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Topcomics 2025 – Unsere Favoriten des letzten Jahres

Im Januar ist es bei uns von Comicgate Tradition, dass einige Redakteure ihre Top 5 des letzten Jahres vorstellen. Wir sind ein Team mit sehr bunt und breit gestreuten Interessen, wir folgen unseren selbst gesetzten Schwerpunkten und haben jeder unseren eigenen Tellerrand. Erst zusammen sind wir in der Lage, ein wirklich breites Spektrum der Gattung abzubilden. Deswegen wollen wir euch auch dieses Jahr unsere individuellen Jahresbestenlisten nicht vorenthalten.

★★★

Die Comicgate-Jahresbestenliste 2025

Die Jahresbestenliste von Philip Waldner

Platz 5 – Die Frau als Mensch
von Ulli Lust
Reprodukt

Bemerkenswert, was die Österreicherin Ulli Lust heuer mit diesem Sachcomic vorgelegt hat. Darin taucht sie in die Frühgeschichte der Menschheit ein und zeigt anhand zahlreicher wissenschaftlicher Quellen, dass die Darstellung und Rolle der Frauen in den verschiedenen prähistorischen Kulturen viel selbstbewusster war, als das anthropologische Klischee der Geschlechteraufteilung in Jäger und Sammler uns glauben machen lässt. Jägerinnen, Schamaninnen, Künstlerinnen: Frauen waren in der Eiszeit für weit mehr zuständig als fürs Kinderkriegen. Das kann anhand zahlreicher archäologischer Funde belegt werden, und Lust bereitet sie in dem, was man einen „Science-to-Public“-Comic nennen könnte, leichtfüßig auf, ihre feministische Botschaft dabei nie aus den Augen verlierend. Wie die Autorin hier das Medium Comic dazu nutzt, von wissenschaftlichen Fachpublikationen zu Dokumentarfilmausschnitten zu persönlichen Einblicken in ihre Kindheit überzugehen, muss man gesehen haben. Dafür gab es zu Recht die Auszeichnung mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2025 – und das als erster Comic überhaupt!
CG-Rezension hier!

Platz 4 – DC All In Special
von Dan Mora, Scott Snyder, Joshua Williamson
Panini Comics

Seit Crisis on Infinite Earths ist der US-Verlag DC für seine bombastischen Events bekannt. Diese wirken häufig überfrachtet und geben narrativ wenig her, weil – salopp formuliert – die Handlung einen bloßen Vorwand liefert, Superheldenserien wieder bei null anfangen zu lassen. Die DC-All-In-Initiative ist anders. Ja, es handelt sich um ein Event kosmologischen Ausmaßes. Ja, es werden dadurch neue Heftreihen ins Leben gerufen. Aber erzählerisch langweilig? Keineswegs. Die Geschichte des DC-All-In-Specials aus der Feder der beiden Starautoren Scott Snyder und Joshua Williamson wird aus zwei Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeitpunkten gestartet. Auf der einen Seite sehen wir die Justice League, wie sie einen neuen Stützpunkt im All eröffnet. Drehen wir das Heft um, verfolgen wir die Suche des Superschurken Darkseid nach dem Racheengel Spectre. Welchen Erzählstrang wir zuerst lesen, bleibt uns überlassen. In der Mitte treffen sich die beiden Geschichten, wobei Löcher in den Heftseiten (welche Risse im Raum-Zeit-Kontinuum symbolisieren sollen) die andere Realität durchscheinen lassen. Derartige Experimente sind für Mainstream-Superheldencomics rar. Mit verantwortlich für die bahnbrechende Konzeption ist das neue, junge Zeichentalent Dan Mora, den – man kann es nicht anders sagen – DC dem Konkurrenten Marvel vor den Augen weggeschnappt hat.

Platz 3 – Absolute Wonder Woman 1
von Kelly Thompson, Hayden Sherman
Panini Comics

Wonder Woman, die uns auf einem skeletthaften Pegasus wild entschlossen entgegenfliegt – wer den Comic bei diesem Cover nicht sofort lesen will, ist selber schuld. Die Amazone gehört neben Batman und Superman zu den ersten Figuren, die im Rahmen von DCs neuer All-In Publikationsinitiative einen frischen Anstrich bekamen. Da es sich um eine von Darkseid geprägte Welt handelt, wird es den Helden hier noch schwerer gemacht – was Anlass zu spannenden Gedankenexperimenten gibt. Was wäre, wenn Diana nicht auf der paradiesischen Insel Themyscira aufgewachsen wäre, sondern in der Unterwelt? Genau dieser Idee gehen Autorin Kelly Thompson und Zeichner Hayden Sherman in Absolute Wonder Woman nach. Dabei werden Wonder Womans Einbettung in die griechische Mythologie sowie ihr Talent als Magierin betont. Diana führt uns vor, wie man es sich selbst in der Hölle wohnlich einrichten kann und dass man im Kampf gegen kaijuartige Monster am besten ein größeres Schwert mitbringen sollte. Der Eisner-Award als „Best New Series“ 2025 für diesen furiosen Actioncomic war absolut verdient.

