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Währenddessen… (KW 32)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

 

Niklas: Zur Comicreihe Blacksad wird von den Pendulo Studios ein Adventure entwickelt. Da die Trailer gut aussahen, habe ich nicht nur ein paar Adventures des spanischen Studios gespielt, sondern mir auch endlich mal diese nette Comicreihe über den anthropomorphen Kater Blacksad zu Gemüte geführt, der als Privatdetektiv im New York der 1950er sein Geld verdient. Im Gegensatz zum Kollegen Vogt (http://comicgate.de/rezensionen/blacksad-gesamtausgabe/ ), finde ich nicht, dass die Qualität der Reihe nach dem zweiten Album abnimmt, im Gegenteil. Denn was als klassischer Mordfall mit ein paar Tierköpfen startet, wandelt sich langsam zu einer Reihe von historischen Krimis, die vor allem das menschliche/tierische Drama in den Vordergrund stellt. Die Serie ist am besten, wenn die Handlungen der Figuren zu wahren Tragödien führen und sie keine Kontrolle mehr über ihr Handeln zu haben scheinen. Das sieht man vor allem im fünften Band Amarillo, einem klassischen Roadmovie, in der eine Katastrophe der nächsten folgt, während Blacksad nichts weiter tun kann, als den Dieben eines besonders teuren Wagens zu folgen, weil das sein Berufsethos und sein Ehrgefühl verlangen. Mein persönlicher Favorit ist aber das vierte Album, Silent Hell (dt: Die Stille der Hölle), das vor der Kulisse New Orleans ein intensives Drama um Familien, Mitwissertum und Kunst aufbaut und sich auf die beste Art bittersüß auflöst.

Ich bin auch erstaunt, wie sehr mir die Figur des Blacksad gefällt. Auf den ersten Blick ein weiterer harter Bursche mit einer romantischen Ader, entpuppt er sich im Laufe der Bände mehr als ein Romantiker, der auch mal ruppig werden kann. Das ist auch ein Klischee, aber in diesem Fall funktioniert es. Ich kaufe ihm ab, dass er ein guter Kerl ist, der einfach nur im Leben vorankommen will, weil die Macher es durch die guten Texte und seine ausdrucksstarke Mimik schaffen, ihm wirklich lebendig erscheinen zu lassen. Wo ein Inspektor LeBrock (http://comicgate.de/aktuelles/waehrenddessen-kw-50-2/ ) mich nach dem letzten Band so anwiderte, dass ich die Serie nicht mehr lesen konnte und ich ihn bestraft sehen wollte, wünsche ich Blacksad ein glückliches Ende, da er sich seine grundlegende Anständigkeit selbst nach fünf aufreibenden und brutalen Alben noch bewahrt. Ich hoffe, dass er in zukünftigen Fällen etwas mehr Glück haben wird, egal wie bittersüß oder tragisch diese sein werden. Ein sechstes Album ist wohl in Arbeit, also hoffe ich mal, dass es nach fünf Jahren endlich weitergeht. Bis dahin freue mich auf das Adventure und darauf, dem schwarzen Kater dabei beizustehen, seinen nächsten Fall zu knacken. Vielleicht helfe ich ihm sogar zu etwas Glück.

Auf Deutsch gibt es die fünf Einzelbände bei Carlsen. Die vor zwei Jahre erschienene Gesamtausgabe ist ausverkauft. Ich habe mir die englischsprachige Ausgabe von Dark Horse besorgt, die stabil gebunden ist, sich gut im Regal macht und sehr lebendig übersetzt wurde.

Christian: Ich muss schon wieder auf eine Sendung von Bayern 2 aufmerksam machen: Zum 100-jährigen Jubiläum von Zorro gab es ein Tagesgespräch mit der Fragestellung „Von Ant-Man bis Zorro – Welcher Superheld wären Sie am liebsten?“  Die Beiträge der Anrufer sind inspiriert bis hanebüchen, aber immer unterhaltsam. Der Gast der Sendung ist der Experte Kai Löffler, zugeschaltet wird unter anderem aber auch zu Chris Kloiber, dem Erfinder von Trachtman. Sehr schön ist auch der Beitrag eines Hörers, der von Superhelden gar nichts hält und sich über die „Suspension of Disbelief“ beklagt, ein Begriff aus der Filmwissenschaft, der besagt, dass man sich beim Betrachten eines Films nicht ständig die Frage stellt, ob das, was man sieht, realistisch oder logisch ist, sondern sich völlig unkritisch in die Erzählung fallen lässt.

Christian: Auch Quentin Tarantino hat uns in seinen Filmen schon oft „Suspension of Disbelief“ abverlangt. Ich erinnere nur daran, wie Uma Thurman sich in Kill Bill aus einem geschlossenen und vergrabenen Sarg befreit. Und nun eine kleine Rückschau auf 30 Jahre Tarantino, der mich nun bald mein komplettes Erwachsenenleben begleitet und mich manchmal vielleicht nervt, aber nie langweilt.

