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Währenddessen… (KW 15)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Julian: In den letzten Tagen schaute ich mit die zweite Staffel von The Chilling Adventures Of Sabrina an. Einige Kritikpunkte, die bereits in der ersten Staffel unübersehbar waren, wie etwa ein extremer Diversitätstrend, der für die Geschichte völlig unerheblich war und einige Episoden verbrauchte, ehe man sich auf die ausgezeichnete Hauptgeschichte konzentrierte, wurden glücklicherweise weitestgehend behoben und auch die unnatürlichen Unschärfen sind weitestgehend verschwunden. Dennoch gibt es auch jetzt einige völlig unnötige „irdische“ Themen, auf die man gut hätte verzichten können, obschon sie sich nun besser in die Gesamtstorys einfügen (besonders gelungen: die sexuelle Identitätskrise von Susie/Theo). Denn Staffel 2 bietet viel. Sabrina erfährt mehr über ihre Herkunft, das Böse wird – tja, wie soll man es anders ausdrücken – richtig böse und der gesamte Plot mutet ungemein blasphemisch an. Unterstützt wird dies durch die ein oder andere popkulturelle Referenz (nicht zuletzt zu Riverdale, aber auch zu Kenneth Angers Lucifer Rising).

Was indes den Filmgenuss extrem mindert: Der orchestrale Score, die Filmmusik, präsentiert sich in hundsmiserabler Qualität. Da ich selbst vom Fach bin und mich mit den aktuellen technischen Möglichkeiten auskenne, weiß ich: ein Keyboardorchester muss nicht mehr nach Keyboard klingen. Bereits für relativ wenig Geld können Streicher- und Bläsersynths so echt klingen, dass selbst der Profi (je nach Arbeitsaufwand) kaum noch einen Unterschied zum Original erkennt. Auch Chöre oder Sologesang lassen sich überzeugend reproduzieren – gerade im Horrorbereich lässt sich einiges anstellen (auch unter Zeitdruck!). In den letzten Minuten der finalen Episode wird noch etwas anderes deutlich: Wenn sich die Tore zur Hölle öffnen, erklingt „The End“ von The Doors. Und genau hier liegt das größte Versäumnis der Serie: Wo Riverdale immer wieder Pop- oder Rocksongs mit Bildern versieht, findet dies in CAOS keinerlei Anwendung (von The Doors abgesehen). Und was hätte man hier alles machen können. Man stelle sich mal folgende Bands vor: Aphrodites Child, Black Sabbath, Black Widow, Jethro Tull, Witchfinder General, Uriah Heep, Deep Purple („Child in Time”!), Rainbow, Magma, Alice Cooper, Bloodwyn Pig, White Noise, Coven – oder neuere Vertreter wie Blood Ceremony, Ghost B. C., Zeal & Ardor, Dorothy, Larkin Poe – dazu noch alte Horrorscores (Omen, Suspiria, Lucifers Rising), etwas Klassik (Bachs Orgelwerke, Verdis Requiem, Ligeti) … die Serie würde sich in ungeahnte Sphären erheben. So aber bleibt eine große Chance ungenutzt und CAOS wirkt oft, trotz opulenter Ausstattung und einer wunderbar satanischen Story, cinematisch sehr karg. Weiterhin beweist sich Kiernan Shipka erneut als herausragende Schauspielerin, was besonders in den Referenzen zur 1990er Sabrina deutlich wird.

 

Christian: Eben erst habe ich die zweite Staffel von The Marvelous Mrs. Maisel begonnen und schon bin ich wieder dieser zurecht preisgekrönten Serie (Amazon Prime) verfallen. Immer noch steht in der Schwebe, ob Midge Maisel und ihr Ehemann Joel wieder zusammenfinden und immer noch ist unklar, wie Midges Zukunft auf den Bühnen New Yorks aussehen wird, hat sie doch zu vielen Leuten in ihrer steilen Karriere bereits ans Bein gepinkelt und sich so den Bannstrahl eines mächtigen Produzenten eingehandelt. Das wird vor allem für ihre Managerin Susie inzwischen richtiggehend gefährlich, als die sich mit zwei angeheuerten Schlägern konfrontiert sieht, die der Maisel-Connection zeigen sollen, wo der Hammer hängt. Gut, dass Susie ein Kind der Straße ist und mit miesen Typen gut umgehen kann. Das ist gute Komödie, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass inzwischen ein rauerer Wind weht.

Ansonsten gehört Folge 1 der neuen Staffel dem Co-Darsteller Tony Shalhoub, der wieder Mrs. Maisels cholerischen, empfindlichen, kulturbeflissenen Vater Abe spielt. Sein Problem: Die Frau ist durchgebrannt. Angestiftet vom neuen, unabhängigen Leben der Tochter hat nun auch die Mutter gemerkt, dass man sein Leben selbst gestalten kann und so hat Rose kurzerhand die Koffer gepackt und ist nach Paris abgereist, wo sie als junge Frau ihre besten Jahre verbrachte – vor der öden Ehe, die sie aufs Repräsentieren in einer intakten Familie reduziert hat. Abe hat natürlich nicht den geringsten Schimmer, was am Leben mit ihm nicht in Ordnung gewesen sein könnte und verfällt vor lauter Verzweiflung in kindische Verhaltensmuster, die wohlige Erinnerungen an Shalhoubs Detektiv Monk wecken. Abe stiehlt der talentierten Midge in Folge 1 der neuen Staffel glatt die Show, und so fliegen Midge und Abe recht spontan in die Stadt der Liebe, um Rose von ihrem Irrweg abzubringen.

Moment! Irrweg? Natürlich nicht, Emanzipation und Unabhängigkeit sind schließlich Kernthema der Show. Aber eben auch die Schattenseiten davon: das unnötig zerschlagene Porzellan, die Einsamkeit und die Schuld, die man auf sich lädt, wenn man seine Verantwortung einfach von sich abzuschütteln versucht. Das liest sich jetzt melodramatisch, aber keine Sorge: Die Leichtigkeit und den Schwung der ersten Staffel sind der Serie komplett erhalten geblieben. The Marvelous Mrs. Maisel bleibt auch in der neuen Staffel Pflichtprogramm.

 

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