Platz 2 – Salut, Deleuze! Gesamtausgabe
von Martin tom Dieck, Jens Balzer
Reprodukt

2025 jährte sich der Geburtstag des französischen Philosophen Gilles Deleuze zum 100. Mal. Man kann sich keine bessere Würdigung vorstellen, als es Zeichner Martin tom Dieck und Autor Jens Balzer in der Gesamtausgabe ihrer Deleuze-Comics unternahmen. Was mit Salut, Deleuze! 1997 begann und sich mit Die Rückkehr von Deleuze 2001 fortsetzte, erreichte letztes Jahr mit Holy Deleuze! seinen Abschluss. Reprodukt brachte die drei Comics dankenswerterweise gleich in einem Band heraus. Deleuze, der sich 1995 das Leben nahm, landet in Diecks und Balzers Geschichte nach seinem Tod in der Unterwelt. Gemeinsam mit einem Fährmann rudert er über den Totenfluss Lethe. Dieses Übersetzen wiederholt sich mehrmals, mit kleineren Abweichungen und Variationen, bis Deleuze am anderen Ufer auf seine (ebenfalls bereits verstorbenen) Poststrukturalisten-Kollegen Lacan, Barthes und Foucault trifft. Das Bemühen von Deleuzes Philosophie, die Wiederholung nicht vom Selben, sondern von der Differenz her zu denken, erreicht in dieser Story einen wunderbar verspielten Ausdruck – und ist wie gemacht für das Medium Comic. Wenn dann auch noch Sigmund Freud als Pilze suchender Phallusfanatiker oder Buster Keaton als Maschinenbauer Gastauftritte haben, wird klar: Wir haben hier einen der lustigsten Comics des letzten Jahres vor uns.

Platz 1 – Nightwing 4
von Tom Taylor, Bruno Redondo
Panini Comics

Alle guten Dinge müssen enden. Wobei man beim Abschluss von Tom Taylors seit 2021 erfolgreich laufendem Nightwing-Run schon die eine oder andere Träne vergießen kann. Gemeinsam mit Zeichner Bruno Redondo zeigte uns Taylor, was Superheldencomics heutzutage so alles draufhaben. Neben formalen Spielereien (wir erinnern uns an die One-Panel Ausgabe Nightwing #87) überzeugte die Reihe durchwegs mit klugem Storytelling und sympathischen Figuren. Nicht zuletzt die dreibeinige Hündin Haley (liebevoll „Bitewing“ genannt) muss einem einfach ans Herz wachsen. Im letzten Band stellt sich Dick seiner Höhenangst, wobei er lernt, auf das Auffangnetz seiner Familie, Weggefährten und Freunde zu vertrauen. Nightwings finale Konfrontation mit einem Serienkiller (der nicht umsonst „Heartless“ heißt) wird zum Plädoyer für mehr Mitgefühl und Empathie angesichts einer immer kaltherziger werdenden Welt. Fast beiläufig schafft es Taylor, Nightwings Ursprungsgeschichte subtil umzudeuten, ohne dass sich langjährige Fans der Figur dabei ärgern müssen. Ein Kunststück, auf das der ehemalige Zirkusartist Dick Grayson wohl stolz wäre.
CG-Rezension hier!