Reservoir Dogs und Pulp Fiction haben mich in den 1990ern mal so geflasht, dass ich sie mehrmals ansehen musste. Inzwischen aber hab ich die Filme über. Sie haben sich abgenutzt und langweilen mich, außerdem find ich die „Depot für tote Nigger“-Jokes auch nicht mehr so prickelnd. Nach wie vor für Tarantinos Frühwerke spricht, dass sie zwar blutig sind, aber nicht splattern. Kürzlich habe ich mir tatsächlich zum ersten Mal Killing Zoe angesehen, eine Tarantino Produktion, die sein damaliger Weggefährte Roger Avery realisiert hat. Für mich der beste Film der frühen Phase. Ansonsten hat Tarantino maßgeblich zu meiner musikalischen Sozialisierung beigetragen. „Miserilou“ von Dick Dale ist der Oberhammer, aber auch Details wie der Nachhall von „Son of a Preacher Man“, als die Nadel mitten im Stück von der Platte genommen wird, sind mir seither im Ohr geblieben. Gutes Sounddesign.

Dann kam From Dusk till dawn. Man merkt, dass Tarantino und Robert Rodriguez Spaß dabei hatten. Mir aber egal. Die CGIs waren lausig, und die kindische Action passte nicht zum brutalen Anfang. Auch Salma Hayek hat mir in Desperado viel besser gefallen, und auch das war kein guter Film. Zum Glück kam bald darauf Jackie Brown, der mich überzeugte, dass aus Tarantino doch noch was werden könnte. Die Gewaltszenen konsequent außerhalb des Sichtfelds der Kamera war eine gute Idee. Der Film hat einen schönen Soundtrack, doch begann Tarantino hier, sich Titelmusiken älterer Filme anzueignen. Die Verwendung der Musik von Vampyros Lesbos wirkte forciert und fügte sich nicht gut in den Film. Hier musste wohl auf Biegen und Brechen noch was Obskures auf den Soundtrack.

Mit Kill Bill kam der Splatter. Das Blutgespritze in den Schwertkämpfen fand ich damals noch ziemlich schrill und geil (in späteren Filmen nervt das), aber es war gut, dass die „Crazy 88 Fight Scene“ nur in schwarzweiß war. Für mich der Höhepunkt der zwei Teile und der Lady Snowblood-Song am Ende haut mich um. Besser klingt das Stück nur noch im Film Lady Snowblood selbst. Die Tendenz zum erratischen Soundtrack war jetzt nicht mehr zu übersehen: Hier wurde alles passend gemacht, egal ob die Titelmusik von Green Hornet, J-Pop, Krautrock, Ennio Morricone-Soundtracks oder eine Panflötennummer von Hansi Last. Und Nancy Sinatra.

Und dann: Grindhouse! Die Idee war ja super. Death Proof, ein Film so Banane wie der Kram, den wir uns als Kids in den 80ern auf VHS reingezogen haben. Kann man wirklich mit Vorsatz schlechte Filme machen? Ich traue es Tarantino zu. Er ist ja auch der Typ, der sich mit Vorsatz schlechte Filme ansieht. Im Schlepptau von Grindhouse kamen dann eine Menge Neuauflagen von schäbigen Splatterfilmen, und Eli Roth sprang mit auf den Tarantino-Zug auf. Eine schlimme Phase, aber der Death Proof-Soundtrack hat die ultimative Version von Burt Bacharachs „Baby it’s you“. Das ist dann doch fantastisch.

Inglorious Basterds hat mir nicht gefallen. Die Sergio Leone-Anleihen und der Hang zu abenteuerlichen Soundtrack-Experimenten gingen für mich nicht auf, außerdem nervt die theaterhafte Inszenierung. Beste Voraussetzungen also dafür, dass Django Unchained mich auch hätte nerven können, denn der Soundtrack ist nicht weniger überdreht als bei den Basterds, eher noch mehr. Indes, die Songauswahl bei Django Unchained ist überragend, die Schauspieler sprühen mit Witz und Energie und die Story euphorisiert. Und Eli Roth ist nicht dabei.

Um The Hateful Eight habe ich dann jahrelang einen Bogen gemacht, weil ich nicht sehen wollte, wie Jennifer Jason Leigh ständig aufs Auge kriegt, aber schlussendlich hat der cineastische Masochismus mich doch dazu gebracht, dem Film eine Chance zu geben; und wow – ich hab kaum je etwas Groteskeres gesehen.  Bitterster Moment: Kurt Russel zerstört eine historische Leih-Gitarre. Der von Ennio Morricone komponierte Soundtrack verleiht dem Film eine Geschlossenheit, die dem Film eine völlig andere Stimmung gibt als die Zitatorgien früherer Filme. Sehr interessanter Film.

Am 15.8.2019 läuft Once upon a time in Hollywood an. Für Roderich Fabian vom Zündfunk ist es Tarantinos Viertbester – nach Pulp Fiction, Reservoir Dogs und Jackie Brown. Das macht es interessant, denn ich finde ja, dass Django Unchained und The Hateful Eight Tarantinos beste Filme sind. Wie also werde ich Once upon a time finden? Ich bin sehr gespannt.

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