Alle Artikel mit dem Schlagwort: US Comic

Morning of the Magician – Die Rückkehr von Rick Veitchs Swamp Thing

Es ist ein fast schon betont friedfertiges Cover, mit dem das Swamp Thing-Heft 88 dieser Tage den Sammlermarkt erreicht: Ein in sich ruhendes Ding aus den Sümpfen trägt ein Lamm, im malerischen Hintergrund sehen wir eine Steinmauer und Olivenbäume. Nach 37 Jahren Wartezeit ist es also nun soweit: Wir erhalten den Abschluss von Rick Veitchs Swamp Thing-Run, wie er ursprünglich gedacht war. Swamp Thing verschlägt es auf seiner Reise durch die Zeit zu den letzten Tagen Jesu, Stunden vor dessen Verhaftung und Kreuzigung. Damals ’89 machte der DC-Verlag einen Rückzieher vor dieser Geschichte, um religiöse Gemüter nicht zu verletzen. Jetzt, wo wir das Heft endlich selbst in Augenschein nehmen können, stellt sich die Frage: Warum eigentlich?

The Legend of Kamui 1 (US)

Als Sanpei Shiratos Kamui 1995 zum ersten Mal in Deutschland erschien, wurde die Manga-Serie von den damals Verantwortlichen des Carlsen Verlags als „Entwicklungsroman“ bezeichnet. Kamui, so hieß es im Klappentext, sei eines „der bedeutendsten Meisterwerke des japanischen Comics“, ein komplexes, siebzehnbändiges Werk und gut recherchierter Bilderbogen Japans im 16. Jahrhundert. Die Reihe biete „Zeichnungen von atemberaubender Präzision“ und zeige „ein authentisches Bild vom Leben der Bauern, Jäger, Fischer und Unberührbaren während der Edo-Periode“. Aber dann war nach gerade mal zwei Bänden Schluss mit diesem sattsam unterhaltsamen Edelmanga, der zwar reichlich Action und Gewalt auffuhr, aber irgendwie gar nicht so bedeutsam wirkte. Hatte man sich bei der Ansage des Klappentexts etwa doch zu weit aus dem Fenster gelehnt? Natürlich war uns irgendwie auch klar, dass der Carlsen Verlag noch gar nicht anders konnte, als nur einen winzigen Guckkasten über einen gewaltigen Comic zu legen. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit.

Dr. Werthless – He studied murder … and nearly killed the comics industry (US)

Dr. Frederic Wertham war ein amerikanischer Psychiater, der den meisten Comicfans dank seiner berüchtigten Kampfschrift Seduction of the Innocent ein rotes Tuch sein dürfte. Werthams Kampagne gegen Schmutz und Schund aus den 1950er Jahren hatte die Einführung eines rigiden Jugendschutzes zur Folge, ruinierte den legendären EC-Verlag, fegte erfolgreiche Horror- und Crime-Comics für Jahrzehnte von den Kiosken, infantilisierte Comics auf Jahrzehnte. Aber was hat Wertham eigentlich sonst in seinem Leben erreicht? Und was, wenn Wertham recht hatte? Der neueste True-Crime-Comic von Harold Schlechter und Eric Powell, dem Team hinter Hast du schon gehört, was Ed Gein gemacht hat kann uns darüber eine erstaunliche Geschichte erzählen.