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The Wake

Meeresbiologin Dr. Lee Archer wird als Beraterin auf eine Unterwasserstation gelockt. Dort befindet sich bereits ein Expertenteam, dessen Aufgabe es ist, eine einmalige Entdeckung zu erforschen. Tatsächlich ist der auftraggebenden Bohrfirma zufälligerweise ein bislang unbekanntes, intelligentes Fischwesen ins Netz gegangen. Doch schnell stellt sich die Frage, ob es nicht die Menschen sind, die tief unter dem Meeresspiegel in der Falle sitzen.

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Der deutsche Hardcover-Sammelband von The Wake beinhaltet die komplette zehnteilige US-Serie aus dem Hause DC/Vertigo, die im vergangenen Jahr den Eisner Award für die beste Miniserie gewinnen konnte. Als Autor ist hierfür Scott Snyder zuständig, der sich in jüngerer Vergangenheit mit seinen Arbeiten an Batman oder American Vampire profilieren konnte und zu den Senkrechtstartern unter den Comicautoren zählt. Für The Wake hat er sich mit Zeichner Sean Murphy (Hellblazer, Punk Rock Jesus) zusammengetan.

Snyders und Murphys nautisches Werk hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen: Die Erzählung baut sich zu Beginn gemächlich auf, so dass man die Figuren des Teams kennenlernen, ersten Kontakt mit dem fremdartigen Wesen knüpfen und einen gröberen Überblick über die Bedrohungslage des Settings bekommen kann. Die Szenerie erinnert an ähnlich gelagerte, klaustrophobische Horror-Vorbilder wie The Thing oder Alien. Und natürlich ist es nicht zu viel verraten, dass aus dem gefährlichen Studienobjekt auch in The Wake eine unkontrollierbare Situation erwächst, bei der es für die Akteure nur noch ums Überleben geht.

© Panini Comics

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Snyder gelingt mit spannenden Dialogen über Mythologie und wissenschaftliche Hintergründe, ausdrucksstarken Figuren und flotter Action ein Comic, der auf den Leser beklemmend wirkt und fasziniert. Exakt zur zweiten Hälfte der Serie kommt es dann zu einer Zäsur (lediglich eine knappe Andeutung findet man bereits zuvor): Die Handlung verlagert sich nun in die Zukunft, in eine überflutete Erdoberfläche. 200 Jahre sind vergangen und die Fischwesen sind zur globalen Gefährdung Nummer 1 aufgestiegen. In diesem zweiten Abschnitt werden die mittelbaren Folgen der Geschehnisse aus dem ersten, in der Gegenwart spielenden Teil thematisiert. Lee Archers Expedition ist inzwischen zur Legende geworden, kolportiert in einer Zivilisation, die sich in einer Waterworld-artigen Dystopie eingerichtet hat.

Die Schwierigkeit, die manche Leser mit diesen streng getrennten Kapiteln – eines als Horror-Set angelegt, das andere im bunt-futuristischen Sci-Fi-Gewand – haben dürften, ist nicht nur dem abrupten Genrewechsel geschuldet, sondern auch dem Austausch der handelnden Personen. Die Welt ist fremdartig, die Figuren unbekannt, die leise Verbindung zur ersten Hälfte existiert nur andeutungsweise. Das macht es nicht einfach, sich nach dem Zeitsprung am neuen Ort des Geschehens zurecht zu finden.

© Panini Comics

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Zugegeben ist die Entscheidung von Snyder, diese stilistische und für den Plot markante Zweiteilung vorzunehmen, mutig. Und dieser völlige Perspektiv- und Genrewechsel innerhalb einer Serie hat durchaus seinen Reiz. Dennoch bleibt am Ende das Gefühl hängen, dass man lieber mehr von der überschaubaren Erzählung aus dem ersten Abschnitt gesehen hätte, als von der überfrachteten Dystopie; mitunter auch deswegen weil der Zeichenstil Sean Murphys zu ersterem aus meiner Sicht deutlich besser passt. Doch das eine hätte ohne das andere offensichtlich nicht zu dem Gesamtwerk geführt, das der Autor umgesetzt sehen wollte. Insofern überwiegt dann, trotz etwas abfallendem zweiten Akt, die Anerkennung für ein interessantes Projekt mit zwei Ebenen.

Zwischen Horror und Science-Fiction; The Wake ist ein spannender Comic, der zumindest in weiten Teilen überzeugen kann

7von10The Wake
Panini Comics, 2015
Text: Scott Snyder
Zeichnungen: Sean Murphy
Übersetzung: Bernd Kronsbein
228 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-957978-111-0
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