★★★

Die Jahresbestenliste von Christian Muschweck

Platz 5 – Hexenkunst
von Sole Otero
Reprodukt

„Sole Otero hat mit Hexenkunst ein episches Fresko zwischen Horror und Komödie geschaffen, in der sie den Fokus auf weiblich zugeschriebene Attribute wie Fürsorge, Attraktion und Hexerei legt“, lautet die Inhaltsangabe auf den Buchdeckel – aber ganz ehrlich, viel gelacht habe ich nicht. Feministisch ist Hexenkunst insofern, dass die Abgründe einer männlich dominierten Ordnung eine große Rolle spielen. Wie ein Spiegel existiert in Hexenkunst eine subversive, weibliche Hexenherrschaft, die ein großes Unbehagen erzeugt. Hexenkunst wirkt auf mich eher wie ein Totentanz als eine Utopie, wie bei jedem Totentanz wird aber eben doch auch das Leben gefeiert. Das achtzigseitige Kapitel „Ualitcho“ (Seite 71 – 156) ist in meinen Augen das beste Stück Folk-Horror des neuen Jahrtausends. Auch wenn ich Comic-Verfilmungen stets skeptisch gegenüber stehe: Das wäre ein toller Horrorfilm.
CG-Rezension hier!

Platz 4 – Unico erwacht
von Samuel Sattin, Gurihiro
Loewe Comics

Es gibt sie doch noch: die richtig spannenden Kindercomics. Die Neuversion eines Klassikers von Osamu Tezuka erfreut vordergründig durch freundliche Figuren und liebevoll ausgestattete Landschaften; beginnt man mit dem Lesen, so findet man sich aber schnell in einem so einfachen wie fesselnden Plot (die Göttin Venus will das Einhorn Unico vernichten lassen) und trifft Figuren, in denen seelische Abgründe lauern. Wird es zu düster, verwandelt sich der niedliche Unico dann schon mal in ein stattliches ausgewachsenes Einhorn, damit nicht alles den Bach runtergeht und das Gute überhaupt noch eine Chance hat. Steht das Einhorn etwa für den Mut, den es benötigt, um die Hoffnung nicht ganz zu verlieren? Ein spannender Comic für Kinder wie Erwachsene in umwerfenden Zeichnungen von dem Künstlerteam, das auch schon bei DC Superman Smashes the Klan zum Leuchten brachte.
CG-Rezension hier!

Platz 3 – Justus Jonas
von Christopher Tauber
Kosmos Verlag

Fast wirkt es, als habe sich in der Welt der drei ??? eine Zeitfalte gebildet, so dass jetzt zwei unterschiedliche Realitätsebenen existieren. Auf der einen Seite ist da nun die freundliche Drei ???-Comicserie in bunt, in der es verhältnismäßig ungefährlich zugeht, auf der anderen Seite sind die düsteren Graphic Novels Rocky Beach und die Fortsetzung Justus Jonas, in denen die Abenteuer der Jugenddetektive als verklärte Kindheitserinnerungen weit zurückliegen, während inzwischen das wahre Leben zubeißt. Das könnte ganz schön trist sein, aber Christopher Tauber und Marius Pawlitza entführen uns in die Peripherie Hollywoods der 70er Jahre und fackeln ein Feuerwerk an Ideen ab, die sich die alten Investigators nicht hätten vorstellen können. Der Schutzmantel der Kindheit blättert ab, etwas Neues muss gefunden werden. Bei dieser Suche sind wir gerne mit dabei.
CG-Rezension hier!

Platz 2 – Die Knef
von Moritz Stetter
Carlsen Comics

Soll ich wirklich diesen Zeitgeschichte-Schinken in die Bestenliste aufnehmen? Aber ich hab ihn einfach sehr gern gelesen. Andernorts habe ich in einer besonders kritischen Comicrezension gesehen, dass es dem Comic nicht gelinge, Hildegard Knefs Stimme zum Klingen zu bringen, gerade ihre Schlagfertigkeit würde nicht annähernd erreicht. Ich frage mich aber auch, ob das das Ziel des Comics sein kann. Hier spricht vielmehr Moritz Stetter mit sehr ausdrucksstarker Bildsprache zu uns, erzählt nicht nur pflichtschuldig Lebensstationen, sondern macht dies pointiert, fokussiert und mit großer gestalterischer Raffinesse. Die Hildegard Knef der Schlager und Chansons mit ihrer smarten Ironie lässt sich nur schwer mit der Knef der Kriegsjahre und ihrer Schauspielerjahre zusammenbringen. Moritz Stetter gelingt das mit seinem Bilderbogen und er hat wirklich alle Register gezogen, um die Auf-und-Abs der großen Dame zu visualisieren. Der Erfolg dieses Buchs ist verdient.

