Alle Artikel mit dem Schlagwort: fantastisch (9-10 Punkte)

Rudi Fett & Komplett

Als sich der spitznäsige Berufsjugendliche Rudi und dessen Kumpel Fred in ihrem ersten Comic in die rechte Kneipe „Bunker“ verirrten, konnte man als Leser sicher noch nicht erahnen, dass Peter Pucks Schöpfung über viele Jahre hinweg den deutschen Comic mitprägen sollte. Die erste Rudi-Erzählung erschien 1985 im Stuttgarter Stadtmagazin live, fortan veröffentlichten diverse Magazine die monatlichen Episoden und natürlich wurden diese in Sammelalben nach und nach gebündelt. Puck verfeinerte seinen Stil und Rudi mauserte sich bis in die 2000er Jahre hinein zu einer der aufregendsten und innovativsten deutschen Produktionen. Nach einigen Nominierungen wurde dem Künstler 2002 dann endlich der Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic-Künstler verliehen. Völlig zu Recht, wie ein jetzt in der Egmont Comic Collection vorgelegter Gesamtband eindrucksvoll dokumentiert.

Will Eisners The Spirit Archive 22

Man kann dem Verlag Salleck Publications nicht genug dafür loben, dass er seit inzwischen 13 Jahren eine Gesamtausgabe des großen Klassikers The Spirit auf Deutsch veröffentlicht. Mittlerweile ist man schon bei der 22. Ausgabe angekommen. Die Geschichten präsentieren sich in edlem Hardcover und auf einem Papier, das entfernt an die damaligen groben Strukturen der Zeitungsbeilagen erinnert. Der happige Preis ist es wert, denn schließlich sind nicht alle Abenteuer des Spirit komplett auf Deutsch erschienen, sondern immer nur ausgewählte. Erst für die Archive sind alle Strips zusammengetragen, chronologisch sortiert und zum größten Teil auch neu oder erstmals übersetzt worden. Wer das zu schätzen weiß und einen großen Wegbereiter der Comickunst komplettieren will, der nimmt die knapp 50 Euro also im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf. Jeder Band der Archive umreißt ein halbes Jahr der Originalveröffentlichungen, der aktuelle Band deckt die erste Hälfte des Jahres 1951 ab.

Die Farbe der Luft

Die Wahrheit ist: die Welt war und ist und bleibt wohl für alle Zeiten undurchdringlich. Alle, die etwas anderes behaupten, lügen. Natürlich machen diese Lügen Spaß. Sie ermöglichen uns vermeintliche Strukturen zu erkennen (wo keine sind) und dem Ganzen so etwas wie einen Sinn abzugewinnen (wo keiner ist). Das fängt schon bei der Akademisierung von Wissen oder der Historisierung von Zeit an, aber es geht natürlich auch weitaus banaler. Zum Beispiel mit Shakespeare-Dramen. Oder, um post-modern zu bleiben, mit Superhelden-Comics und Popcorn-Blockbustern, sowie mit der gerade wuchernden Maximalisierung aus beiden, dem Superhelden-Blockbuster. Man maximiert darin nichts anderes als Lügen, und das bis zum Exzess. Es gibt da alles in Hochprozentig: gut, böse, Erkenntnis, Kampf, Sieg/Niederlage, und weitere statische, sich klar voneinander abgrenzende … Dinge. Diese lösen beim Zuschauen entweder maximalen Spaß aus oder führen, wie nach einem Überkopf-Schleuderspektakel auf dem Jahrmarkt, zum Erbrechen. Die Lügen, sie schmecken nicht immer.

Die Verschiebung

Bereits zum sechsten Mal dürfen wir in Die Verschiebung den Abenteuern des Julius Corentin Acquefacques, dem „Gefangenen der Träume“, folgen. Der in einer kafkaesken Welt lebende Angestellte im Ministerium für Humor ist seit Jahren der bevorzugte Spielball des französischen Künstlers Marc-Antoine Mathieu, wenn es darum geht, am Medium Comic herumzuexperimentieren. Im neuesten Band verschiebt Mathieu die Zeitebene, lässt seinen Protagonisten wortwörtlich aus dem Rahmen fallen. Ein wahrlich verrücktes Werk.

Die große Macht des kleinen Schninkel

Auf dem Planeten Daar herrscht schon seit jeher ein endloser Krieg. Drei sogenannte „Unsterbliche“, Barr-Find Schwarzhand, Jargoth der Wohlduftende und Zembria die Zyklopin, führen gigantische Heere von Sklavenvölkern an, die sich gegenseitig bekriegen. Doch eines Tages erscheint dem kleinen Schninkel J’On der Schöpfer aller Welten am Firmament. Dieser sieht aus wie ein schwarzer Quader und beauftragt den Auserwählten mit der Mission, Daar zu befrieden. Andernfalls wird die Existenz aller Lebewesen des Planeten ausgelöscht. J’On, vom Schöpfer vermeintlich mit übersinnlicher Macht gesegnet, beginnt also etwas unfreiwillig seine Quest und muss es unbedingt schaffen, die drei Unsterblichen vom Krieg abzuhalten.