Alle Artikel mit dem Schlagwort: fantastisch (9-10 Punkte)

Die Farbe der Luft

Die Wahrheit ist: die Welt war und ist und bleibt wohl für alle Zeiten undurchdringlich. Alle, die etwas anderes behaupten, lügen. Natürlich machen diese Lügen Spaß. Sie ermöglichen uns vermeintliche Strukturen zu erkennen (wo keine sind) und dem Ganzen so etwas wie einen Sinn abzugewinnen (wo keiner ist). Das fängt schon bei der Akademisierung von Wissen oder der Historisierung von Zeit an, aber es geht natürlich auch weitaus banaler. Zum Beispiel mit Shakespeare-Dramen. Oder, um post-modern zu bleiben, mit Superhelden-Comics und Popcorn-Blockbustern, sowie mit der gerade wuchernden Maximalisierung aus beiden, dem Superhelden-Blockbuster. Man maximiert darin nichts anderes als Lügen, und das bis zum Exzess. Es gibt da alles in Hochprozentig: gut, böse, Erkenntnis, Kampf, Sieg/Niederlage, und weitere statische, sich klar voneinander abgrenzende … Dinge. Diese lösen beim Zuschauen entweder maximalen Spaß aus oder führen, wie nach einem Überkopf-Schleuderspektakel auf dem Jahrmarkt, zum Erbrechen. Die Lügen, sie schmecken nicht immer.

Die Verschiebung

Bereits zum sechsten Mal dürfen wir in Die Verschiebung den Abenteuern des Julius Corentin Acquefacques, dem „Gefangenen der Träume“, folgen. Der in einer kafkaesken Welt lebende Angestellte im Ministerium für Humor ist seit Jahren der bevorzugte Spielball des französischen Künstlers Marc-Antoine Mathieu, wenn es darum geht, am Medium Comic herumzuexperimentieren. Im neuesten Band verschiebt Mathieu die Zeitebene, lässt seinen Protagonisten wortwörtlich aus dem Rahmen fallen. Ein wahrlich verrücktes Werk.

Die große Macht des kleinen Schninkel

Auf dem Planeten Daar herrscht schon seit jeher ein endloser Krieg. Drei sogenannte „Unsterbliche“, Barr-Find Schwarzhand, Jargoth der Wohlduftende und Zembria die Zyklopin, führen gigantische Heere von Sklavenvölkern an, die sich gegenseitig bekriegen. Doch eines Tages erscheint dem kleinen Schninkel J’On der Schöpfer aller Welten am Firmament. Dieser sieht aus wie ein schwarzer Quader und beauftragt den Auserwählten mit der Mission, Daar zu befrieden. Andernfalls wird die Existenz aller Lebewesen des Planeten ausgelöscht. J’On, vom Schöpfer vermeintlich mit übersinnlicher Macht gesegnet, beginnt also etwas unfreiwillig seine Quest und muss es unbedingt schaffen, die drei Unsterblichen vom Krieg abzuhalten.

Sequana

Die Pariser Jahrhundertflut von 1910 bildet das Hintergrundszenario für Léo Henrys und Stéphane Pergers ambitionierten Comic Sequana, der als BD-Dreiteiler zwischen 2007 und 2008 in Frankreich erschien. Auf knapp 150 Seiten entwerfen die beiden in einer komplexen Geschichte und mittels beeindruckender Zeichnungen ein Sittengemälde Frankreichs wenige Jahre vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs. Dass der Comic doch noch in Deutschland erscheint, ist – das sei vorweggenommen – ein Glücksfall.

Dylan Dog 1

Die in Italien sehr populäre und äußerst langlebige Horrorcomicreihe Dylan Dog startet einen neuen Anlauf in Deutschland. Nachdem die Serie von 2001 bis 2002 bei Carlsen und danach sechs Jahre lang bei Schwarzer Klecks in schwarz-weißen Taschenbüchern herauskam, bringt der ursprünglich aus Kroatien stammende Libellus Verlag jetzt eine komplett kolorierte Hardcover-Edition auf den Markt, in der die italienischen Geschichten chronologisch in der Originalreihenfolge veröffentlicht werden.