit der Rassistenvereinigung zu tun. Erschienen ist die Story als abgeschlossene „DC Graphic Novel for Young Adults“ und reiht sich nahtlos ein in eine Reihe bemerkenswerter Comic-Erzählungen, die alten Figuren frischen Wind einhaucht.

Alle Abbildungen © DC-Comics. Gene Luen Yang, Chifuyu Sasaki und Naoko Kawano haben bereits Avatar: Herr der Elemente gemeinsam gestaltet.

Autor Gene Luen Yang und seine beiden Künstlerinnen Chifuyu Sasaki (Zeichnungen) und Naoko Kawano (Farben) – zusammen bekannt als Gurihiru – greifen dabei die Handlung eines alten Hörspiels von 1946 auf, peppen diese aber optisch mit klarer Linie und schickem Zeichentrick-Look enorm auf.  So richtig entfaltet der Stil seine Wirkung dabei durch die Farbgebung, die den Linien mit dezenten, aber wirkungsvollen Licht- und Schatteneffekten Plastizität und Tiefe verleiht, ohne mit aufdringlichen Farbverläufen zu nerven. Völlig richtig, die Koloristin mit der Zeichnerin in einem Atemzug zu nennen. Erst die Farben bringen die Linien zu ihrer Wirkung.

Die Erzählung ist, wie das Hörspiel, im Jahr 1946 angesiedelt. Superman kann hier in seiner ursprünglichen Version erlebt werden, mit einem Outfit, das er sich einem Strongman vom Zirkus abgeguckt hat und noch ohne seine Gabe zu fliegen. Superman kann lediglich sehr hoch und weit hüpfen und ist natürlich sehr, sehr stark. Der Inhalt dieses gar nicht so kurzen Comicromans dagegen ist trotz großer Retro-Schlagseite von zeitloser Aktualität.

Gene Luen Yang ist ein Autor mit Botschaft, der dafür eintritt, dass Comics in Schulklassen zum Einsatz kommen. Für ihn sind Comics ein ideales Medium, da sie „motivierend, visuell, permanent, vermittelnd und populär“ sind. Schon in seinem Comic American Born Chinese (First Second Books, 2006) hat er sich der Vermittlung des Lebensgefühls chinesischer Migranten in den USA gewidmet. Auch Superman Smashes the Klan, das von den Erlebnissen der chinesischen Familie Lee im bürgerlichen Amerika der 1940er Jahre handelt, folgt diesem Ansatz. Yang geht es um Sensibilisierung und Dialog zwischen den Kulturen.

In Yangs Begleittext „Superman and Me“, der dem Comic angefügt ist, erfahren wir, dass viele Chinesen nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Chinatowns in die Vororte zogen und sich zu assimilieren versuchten, dabei aber oft heftig angefeindet wurden. Im Comic selbst wird dies dahingehend zugespitzt, dass der Ku-Klux-Klan im Vorgarten der chinesischen Neubürger ein großes Kreuz anzündet. Der „Grand Scorpion“ vom „Klan of the Fiery Kross“ hat beschlossen, die Lees nach Chinatown zurückjagen, wo Chinesen unter sich bleiben und die weiße Idylle gefälligst nicht länger stören sollen.

Der Comic konfrontiert seine jungen Leser und Leserinnen mit vielen Spielarten des Rassismus, von denen der offene Hass der Klan-Nazis nur die extremste Form ist. In abgeschwächter Form strahlt der Hass auch auf deren Familienmitglieder ab, die zwar Gewalt und Lynchmord ablehnen mögen, sich aber doch mit der Frage herumschlagen, was denn so schlimm daran sei, wenn ein „Volk“ unter „Seinesgleichen“ leben möchte. Und es geht um Alltagsrassismus: So beispielsweise bei der Figur des afroamerikanischen Polizeioffiziers, der qua Amt zwar als Respektsperson anerkannt wird, ohne Rangabzeichen aber doch schnell wieder als Mensch zweiter Klasse gesehen wird.

„Versteh mich nicht falsch. Diese Klansmen sind die allerschlimmsten Verbrecher. Ich hoffe die Polizei oder Superman bringen sie ein für allemal hinter Schloss und Riegel. Aber ist das wirklich so verkehrt, dass man unter seinesgleichen bleiben möchte?“

Gene Luen Yang hat viel hineingepackt in seine Erzählung. Auch ganz alltägliche Fragestellungen der Migration erhalten viel Raum, beispielsweise inwiefern man als Migrant im Alltag vornehmlich Englisch sprechen oder doch lieber eine starke Verbindung zu seinen – hier chinesischen – Wurzeln beibehalten sollte. Und es geht um die magische Erfahrung, einen fremden Ort und seine Geheimnisse kennenzulernen und nach und nach ein Teil davon zu werden. Man erfährt, wie das migrantische Leben ein ständiges Auf und Ab ist zwischen alltäglichen Wundern, positiven Erlebnissen und dann doch wieder diesen Demütigungen, den Nadelstichen und den Gefahren, die eben tatsächlich drohen, wenn man „anders“ ist. Auch die Fallstricke beim Umgang mit dem alltäglichen Rassismus spricht Yang an: In einem Erzählstrang wird ein Mitschüler aufgrund rassistischer Äußerungen gegenüber dem chinesischen Tommy Lee sehr schnell und konsequent – zero tolerance – aus dem Sportsteam ausgeschlossen. Aber sollte man dem Täter, selbst noch ein Kind, wirklich die Chance verwehren, an seiner Haltung zu arbeiten und zu wachsen? Gene Luen Yang bleibt auch bei dieser Frage einfühlsam.

Superman dient in der Geschichte, wenn er nicht gerade Leben rettet oder gegen seinen Erzfeind Atom Man kämpft, über lange Strecken hinweg als Projektionsfläche. Roberta und Tommy Lee, die beiden chinesischen Kinder, bewundern ihn grenzenlos, aber auch ihr Mitschüler Chuck, der als Neffe des „Großen Skorpions“ bedenklich vorgeprägt ist, bewundert den Stählernen und bezeichnet sich als dessen größten Fan. Wenn er nur wüsste, dass Superman selbst ein „Alien“ ist, ein Fremder. Am Ende lernen alle Figuren der Geschichte – einschließlich Superman – viel dazu und beginnen, die Welt ein Stück besser zu machen.

Retro-Superman auf der Höhe der Zeit

Superman Smashes the Klan9von10
DC Comics, 2020
Text: Gene Luen Yang
Zeichnungen: Gurihiru (Chifuyu Sasaki & Naoko Kawano)
240 Seiten, Farbe, Softcover
Preis: 16,99 Dollar
ISBN: 978-1-77950-421-0
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