Autor: Christian Muschweck

Währenddessen… (KW 45)

Christian: Herbst ist Klassikerzeit. Seit zwei Wochen lese ich mit großem Vergnügen Die Drei Musketiere von Alexandre Dumas. Schon nach den ersten Seiten fühlte ich mich an Jean Michel Charlier erinnert, der über seine Serie Barbe Rouge (Der Rote Korsar) mal sagte, er wollte damals einen Comic in der Erzähltradition von Dumas schreiben. Das ist ihm in der Tat gelungen. Jean Michel Charliers Erzählungen sind Dumas‘ Musketieren näher als die meisten Comic-Adaptionen dieses Klassikers. Diese Adaptionen (Classics Illustrated, Helmut Nickels Serie etc.) mögen werkgetreue Adaptionen sein, teils sehr gute (Nickel); die Art und Weise hingegen, wie Charlier seine Figuren charakterisiert ist zwar weniger nah an Dumas‘ Plots, aber umso näher an dessen Erzählhaltung. Chaliers Musketiere sind die gleichen Raufbolde und Tunichtgute wie Dumas‘ Figuren. Im Kampf mögen sie die Besten und Mutigsten sein, im Frieden wissen sie aber nicht so recht was anzufangen mit ihrer Energie (vgl. CG-Aufsatz über Charlier). Wer kennt nicht die legendäre Einführung der Figur d’Artagnan, der sich am selben Tag zuerst mit Athos, eine Stunde später mit Porthos, noch eine Stunde …

Superman: Exile & Other Stories – Omnibus (US)

Superman steht an einer Gletscherspalte im ewigen Eis der Antarktis, in der Hand einen der mächtigsten und geheimnisvollsten Gegenstände, den die Welt je gesehen hat: Den Eradicator, ein Erbe aus Krypton, dessen Geheimnisse Superman noch nicht annähernd erfasst hat. Superman weiß, dass von diesem Gerät eine ständige Gefahr für seine Freunde ausgeht. So wurde Jimmy Olsen, sein jugendlicher Fotografen-Freund vom Daily Planet, durch Kontakt mit dem Eradicator vorrübergehend in ein elastisches Wesen ohne Kontrolle über seinen Körper verwandelt. Doch nicht nur das: Matrix, ein Wesen aus einem untergegangenen Alternativwelt-Krypton wurde vom Eradicator in den Glauben versetzt, der richtige Superman zu sein. Ein Riesenproblem für Supie, da er Matrix einst geretttet hat und eigentlich dafür sorgen wollte, dass es ihm – oder ihr, Matrix kann beides verkörpern, Mann und Frau – in seiner (ihrer) neuen Heimat an nichts fehlt. Aber natürlich darf es nur einen Superman geben.

Rocky Beach

Rocky Beach ist auch nicht mehr das, was es mal war. Vor 20 Jahren noch haben hier die drei jungendlichen Detektive Justus, Peter und Bob die schönsten Kriminalfälle gelöst, heute ist es ein ödes Nest, in dem man nachts besser nicht alleine auf die Straße geht. Auf dem ehemaligen Schrottplatz vom alten Titus Jonas, auf dem die drei Detektive in einem Wohnwagen ihre Zentrale hatten, hat sich längst eine Drogengang eingerichtet und trotzdem trägt die Polizeipräsenz nicht dazu bei, dass man sich sicher fühlt. Zu Fuß auf der Straße unterwegs zu sein, kann bereits ausreichen, um verdächtig auszusehen.

„Just a few cops!“ – Vor 25 Jahren erschienen die ersten Preacher-Hefte

Kommt der Dorfpfarrer Samstagabend sternhagelvoll in die örtliche Kneipe und pöbelt: He Wirt, ich weiß, dass du dein Bier mit Wasser verdünnst. Und du, Mark Bannon, hast doch kürzlich Hundescheiße probiert, ich weiß das, denn du hast es mir gebeichtet. Hey, Harvey, was machst du eigentlich mit deiner Knete? Kate hat doch kürzlich in deiner Scheune diesen Porno mit dem Hengst gedreht, oder? Und da drüben ist doch Terry, der die Anhalterin vergewaltigt hat … ZACK, kriegt er nun endlich einen Billardqueue über den Schädel und wird rausgetragen. Schöner Auftakt. So fängt Garth Ennis‘ Serie Preacher von 1995 an.

Der freie Vogel fliegt – Band 4-6

„Süßer Vogel Jugend“ denkt man oft verklärend, wenn man das Treiben junger Menschen beobachtet. Dabei gibt es wohl keine Lebenphase, die den Menschen vor ähnlich komplexe Aufgaben stellt, wie die Jugend. Der Gedanke, Schule wäre ein Safe Space, an dem die Kinder auf das Leben vorbereitet werden, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, ist wohl der größte Irrtum unserer Zeit. Als ob Mobbing, Leistungsdruck, Versagensängste und der tägliche Kampf ums Standing in der Klassenordnung keine existentiellen Nöte wären.