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Die Verwandlungen der Füchsin

Yang Zhis Die Verwandlungen der Füchsin sieht aus wie die niederschwellige Einstiegsdroge ins Reich der chinesischen Manhwa. Die Zeichnungen sind so klar und übersichtlich, dass man sofort erkennt, dass Yan Zhi gelernte Storyboarderin ist, außerdem ist es in Farbe und mit einem einzigen Band abgeschlossen.

Manchmal sind die Füchse zu Streichen aufgelegt. Alle Abbildungen © Chinabooks.

Aber auch wenn Die Verwandlungen der Füchsin Chinabooks Beitrag zum Gratis Comic Tag war, also einem Event, der seit einiger Zeit eher den Kindercomics vorbehalten bleibt: So ganz niederschwellig ist es auch nicht, dafür ist die Künstlerin Yang Zhi zu sehr auch Kulturwissenschaftlerin. Ich finde es sehr sympathisch, dass Yang Zhis Vorliebe dem Kurzcomic gilt, der unabhängig und im Alleingang hergestellt werden kann. Es entspricht den Produktionsbedingungen, unter denen heute viele deutsche Comics entstehen. Einzelbände, unabhängig, ohne weitere Verpflichtungen. So was kauft auch der Gelegenheitskäufer.

Yang Zhi erzählt eine reizvolle Fabel von zwei Füchsinnen, die sich als Geisterwesen über Jahrhunderte hinweg immer wieder unter die Menschen mischen. Warum aber eigentlich immer nur Menschen? Warum nicht Tiger? fragt die junge Fuchsnovizin ihre Mentorin. Weil Tiger keine Vorstellungskraft besitzen. Und weil Menschen nicht nur eine besonders große Vorstellungskraft haben, sondern damit einhergehend auch noch mit einer besonders getrübten Wahrnehmung gesegnet sind. Mit den Menschen können die Füchse demnach allerhand Schabernack anstellen, während ein Tiger den Fuchs doch nur verschlingen würde. Und so arbeiten sich die Füchsinnen ein ums andere Mal am Menschen ab, knüpfen zarte Gedankenbande und bitten zum Tanz. Füchse spielen den Menschen ihre Wunschfantasien vor. Sie sind einfach sehr schlau. Die Paarung Fuchs/Mensch ist einfach perfekt.

Anhand dieser Grundprämisse entwirft Yang Zhi mit scheinbar leichter Hand Geschichten, die mal die Grenzen zwischen den Geschlechtern, mal die Schranken zwischen den Klassen überschreiten. Sehr berührend dabei die Geschichte, in der die junge Füchsin ihren Menschen heiratet und ein lebenslanges inniges Vertrauensverhältnis pflegt, und nur eine kleine Frage bleibt ungeklärt: Warum altert sie nicht, obwohl er bereits alt und grau ist? Die Füchsin in Menschengestalt gesteht ihrem Vertrauten nun, dass sie sich stets mühte, der perfekten Wunschprojektion ihres Mannes zu entsprechen, „aus Angst, Euch zu missfallen, wenn ich alt aussehe.“ – „Wie sollte ich dich nicht mehr mögen? Ich werde dich immer lieben.“, erwidert darauf der Mann. Er meint es aufrichtig, worauf die Füchsin, beseelt von so viel Liebe, ihr Versteckspiel beendet und ihm ihre tatsächliche Gestalt offenbart. Das Raubtiergesicht ist dann aber doch zuviel für den verliebten alten Herrn. Er stirbt sogleich vor Schreck.

Die Füchsin und ihr Gemahl.

Es sind wundervolle menschliche und berührende Geschichten, die Yang Zhi uns hier erzählt, in denen sie sowohl der chinesischen Märchen- und Geisterwelt nachspürt und gleichzeitig mit großer Sensibilität moderne Aspekte einfließen lässt, bis sich unsere Fuchswesen in der Komplexität des Menschseins verheddern und beinahe vergessen, dass sie doch eigentlich nur spielen wollten. Es steckt viel Klugheit in diesen kleinen Geschichten. Traditionelle Sagen und Märchen bleiben eben auch im 21. Jahrhundert ein nicht zu unterschätzender Quell der Weisheit.

Bezaubernde Fuchsfabeln voll Hintersinn und Poesie

9von10Die Verwandlungen der Füchsin 
Chinabooks, 2026
Text und Zeichnungen: Yang Zhi
Übersetzung: Eva Lüdi Kong
232 Seiten, Farbe, Softcover
Preis: 19 Euro
ISBN: 978-3038870494
Leseprobe

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