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Währenddessen … (KW 8)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Prüfung habe ich die gute Laune gleich mit einer deprimierend Lektüre ausgeglichen. Denn der fünfte Teil von The Once and Future King The Book of Merlyn (oder Das Buch Merlin in meiner Ausgabe) gehört zu den galligsten Büchern, die ich je gelesen habe. T.H. Whites König Artus ist alt und verbittert und sein Reich steht kurz davor unterzugehen. Zwar versucht sein Lehrmeister Merlin ihn mit einer Reise in die Vergangenheit wieder aufzubauen, aber dass die Vergangenheit nicht den besten Ruf in Whites Werk hat, habe ich ja schon geschrieben.

Man merkt, dass das Buch in den Kriegsjahren des zweiten Weltkriegs geschrieben wurde, denn eine tiefe Verzweiflung zieht sich durch die ganze Geschichte. Und auch wenn das Buch schon älter ist, spricht es viele Themen an, die immer noch relevant sind. Denn vielleicht, sagt es voller Misanthrophie, ist der Mensch letztendlich nicht mehr als ein dummes Tier, dessen komplette Ausrottung nur eine Frage der Zeit ist. Vielleicht sollten wir einfach Schluss machen, bei all dem Leid, das wir regelmäßig erzeugen. Und doch findet sich auch in Merlin dieser kleine Funke Hoffnung, der auch im King zu finden war. Eventuell kann der Mensch doch irgendwann seine zerstörerische Natur überwinden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Das Buch Merlin gelesen werden muss, um die gesamte Serie zu verstehen, da es weitgehend für sich steht und eigentlich nur den Schluss des letzten Bandes verlängert und es ist auch fraglich, ob es emotional genauso wehtut, wenn man nicht die Vorgänger gelesen hat. Trotzdem hat Das Buch Merlin in anderthalb Stunden mehr in mir bewegte, als viele Autoren mit tausend Seiten schaffen.

Daniel: Es passiert schon wieder. Am 21. Mai 2017 kehrt Twin Peaks zurück. 25 Jahren nachdem David Lynch und Mark Frost die Mysteryserie erschaffen haben, kehrt die Serie zurück. Wahrscheinlich wird die Fortsetzung ganz grausam. Denn Twin Peaks wird heute aus den falschen Gründen gehypt: Es ist nicht der Kirschkuchen, nicht der rückwärtssprechende Zwerg und auch nicht Kyle McLachlans Paradevorstellung von Agent Dale Cooper. Sondern weil sie revolutionär in der Art und Weise ist, wie sie episodisch erzählt. Der Großvater der modernen seriellen Erzählung kehrt zurück. Gerade rechtzeitig zum Neustart bei Showtime macht auch Mark Frost noch ein bisschen Geld – mit dem Buch The Secret History of Twin Peaks. Ein klassischer Fall von found footage:

Zusammengesetzt aus angeblichen Originaldokumenten beleuchtet Frost die Historie des kleinen Städtchens und seiner Einwohner. Im Stil von J.J.Abrams Buch S gibt es im Buch zwei Autoren, die die Dokumente aus zwei unterschiedlichen Perspektiven besprechen. Der Archivar, der die Dokumente zusammengestellt hat und ein Agent, der die Arbeit des Archivar bewertet. Die historischen Dokumente sind schön eingeflochten und erzeugen einen atmosphärischen Background zur Serie. So tauchen im Buch unbekannte Briefe der Entdecker Lewis und Clark auf. Auch Verbindungen zwischen Einwohnern von Twin Peaks und dem Attentat auf John F. Kennedy lesen sich stimmig. Doch Frost geht einen Schritt zu weit: mit seinen Hintergründen über einzelnen Personen bricht er mit den essentiellen Leerstellen, von denen die ursprüngliche Serie lebt. Oder wie der fiktive Autor im Buch schreibt: „Mysteries are the stories we tell ourselves to conted with life’s resistance to our longing for answers.“

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