Platz 1 – Was vom Leben übrigbleibt
von Titus Ackermann
Moga Mobo

Und noch mal Zeitgeschichte: Der Opa ist gestorben und jeder wusste, dass er ein Nazi war. Wie konnte man trotz alledem die ganzen Jahre gut mit ihm zusammenleben? Dieser Frage geht der bemerkenswerte Comic auf den Grund. Es ist schon eine bemerkenswerte Sache, dass eine der interessantesten Arbeiten des Jahres aus Überzeugung gratis unters Volk gebracht wird. Ich breche trotzdem die Lanze für die Deluxe-Version, weil sie mit ihrer durchdachten Konzeption der Schutzumschläge einen echten Mehrwert liefert. Andererseits hat das Gratisangebot seinen eigenen Wert in sich geborgen: Qualität muss erschwinglich bleiben, sagt uns das; und nicht alles, was hochpreisig ist, muss deswegen wichtiger oder besser sein. Moga Mobo geben hier seit über 30 Jahren ein kraftvolles Statement und sind in all den Jahren eine stetig wichtiger werdende Stimme des deutschen Comics geworden. Titus Ackermann war schon immer der Moga-Mobo-Künstler, der gerne introspektive und autobiografische Inhalte gestaltete. Mit Was vom Leben übrigbleibt ist ihm sein bisher größtes, persönlichstes und komplexestes Werk gelungen. Man merkt ihm die Leidenschaft und den Mitteilungsdrang auf jeder Seite an.
CG-Rezension hier! 

★★★

Die Jahresbestenliste von Jan-Nikas Bersenkowitsch:

Das Beste zuerst – Nausicaä aus dem Tal der Winde (Doppelband-Edition)
von Hayao Miyazaki
Carlsen Comics

Nach langer Zeit hat Carlsen diesen wunderschönen Manga als edles Hardcover im großen Format neu aufgelegt. Und es tut dem Werk auch Ehre, denn Nausicaä aus dem Tal der Winde ist einer der schönsten Mangaserien aller Zeiten. Obwohl es in einer fremdartigen postapokalyptischen Welt stattfindet, kann man hier sehen, wie die Natur sich erholt, in all ihrer Pracht aufblüht und gesünder, kräftiger denn je wirkt. Fast möchte man meinen, dass die Welt ohne den Menschen besser dran wäre. Das ist bestimmt eine Lesart, vor allem, wenn man den Film von 1984 gesehen hat. Aber dann entwickelt sich die Geschichte weiter und geht über die Kritik an der Zerstörung der Umwelt hinaus. Die Natur des Menschen – im Guten wie im Schlechten – wird untersucht, die Figuren gewinnen an Komplexität und Annahmen aus dem ersten Drittel der Geschichte werden hinterfragt.

Nausicaä aus dem Tal der Winde ist für mich kein Manga, den mal eben in die Hand nimmt, sondern einer, den man in einem Rutsch mit einem Auge für Details lesen muss. Es ist ein Meisterwerk, das als ökologische Abenteuergeschichte beginnt und dann immer mehr wird. Ich liebe ihn einfach und sollte ihn bald erneut lesen.

 

Das Buch, das ich immer wieder in die Hand nehme – Bowling with Corpses and Other Strange Tales from Lands Unknown 
von Mike Mignola
Dark Horse Comics

Mike Mignola hat endlich mal wieder Comics gezeichnet, und diese wurden in diesem hübschen Hardcover mit einem extrem sperrigen Titel gesammelt. Die Geschichten sind mal märchenhaft, mal gruselig und hier und da auch merkwürdig. Sprechende Tiere werden auf jeden Fall nie aufhören, merkwürdig zu sein.

Mignolas Stil ist noch einmal minimalistischer geworden, aber egal, wie viele Skelette er zeichnet, ich kann mich nicht daran satt sehen. Bowling with Corpses and Other Strange Tales from Lands Unknown gibt uns einen groben Überblick über diese mystische, mittelalterliche Welt, in der die Geschichten stattfinden, gewährt uns Einblicke in ihre Mythologie und deutet auch hier wieder einen Konflikt aus anderen Werken Mignolas an. Es ist wie ein riesiger Teaser, der die Fantasie anregt und Hunger auf mehr macht. Anders würde ich es nicht haben wollen, da es mich in die Zeit zurückversetzt, als ich oft nichts weiter als ein paar Worte hatte, um mir die Welt der Kurzgeschichten von Meistern wie Fritz Leiber oder Robert E. Howard vorstellen zu können.

Ein längerer Comic mit ähnlich sperrigem Titel ist angekündigt, der in derselben Welt spielt. Bis es so weit ist, lese ich Bowling with Corpses and Other Strange Tales from Lands Unknown sicher noch öfter. Sieben Mal reicht noch lange nicht.

