Alle Artikel mit dem Schlagwort: gut (7-8 Punkte)

Love and Rockets – Der Tod von Speedy/Liebe und Versagen

Eigentlich war Maggie Chascarillos Jugend eine einzige Tragödie: Nicht nur, dass sie miterleben musste, wie ihr Vater mit seiner Sekretärin fremdging, hinterher wurde sie auch noch von ihrer Mutter persönlich für das Auseinanderbrechen ihrer Ehe verantwortlich gemacht – weil sie’s weitererzählt hat. Nach der Scheidung wurde Maggie von ihrer Mutter, die ein weiteres Kind erwartete, verlassen, so dass sich ihre Tante Vicki Glori, eine Wrestlerin mit psychopathischen Tendenzen, ihrer annahm. Nebenbei entdeckte Maggie aber auch ihre Begabung, Autos zu reparieren und fand Anschluss in der örtlichen Punkszene. Sie verliebte sich in die durchgeknallte Hopey und beide wohnten fortan in lockerer Konstellation bei der deutlich älteren Izzy, die ebenfalls einige dunkle Punkte in ihrer Biografie hat.

We Stand On Guard

Wenn ein neuer Comic aus der Feder von Brian K. Vaughan erscheint, sollte man hellhörig werden. Immerhin hat der gute Mann mit Serien wie Y – The Last Man oder Ex Machina beeindruckende Stories geschrieben. Außerdem stammt von Vaughan natürlich auch die Space-Opera Saga, mit welcher er, wenn er es nicht vorher schon war, zu einem der großen Lieblinge von Fans wie Kritikern avancierte. Mit der sechsteiligen Image-Miniserie We Stand On Guard (auf Deutsch in einem Sammelband) backt der Autor nun kleinere Brötchen, auch wenn dies eher auf den Umfang und die Tiefe der Erzählung zu beziehen ist und sicherlich nicht auf den Plot.

XIII Gesamtausgabe 1

Als die Comicserie XIII von Autor Jean van Hamme (Thorgal, Largo Winch) und Zeichner William Vance (Bob Morane, Bruce J. Hawker) im Jahre 1984 startete, war sie zuvorderst als sinnverwandter Nachfolger von Bruno Brazil (die Vance zuvor zeichnete) eingeplant. Zudem hat der Belgier van Hamme die Hauptfigur seines Thrillers unverkennbar stark an die Romanfigur Jason Bourne angelehnt, deren Grundprinzip er quasi kopiert hat. Trotzdem sollte XIII in den folgenden Jahren und Jahrzehnten eine äußerst populäre Comicreihe werden, die bis heute zu den ganz großen europäischen Crime- und Verschwörungsstorys zählt – wenngleich sie in den USA spielt.

Teufelsmaul

Teufelsmaul ist eine weitere Zusammenarbeit des französischen Zeichners François Boucq mit dem amerikanischen Schriftsteller Jerome Charyn, die im Jahr 1990 erstmals erschien. Beide haben zusammen schon den faszinierenden und surrealen Band Die Frau des Magiers (1986) sowie Little Tulip (2014) geschaffen. Vor allem Die Frau des Magiers überraschte in dem Œuvre der beiden, da dieser Comic mit seiner traumhaften Atmosphäre, die schnell in einen Alptraum kippen konnte, doch recht ungewöhnlich aufgezogen war. Boucq arbeitet zwar manchmal auch im Grenzbereich der Fantasy, hat aber eher ein Händchen für realistische Stoffe (wie man etwa bei Bouncer gut beobachten kann, wo ihm immer wieder schöne Bilder in einer brutalen Saga einfallen). Charyn hingegen ist ein Krimiautor, dessen Bronx-Tetralogie frischen Wind in den Thriller brachte und teilweise auch als Comic adaptiert wurde, wie etwa Marilyn the Wild. Oft verweigert sich Charyn den gängigen dramaturgischen Mustern, wie etwa im Roman Blue Eyes, und lässt damit den Leser einerseits im Regen stehen, macht ihn aber andererseits immer neugierig, was da wohl noch kommen mag.

Wie zerknülltes Papier

Wer beim Anblick der gefesselten Person auf dem Cover, die unheilvoll im Schatten eines uns den Rücken zuwendenden Mannes sitzt, eine harte Kriminalgeschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Oder positiv überrascht. Je nachdem, mit welcher Prämisse man zum Comic Wie zerknülltes Papier des spanischen Newcomers Nadar (i.e. Pepe Domingo) greift. Der Band ist die erste längere Erzählung des Künstlers und wurde in seinem Heimatland bereits mit dem Publikumspreis des Comic-Salon in Barcelona bedacht.