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Währenddessen… (KW 48)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Christian: Letzten Freitag war ich auf dem Nightwish-Konzert in Nürnberg. Zuerst habe ich noch ein bisschen gefremdelt, denn Symphonic- und Opern-Metal war bisher nicht so mein Genre. Auch als ich die Frage einer Besucherin, wie lange ich schon Nightwish-Fan sei, naiv-ehrlich mit „Ich kenn die eigentlich gar nicht“ beantwortete, wurde ich eher mitleidig angeschaut. Tja, aber wenn mein Freund mich fragt, ob ich Lust habe, mit zu Nightwish zu gehen, dann gehe ich eben mit. Ich fand es schon immer schön, Musik direkt und live kennenzulernen, auch wenn man dann natürlich nicht die Hymen mitsingen kann. Da ich vom Konzert sehr begeistert war, hole ich jetzt gerade aber eifrig nach. Seit gestern läuft die Nightwish-CD Once von 2004 bei mir in Dauerrotation – darauf findet sich das wunderbare Stück „Nemo“ – und ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee der Gruppe war, sich von der Sängerin Tarja Turunen zu trennen. Die ganze Scheibe ist abwechslungsreich und auch nach dem fünften Anhören nicht langweilig. Aber die neue Sängerin Floor Jansen hat auf der Bühne auch eine ziemlich gute Figur gemacht. So ist das eben im Leben. Having good times instead of good times. Wusste schon Eric Burdon.

Dass ich Nightwish gar nicht kenne, stimmte übrigens nicht ganz. Über mein Engagement als Crowdfunder für eine Ausgabe früher Don-Rosa-Comics ist mir ja bereits 2014 von einem bekannten Don-Rosa-Enthusiasten die CD The Life and Times of Scrooge empfohlen worden, auf der Tuomas Holopainen, der Keyboarder und Songschreiber von Nightwish, seinen persönlichen Soundtrack zu den Jugendabenteuern von Scrooge McDuck komponiert hat. (Sieht aus, als bräuchte ich bei allem, was mit Nightwish zu tun hat, etwas Starthilfe.) Meinen Vorstellungen zu einem Scrooge-Soundtrack entspricht das jetzt nicht unbedingt, aber das macht gar nichts. Ich finde so viel Enthusiasmus ist per se schon mal anerkennenswert. Ebenso gefällt mir der Gedanke, dass Holopainen eine Fan-Arbeit zu Don Rosas Duck-Comics geschaffen hat, die ja ebenfalls als Fan-Fiction eines Barks-Anhängers gesehen werden können. So viel Begeisterung für schöne Dinge steckt an. Und unabhängig davon, ob ich jetzt Uncle Scrooge in der Musik sehe oder nicht: Das Musikstück „A Lifetime of Adventure“ ist wirklich ein Stück für die Ewigkeit. Und Don Rosa im Video zu sehen macht auch glücklich.

Sollte jeder kennen.

Julian: Vor knapp zwei Wochen wusste ich nicht recht, was ich mir bei Netflix anschauen sollte. Und so stieß ich, nach einer großartigen zweiten Staffel von The Sinner, zufällig auf Wynonna Earp. Mit geringen Erwartungen wurde die erste Episode begutachtet, nur um in einen wahren Rausch zu verfallen. Um es vorwegzunehmen: Die Serie traf den Nerv.

Wynonna Earp (Melanie Scrofano), Nachfahre des Revolverhelden Wyatt Earp, kehrt in ihre Heimatstadt Purgatory zurück. In ihrem Besitz: Der Peacemaker, jener legendäre Revolver ihres Vorfahren. Und was treibt sich in einer Stadt rum, die Fegefeuer heißt? Richtig: Dämonen, hier Wiedergänger genannt. Es handelt sich um jene Gesellen, die von Wyatt Earp ins Jenseits befördert wurden und nun in jeder nachfolgenden Generation zurückkehren, um die Nachfahren heimzusuchen. Nur eine von ihnen besitzt jedoch die Fähigkeiten, den Peacemaker einzusetzen. Und nun liegt die Bürde auf Wynonna. Für verrückt erklärt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen, erinnert sie, nicht nur im Kleidungsstil, an eine völlig durchgeknallte Jessica Jones. An ihrer Seite gesellen sich bald Doc Holliday (Tim Rozon), ihre Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) sowie Officer Nicole Haught (Katherine Barrell) und Deputy Marshall Xavier Dolls (Shamier Anderson). Gemeinsam bekämpft man Bobo Del Rey (Michael Eklund) und versucht, alle Dämonen wieder in Jenseits zu befördern, ehe sie einen Weg finden, aus Purgatory zu entkommen. Wir fühlen uns gar sehr an Buffy The Vampire Slayer erinnert. Anders als das übergroße Vorbild vermeidet man jedoch einige Peinlichkeiten und Ausrutscher. Die Figuren bleiben in einem überschaubaren Rahmen, einen Oz oder eine Tara, die in jeder zweiten Episode einen Satz sagen dürfen (Oz: „Cool.“ Tara: „Ich stimme zu“), sucht man vergebens. Eine Initiative taucht zwar auf, wurde aber weitaus logischer etabliert. Nervige Nebencharaktere sind ebenfalls Mangelware. Coolness schien die Prämisse zu sein. Wo sonst sieht man Cowboys/-girls, die auf Motorrädern durch den Wilden Westen brettern, Dämonen in die Hölle schicken, während in Hintergrund feinste Bluestracks im Stil von Larkin Poe gespielt werden? Einzig der indischstämmige IT-Nerd, der clichéhafter nicht hätte ausfallen können, verdirbt das Vergnügen etwas. Er wirkt wie ein Fremdkörper in dieser Welt, kam in Staffel 2 plötzlich hinzu und erfüllt einzig die Funktion eines comic reliefs, schwächt die sonst recht düstere Atmosphäre immer wieder ab.

