Alle Artikel mit dem Schlagwort: gut (7-8 Punkte)

John Tiffany 1 – Das Geheimnis des Glücks

Kopfgeldjäger John Tiffany sitzt gerade in einem Restaurant in Mexico City, als er von einem Mann mit Cowboyhut überrascht wird, der sein Geld ebenfalls mit der Jagd auf Menschen verdient. Wie sich herausstellt, ist Tiffany mittlerweile selbst zur Zielscheibe geworden und bringt seinem Finder ein hübsches Sümmchen ein. Die Frage ist nur, wer den Auftrag dafür gegeben hat. Und, fast noch wichtiger, hat einer seiner engsten Vertrauten seinen Aufenthaltsort verraten?

Baltimore 1

Mit Holzbein und Harpune ist Lord Baltimore im Europa des frühen 20. Jahrhunderts unterwegs. Auf der Jagd nach seiner Nemesis, um bittere Rache zu nehmen. Die Titelfigur in Mike Mignolas und Christopher Goldens Comic ist damit eine klare Referenz an Moby Dick bzw. an Design und Motivation des Kapitän Ahab aus Herman Melvilles Roman. Baltimores „Weißer Wal“ heißt Haigus, ist ein hochrangiger Vampir und für den Tod der Familie des Lords verantwortlich.

Caravaggio 1 – Mit Pinsel und Schwert

Eine Comicbiographie eines Malers? Das dürfte für die meisten potenziellen Leser eher abschreckend wirken. Man könnte denken, dass Biographien von Malern oder auch Schriftstellern wenig ergiebig wären, da sie immer nur an der Staffelei oder am Schreibtisch sitzen und nur wenig erleben. Aber auch diese Künstler brauchen ihre Anregungen, die sie sich von außen, aus dem Leben, holen. Zudem gibt es immer auch Ausnahmen. Bei den Schriftstellern ist das etwa Ernest Hemingway und bei den Malern eindeutig Caravaggio.

Porn Story

Ralf König nähert sich immer mehr Woody Allen an und macht verlässlich Jahr für Jahr seine Gesellschaftskomödie über ein klar abgestecktes Themengebiet. Mit seinem neuesten Werk ist er nach der Weltraum-Extravaganza Barry Hoden wieder ganz auf der Erde angekommen – und dreht den Fokus dabei beinahe komplett um: Nicht die unendlichen Weiten des Weltalls sind diesmal das Thema, sondern die unendlichen Weiten in den Köpfen jedes einzelnen Individuums. Natürlich handelte auch das Vorgängerwerk, Barry Hoden, nicht wirklich vom Weltraum, aber immerhin war es ein rein eskapistischer Spaß für fortgeschrittene Ralf-König-Leser. Porn Story dürfte deutlich ernster gemeint sein, auch wenn der Spaß dabei nach wie vor nicht zu kurz kommt.

Weiß wie der Mond

Es mag viele überraschen, dass in den letzten Jahren ab und zu Reiseliteratur in Comicform erscheint. Dabei ist dieses Medium im Grunde prädestiniert dafür. Romane oder rein schriftliche Reiseberichte können „nur“ die Fantasie des Lesers anregen, dieser muss sich anhand der Beschreibungen selbst ein Bild von den Örtlichkeiten machen. Dokumentarfilme, filmische Reiseberichte und Fotobücher können die Ansichten zwar optisch vermitteln, aber für die subjektiven Eindrücke der Autoren braucht es zusätzliche Beschreibungen. Man muss sich also wieder auf das Wort verlassen, welches die Bilder anreichert. Womit man direkt beim Comic wäre: Denn bereits die Art der Gestaltung der Bilder ist eine Interpretation und gibt die Wirklichkeit nicht eins zu eins wieder, wie es etwa Filme und Fotos suggerieren, sondern so, wie sie der Maler bzw. Zeichner empfunden hat. So besitzen sie von vornherein gar nicht den Anspruch der Objektivität. Natürlich kommt man auch hier nicht ohne beschreibende Worte aus, aber sie betreffen weniger den Gegenstand an sich, sondern die von ihm ausgehende Impression.

Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan

Wenn man eine behütete Kindheit in Deutschland hatte, kommt man manchmal auf die schräge Idee, im Rest der Welt sei die Jugend und das Leben härter und chaotischer. Das kommt von den Nachrichtensendungen, die den Fokus auf Krisen richten und den Dokumentationen, deren Schaufenster auf die Welt ebenfalls gerne Dramatisches, zumindest Exotisches zeigen. Da ist es ganz gut, dass aus fremden Ländern auch immer wieder Alltagsgeschichten aus der Mitte der bürgerlichen Mainstreamgesellschaft erscheinen. Das erinnert daran, dass die Menschen im Wesen eben doch alle gleich sind – manchmal so gleich, dass eine nähere Betrachtung fast obsolet ist. Ich habe mit der Lektüre des Buchs Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan bestätigt bekommen, was ich schon immer vermutet hatte – nämlich dass sich weder die Gefühlswelt eines Heranwachsenden in Taiwan groß von der unsrigen unterscheidet, noch dass deren Lebensumfeld groß anders wäre. Hier wie dort gleichermaßen wurden spätestens ab den 80er Jahren auch die ländlichen Gegenden vom Materialismus und der globalen Angleichung der Moden überrollt – und Kinderspielzeug wurde endgültig zum weltweiten Milliardengeschäft. In …