Autor: Christian Muschweck

Nationalfeiertag

Lese ich Nationalfeiertag von Bastien Vivès und Martin Quenehen, beschleicht mich ein nachgerade okkultes Gefühl, dass in der Lektüre mehr steckt, als mit bloßem Auge zu sehen ist. Das liegt vor allem am Künstler Bastien Vivès, der keine Gelegenheit auszulassen scheint, sich als Provokateur darzustellen, während er als professioneller Erzähler in manchen seiner Werke (nicht allen) doch so vernünftig, klug und zugewandt wirken kann. Dabei sind die Abgründe mannigfaltig.

Topcomics 2022 – Unsere Favoriten des letzten Jahres

Bei einem Jahresrückblick auf 2022 bietet es sich an, die Realität außenvor zu lassen und sich auf Comics zu beschränken. Das haben wir getan und aus der Vielzahl spannender Comic-Publikationen ganz persönliche Comic-Highlights des letztes Jahres zusammengefasst. Es folgen die TOP 5 von Gerrit Lungershausen, Christian Muschweck, Jan-Niklas Bersenkowitsch und Elsa Venzmer. DIE TOP 5 VON GERRIT LUNGERSHAUSEN Ungerecht. Jede TOP-Liste ist ungerecht, weil sie mehr verschweigen muss als sie empfehlen kann. Aber doch bietet sie eine hilfreiche Orientierung im Comic-Markt, viel mehr, als eine TOP 50 mit beliebiger Reihenfolge es leisten könnte. Dennoch ist es schade, dass die kurze Liste ohne so grandiose Titel wie Hamed Eshrats Coming of H (avant-Verlag), Peter Milligans Enigma (Cross Cult), Zuzus Cheese (Edition Moderne) oder Bruno Duhamels Falsche Fährten (avant-Verlag) auskommen muss. Nun aber meine TOP 5 (inklusive einiger weiterer Empfehlungen im Text). Platz 5 – Von Mäusen und Menschen von George Steinbeck und Rébecca Dautremer Splitter Verlag George und Lennie ziehen als Wanderarbeiter von Farm zu Farm, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich in ferner Zukunft …

Streets of Glory

Schon als eine Gruppe Outlaws zu Anfang des Westerncomics Streets of Glory die beiden Brüder Pete und Frank attackiert, geht es grausam zur Sache. Ab dem Moment aber, als sich das Blatt wendet und der rettende Engel aus dem Hinterhalt die Outlaws allemacht, ist klar: Das hier ist Ennis-Gebiet. Anstelle von good and clean kills wird da schon eher mal einem der Unterkiefer weggeschossen, wonach der Getroffene allerdings noch ein paar Seiten lang durch die Gegend läuft und dabei zu verstehen versucht, was ihm jetzt gerade passiert ist. Ist das die „Neugier auf das Innere des Anderen“, von der der Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger in seinen Essays über Splatter-Movies geschrieben hat?