 

Ein Mann, sein Fall, und wie er am Ende bricht – The Casebook of Stamford Hawksmoor
Bryan Talbot
Penguin Books

Der letzte Band der Serie Grandville  hatte mich eher enttäuscht. Zu vorhersehbar, keine richtige Gefahr, und die Hauptfigur war zu unbesiegbar. Dass ausgerechnet das Spin-Off, The Casebook of Stamford Hawksmoor, um den Mentor des Dachses Archibald Lebrock mich so begeistert, stand jedenfalls nicht auf meiner Liste.

Im Gegensatz zu Grandville wird die Action hier zurückgeschraubt, und wir erleben die Geschichte als klassischen Krimi vor dem Hintergrund eines Regierungswechsels. Großbritannien hat das französische Kaiserreich vertrieben, die Regierung ist selbst gewählt und die Klassengesellschaft existiert nicht mehr. Also sollte sich alles zum Besten wandeln, oder? Sollte es, tut es aber nicht, wie Talbot in dieser Geschichte über Korruption eindringlich erzählt. Nur weil sich oberflächlich etwas ändert, heißt das noch lange nicht, dass es besser wird. Das lernt auch Stamford Hawksmoor, ein brillanter Ermittler, der alles tut, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sein Sozialleben ist kaum vorhanden, und nach und nach verliert er alles, was ihm lieb ist.

Zerbricht er daran? Gute Frage, aber ich werde sie nicht beantworten. Stattdessen werde ich The Casebook of Stamford Hawksmoor erneut in die Hand nehmen und mich in den steampunkesken Straßen Londons verlieren und mich daran erfreuen, was für eine komplexe und traurige Figur Stamford Hawksmoor doch ist, der hoffentlich etwas Glück am Ende findet.

 

Kleine Momente mit einem großen Schwert – BIG-ASS SWORD
Andreas Butzbach
2000 AD/Rebellion

Dass ich mal einen deutschen Comic bei einem englischen Publisher sehen würde, hätte ich nicht gedacht. Genauso überraschend sind auch die Ereignisse in dieser Episodensammlung um einen Roboter mit einem riesigen Schwert und seinem Kumpel, den sprechenden Roboterschädel.

Mal lustig, mal nachdenklich: BIG-ASS SWORD ist eine unterhaltsame Serie von coolen Momenten in einem Stil, die mich in ihrem Minimalismus an Mike Mignola erinnert. Es ist ein Comic, den man erlebt. Vielleicht wird sich das irgendwann ändern, aber bis dahin erfreue ich mich an den Bildern und mache es wie der namenlose Roboter: Ich schau mal, wo mich die Reise hinträgt und genieße den Moment.

 

Endlich vollständig – Astro City Metrobook 1-6
Kurt Busiek und Brent Anderson
Image Comics

Je älter ich werde, desto mehr weiß ich Astro City zu schätzen. Kurt Busiek und Brent Anderson haben eine Serie geschaffen, die einerseits ihre Liebe zu den alten Geschichten des Superheldengenres zeigt, gleichzeitig aber auch nicht vergisst, dass es die Geschichten über Menschen sind, die wirklich in Erinnerung bleiben. Vor allem der Fokus auf normale Menschen bleibt weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal der Serie, da so auch betont wird, dass in uns allen ein Held steckt. Das könnte kitschig sein, wird aber mit jeder Geschichte mehr vertieft und von allen Seiten betrachtet, sodass sich nicht nur auf große Kloppereien, sondern auch auf die kleinen Momente konzentriert wird, die man immer wieder im echten Leben vergisst.

Man muss all die Anspielungen auf Marvel und DC nicht verstehen, um die Serie zu genießen. Die Figuren sind mehr als bloße Kopien von Batman, Spider-Man und allen anderen. Sie leben, sie atmen, sie verändern sich. Seit 2022 sind keine neuen Geschichten erschienen, aber in der vorliegenden Ausgabe von sechs Softcoverbänden liegt die Serie endlich vollständig vor.

Es ist egal, welchen Band der Astro City: Metrobooks man als erstes in die Hand nimmt – ich empfehle allerdings den zweiten, da er die Miniserie „Tarnished Angel“ enthält, in der ein ehemaliger Superschurke versucht, sich sein Leben neu aufzubauen. Mit dieser Geschichte fügen sich alle Puzzleteile zum ersten Mal zusammen und es ist neben Einzelheften wie das „Samaritan Special“ der Comic, an den ich denke, wenn ich von Astro City träume.

Weiterführende Links:

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