Wynonna Earp lege ich jedem ans Herz, der Buffy, Frauen mit Knarren, moderne Western und Supernatural mag. Oder in Wynonnas Worten: „Some Kids inherit money, others get talent. Me? I got a demon killing gun.”

Niklas: Wenn es ein Untergenre der Fantasy gibt, das mir nicht so zusagt, dann ist es die Urban Fantasy wie sie Jim Butcher mit seiner Serie Dresden Files darstellt. Soll heißen, dass magische Wesen im Geheimen unter uns leben. So anonym Großstädte auch sind, es fällt mir doch immer schwer, mir vorzustellen, dass niemand den drei Meter großen Troll im Stadtpark bemerken würde. Unavowed von Wadjet Eyed Games (den Machern von Technobabylon) macht diese Prämisse aber wieder interessant. Das liegt vor allem daran, dass die Wesen aus der anderen Welt nur selten Zugang auf unsere Existenzebene haben und wenn das mal geschieht sind wir da, um sie wieder zurückzuschicken. „Wir“ sind meine Spielfigur und die restlichen Mitglieder der Unavowed, einer Geheimorganisation von paranormalen Ermittlern, deren Aufgabe es ist, die Erde vor Invasionen und Flüchen zu schützen. In neun Kapiteln bekomme ich Ärger mit Drachen, Geistern und Feenwesen und versuche nebenbei noch herauszufinden, warum ausgerechnet ich von einem Dämon besessen wurde, der meinen Körper für grausige Morde nutzte.

Unavowed ist ein klassisches Adventure, dessen Rätsel im Dialog oder durch die Kombination von Gegenständen gelöst werden. Einen netten Twist gibt es durch die Begleiter: wie in Rollenspielen (oder dem Lucas-Arts-Klassiker Maniac Mansion) muss ich zu Beginn jeden Kapitels zwei von bis zu vier Ermittlern mitnehmen und ihre besonderen Kräfte zur Lösung meines Problems einsetzen. Eine Figur kann Feuerbälle werfen, eine andere mit Geistern reden und jeder Abschnitt ist mit jeder Kombination von Figuren schaffbar. Die meisten Rätsel sind logisch und bedürfen meistens nur genaueres Nachfragen bei Zeugen, so als würde man also einen richtigen Ermittler spielen. Selbst bei den etwas schwierigeren Rätseln reicht es, einmal um die Ecke zu denken. Im Schnitt sollte man nicht länger als acht bis zehn Stunden für das erste Mal durchspielen brauchen.

Die Grafik ist trotz des pixeligen Looks wunderschön. Besonders gelungen sind die Monster, darunter einer der beeindruckendsten östlichen Drachen, die ich seit langem gesehen habe. Kleiner Tipp von mir: Verärgert nicht die hochhausgroße Echse, die schon seit Tagen nichts mehr gegessen hat. Tut es einfach nicht.

Neben dem Design der Monster, ist aber Unavoweds größte Stärke das Writing. Wie in einer guten Fernsehserie werden alle Kapitel durch zwei starke Themen (die Konfrontation mit dem Fremden und dem Missbrauch von Macht) zusammengehalten, die den mythischen Hintergrund real und lebensecht wirken lassen. Meine Teammitglieder tragen auch viel dazu bei, mich in der Welt wohlzufühlen, da jede dieser außergewöhnlichen Figuren eine ausgefeilte Persönlichkeit mit Ecken und Kanten besitzt und so der Umgang mit ihrem Anderssein realistisch erscheint.

Unavowed ist eine dieser kleinen Perlen, die nichts neu, aber dafür alles besser macht. Persönlich hoffe ich auf einen Nachfolger, da diese Version einer geheimen Welt mir sehr zusagt. Vielleicht müsste sich im nächsten Spiel der arme Troll nicht mehr im Park verstecken. Bestimmt ist er netter, als die alten Märchen ihn immer beschreiben.

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