Autor: Christian Muschweck

Erlangen 2026 – Das große Comicgate-Messe-ABC

Nach dem „feucht-fröhlichen“ letzten Comic-Salon im Jahr 2024 konnten sich Comicbegeisterte dieses Mal bei festivalfreundlicherem Wetter (mit nur kleinen Starkwind-Kapriolen und kurzen Regenschauern) im fränkischen Erlangen tummeln und auch die Außenbereiche, allem voran den Schlossgarten, ausgiebig nutzen und genießen. Comicszene und Salon präsentierten sich trotz allen wirtschaftlichen und politischen Unbills so vielfältig und kreativ, dass die großen Einsparungen aufgrund der Finanzkrise der Stadt überhaupt nicht groß auffielen. Im Gegenteil erschien das Programm der größten Comicmesse Deutschlands (dieses Jahr Rekord mit über 35.000 Besucher:innen) gefühlt mindestens so umfangreich wie sonst, wenn nicht gar noch umfangreicher. Chapeau, Kulturamt Erlangen! Die Comicgate-Crew war natürlich auch wieder vor Ort, um die vielen, vielen Ausstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Künstler*innengespräche, Kindercomic-Rallyes und natürlich die Comicmesse zu besuchen und dabei ganz persönliche Eindrücke zu sammeln. Diese präsentieren wir euch in Form unseres bewährten Messe-ABCs, mit dem ihr hoffentlich soviel Spaß habt, wie wir auf dem Salon!

Morning of the Magician – Die Rückkehr von Rick Veitchs Swamp Thing

Es ist ein fast schon betont friedfertiges Cover, mit dem das Swamp Thing-Heft 88 dieser Tage den Sammlermarkt erreicht: Ein in sich ruhendes Ding aus den Sümpfen trägt ein Lamm, im malerischen Hintergrund sehen wir eine Steinmauer und Olivenbäume. Nach 37 Jahren Wartezeit ist es also nun soweit: Wir erhalten den Abschluss von Rick Veitchs Swamp Thing-Run, wie er ursprünglich gedacht war. Swamp Thing verschlägt es auf seiner Reise durch die Zeit zu den letzten Tagen Jesu, Stunden vor dessen Verhaftung und Kreuzigung. Damals ’89 machte der DC-Verlag einen Rückzieher vor dieser Geschichte, um religiöse Gemüter nicht zu verletzen. Jetzt, wo wir das Heft endlich selbst in Augenschein nehmen können, stellt sich die Frage: Warum eigentlich?

Während der Nacht

Vom deutschen Stummfilm, insbesondere vom expressionistischen Stummfilm der Weimarer Zeit, geht eine Faszination aus, die auch nach über 100 Jahren ungebrochen ist. Der Gedanke, dass direkt nach dem schrecklichen Weltkrieg eine derartige Kreativexplosion möglich war, das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Und welcher Art diese Träume dann noch waren: F.W. Murnaus Faust und Nosferatu, Robert Wienes Dr. Caligari, Fritz Langs Dr. Mabuse und Metropolis – Filme, die heute als Seismographen ihrer Zeit gelten, die vielleicht die Schatten der Nazizeit bereits antizipiert haben.

The Legend of Kamui 1 (US)

Als Sanpei Shiratos Kamui 1995 zum ersten Mal in Deutschland erschien, wurde die Manga-Serie von den damals Verantwortlichen des Carlsen Verlags als „Entwicklungsroman“ bezeichnet. Kamui, so hieß es im Klappentext, sei eines „der bedeutendsten Meisterwerke des japanischen Comics“, ein komplexes, siebzehnbändiges Werk und gut recherchierter Bilderbogen Japans im 16. Jahrhundert. Die Reihe biete „Zeichnungen von atemberaubender Präzision“ und zeige „ein authentisches Bild vom Leben der Bauern, Jäger, Fischer und Unberührbaren während der Edo-Periode“. Aber dann war nach gerade mal zwei Bänden Schluss mit diesem sattsam unterhaltsamen Edelmanga, der zwar reichlich Action und Gewalt auffuhr, aber irgendwie gar nicht so bedeutsam wirkte. Hatte man sich bei der Ansage des Klappentexts etwa doch zu weit aus dem Fenster gelehnt? Natürlich war uns irgendwie auch klar, dass der Carlsen Verlag noch gar nicht anders konnte, als nur einen winzigen Guckkasten über einen gewaltigen Comic zu legen. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit.