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Frisch aus der Druckerei: März 2015

Im März gab es eine regelrechte Flut von Neuerscheinungen auf dem Comicmarkt, was nicht zuletzt an der Leipziger Buchmesse mit ihrem Ableger Manga-Comic-Convention liegt, die Mitte des Monats stattfand und für etliche Verlage ein Anlass war, bestimmte Novitäten passend zu diesem Termin herauszubringen. Wie jeden Monat haben wir uns für euch durch den Neuerscheinungs-Wald gekämpft.

HIGHLIGHT DES MONATS

Lange hat man von Scott McCloud nichts mehr gehört. Kein Wunder, hat der Mann, der mit Standardwerken wie Comics richtig lesen Großartiges geleistet hat, doch zuletzt fünf Jahre lang an seinem Comic Der Bildhauer (Carlsen) gearbeitet. Der Band, der auf Deutsch fast zeitgleich mit der Originalausgabe erscheint, erzählt auf fast 500 Seiten die Geschichte eines erfolglosen Künstlers, der einen teuflischen Pakt eingeht. Dieser verleiht ihm ungewöhnliche Fähigkeiten, begrenzt jedoch seine Lebenszeit extrem. Der Stoff hat anscheinend auch in Hollywood schnell Anklang gefunden. Die Lizenz für eine filmische Adaption hat sich jedenfalls Sony noch vor Erscheinen des Buches gesichert. [Leseprobe]


EIGENPRODUKTIONEN

Julian Voloj und Claudia Ahlering tauchen tief in die 1970er Jahre und in die US-amerikanische Jugendkultur ein. Ihr Comic behandelt das Leben von Benjamin Melendez, der zur damaligen Zeit im New Yorker Stadtteil Bronx die zahlenmäßig größte Gang anführte. Ghetto Brother – Eine Geschichte aus der Bronx (avant-verlag) erzählt aber nicht nur davon, sondern auch von Melendez’ Suche nach seinen jüdischen Wurzeln. Die Leseprobe vermittelt einen ersten Eindruck von den sperrigen Schwarz-Weiß-Bildern, die diese Story begleiten.

Illustratorin Kristina Gehrmann verarbeitet in Im Eisland die Franklin-Expedition von 1845, bei der zwei Schiffe der Royal Navy in die Arktis aufbrachen, um als erste die Nordwestpassage zum Pazifik zu durchsegeln, in Comicform. Die auf drei Bände angelegte Serie mit Manga-Anklängen erscheint im Rostocker Hinstorff Verlag, der sich auf norddeutsche und maritime Themen spezialisiert hat. [Leseprobe]

Tobisch

Der kleine Berliner Jaja-Verlag ist immer für die ein oder andere Comicperle gut. Aktuell sind zwei Bände erschienen: The Ballad of the Barefoot Bandit erzählt die wahre Geschichte des Ausreißer Colton Harris-Moore. Das bevorzugt in Rot und Schwarz gehaltene Werk entstand im Rahmen einer Bachelorarbeit der Illustratorin Alexandra Rügler. Einen ersten Eindruck davon gibt es hier. Der zweite Titel lautet Tobisch und stammt aus der Feder von Joachim Brandenberg. Dieser hat eine Geschichte des Schriftstellers O. Henry adaptiert, in der es um das Leben eine deutschen Auswanderers geht. [Beispielseiten]

Franz Kafka wurde schon des öfteren als Comic adaptiert, allein beim Knesebeck Verlag liegen bereits vier Alben von verschiedenen Künstlern vor. Das fünfte ist nun erstmals eine Eigenproduktion: Kafkas Erzählung Das Urteil von 1912, laut Wikipedia sein „am häufigsten interpretiertes Werk“, wird umgesetzt von Moritz Stetter, der zuletzt mit eher unkonventionellen Biographien von Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther auf sich aufmerksam gemacht hat. [Leseprobe]

Vor über zehn Jahren veröffentlichte Elke Renate Steiner bei Reprodukt den ersten Comicband ihres ambitionierten Projektes über die bekannte deutsche Familie Mendelssohn. Jeder Comic konzentriert sich dabei auf eine andere Linie des Stammbaums. Standen zuvor Dorothea Schlegel und Arnold Mendelssohn im Mittelpunkt, behandelt die zweite Ausgabe mit dem Titel Die anderen Mendelssohns – Karl Mendelssohn Bartholdy nun also einen weiteren Zweig der Familie. [Leseprobe]

Anke Kuhl hat bereits zahlreiche Kinderbücher illustriert und dafür auch ein paar Auszeichnungen erhalten. Für das Kinder-Programm von Reprodukt produzierte sie jetzt den Comic Lehmriese lebt!, der ab 6 Jahren empfohlen ist und mit wenig Text auskommt. Darin erschaffen zwei Freunde ein Golem-artiges Wesen aus Lehm, das zum Leben erweckt wird und seinen Platz unter den Menschen zu finden versucht. Die Leseprobe gefällt uns schon mal sehr gut.

Ebenfalls als Illustratorin von Kinderbüchern arbeitet Christiane Pieper. Ihr erster längerer Comicband Landei – Eine Kindheit (Edition Moderne) berichtet in recht simplen Schwarz-Weiß-Bildern von der Kindheit auf einem Bauernhof in den 60er Jahren. [Leseprobe]

Das Erwachsenwerden aus Sicht eines Kindes erzählt; daran versucht sich Autorin und Zeichnerin Raphaela Buder mit ihrem Comicband Die Wurzeln der Lena Siebert (mairisch verlag). Die naive, lockere Bleistiftoptik dürfte dabei allerdings im Widerspruch stehen zur inhaltlichen Tiefe. Denn die Hauptfigur, die kleine Lena, muss miterleben, wie ihre alleinerziehende Mutter psychisch erkrankt und sie selbst in ein Heim kommt. Der Titel wurde bereits mit dem Graphic-Novel-Förderpreis AFKAT 2015 ausgezeichnet. Und auch Comicjournalist Andreas Platthaus resümierte “Ein weiser Comic. Ein schöner sowieso”. [Leseprobe]

Wie war das nun mit der Schöpfungsgeschichte in Wirklichkeit? Und dieser Gott, was ist das eigentlich für ein Typ? Zeichner Aike Arndt geht diesen und anderen Fragen in dem Band Das Nichts und Gott (Zwerchfell) nach. Das Sequel zu Die Zeit und Gott verspricht nicht minder unterhaltsam zu sein wie sein Vorgänger. Grafisch reduziert, ein wenig blasphemisch, pointiert und echt lustig. Fast so, als wäre Aike Arndt der uneheliche Sohn von Ralf König und Nicolas Mahler. [Leseprobe]

David Füleki lässt es in seinen stark von Mangas beeinflussten Comics ja gerne ordentlich krachen. Er kann aber auch ganz lieb und brav: Der Schlaufuchs ist ein kindgerechter Comicstrip für jüngere Leser, der regelmäßig auf den Kinderseiten der Fuldaer Zeitung erscheint. Diese nutzt den Fuchs auch als Maskottchen und Symbolfigur für Veranstaltungen, ein Kindermagazin und diverse Merchandise-Produkte. Nun gibt es beim Regionalverlag Parzellers einen Sammelband mit über 50 Strips. Obacht, Interessenskonflikt: Co-Autor der Schlaufuchs-Strips ist Comicgate-Redakteur Andreas Völlinger.

Fliegenpapier

Leider kann der 2014 verstorbene Illustrator und Grafikdesigner Hans Hillmann die Neuauflage seines Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre entstandenen Werkes nicht mehr miterleben. Fliegenpapier, Hillmanns bebilderte Adaption einer Kurzgeschichte von Dashiell Hammett, erscheint nun beim Berliner avant-verlag. Unstrittig handelt es sich hierbei um eine Sammlung faszinierender, ganzseitiger Zeichnungen. Ob die textliche Begleitung das Endprodukt zu einem Comic macht, bleibt fraglich – vielleicht ist der vielgescholtene Begriff „Graphic Novel“ hier mal wirklich passend. [Leseprobe]

Über Das UPgrade müssen wir hier nicht mehr viel erzählen. Das auf zehn Bände angelegte Pop-Epos von Ulf S. Graupner und Sascha Wüstefeld wurde auf Comicgate schon mehrfach gewürdigt. Nachdem dem Kreativduo nach zwei Ausgaben der Verlag abhanden gekommen ist (der Zitty-Verlag wurde verkauft), brachte es zunächst einen dritten Band in Eigenregie heraus. Nun bringt Cross Cult die Serie in einer schicken Albenausgabe in größerem Format und startet noch einmal bei Band 1, der noch mit diversen Extras ergänzt wurde. Weitere Ausgaben sollen dann parallel als Hardcover-Album bei Cross Cult und in der bisherigen Aufmachung im Hause Graufeld erscheinen. [Leseprobe]

Wie schon Sarah Burrinis Das Leben ist kein Ponyhof hat auch Marvin Cliffords Webcomic seinen Weg ins Printprogramm von Panini gefunden. Die erste gedruckte Sammlung seiner 2014 mit dem Max-und-Moritz-Publikumspreis prämierten Strips bei Kwimbi war blitzschnell vergriffen, die Neuedition kommt nun mit dem Titel Schisslaweng 1: Schissla…Was? als quadratisches HC-Büchlein mit angepasstem Seitenlayout. Wer mal kurz reingeschaut hat, der weiß, dass der Comic über das Leben eines Berliner Comiczeichners echt witzig ist. Nebenbei hat Clifford auch das Titelblatt des Fuck Yeah!-Kalenders gestaltet.

Mario Bühlings langlebiger Webcomic Katzenfuttergeleespritzer ging kürzlich nach sechs Jahren und über 500 Strips für unbestimmte Zeit in eine Pause. Diese lässt sich mit dem 50-seitigen Heft Stories #1 überbrücken, in dem einige der Storylines gesammelt werden, die von den mehr, mal weniger realen Erlebnissen eines Comiczeichners erzählen. Damit ist der Künstler quasi Marvin Cliffords Bruder im Geiste. Einen Eindruck davon gibt es hier.

Und dann war da noch die Manga-Comic-Convention in Leipzig, in deren Kreativbereich Dutzende von druckfrischen Doujinshi verkauft wurden. Die höchst umtriebige deutschsprachige Mangaszene produziert in Eigenregie eine Menge beachtlichen Stoff, der zumeist in kleinen Auflagen direkt auf Conventions vertrieben wird. Bei den meisten ZeichnerInnen lassen sich ihre neuen Werke aber auch online bestellen. AnimeY bietet dazu einen sehr guten Überblick und listet auch Bestellmöglichkeiten auf.


EUROPÄISCH

Humboldts letzte Reise

Étienne Le Roux und Vincent Froissard erzählen in Humboldts letzte Reise (Knesebeck) von einer Expedition in den Dschungel, die der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt, eigentlich im Ruhestand, unternahm, um seinen verschollen Freund und Kollegen Aimé Bonpland zu finden. Die ersten paar Seiten machen mit ihrer feinen Blei- und Buntstiftoptik einen guten Eindruck.

Gerade erst veröffentlichte der Splitter-Verlag das Album Sequana, das die Jahrhundertflut von 1910 in Paris thematisiert. Der von Knesebeck vorgelegte Comic Untergetaucht schlägt in eine ähnliche Kerbe. Erzählt wird die Geschichte eines Gangsterpärchens, ebenfalls vor dem Hintergrund der realen Geschehnisse in der französische Metropole zur damaligen Zeit. Die Bilder von Xavier Coste zeugen, wie schon der Splitter-Bruder, von einer eher malerischen Atmosphäre.

Paul Echegoyen und Benjamin Lacombe haben in Leonardo & Salaï die Beziehung zwischen da Vinci und seinem Assistenten thematisiert. Schüler, Muse, Liebhaber – Salaï hat für das weltbekannte Genie große Bedeutung besessen. Den Comic dazu veröffentlicht das Verlagshaus Jacoby & Stuart. [frz. Leseprobe]

Marc-Antoine Mathieu schlägt gleich mit zwei neuen Comics bei Reprodukt auf: In Richtung folgt ein Mann in einer surrealen Welt zahllosen Pfeilen [LeseprobeCG-Rezension]. Die Verschiebung ist hingegen ein weiteres Album rund um den Bürokraten Julius Corentin Acquesfacques, von dem bereits fünf weitere Teile vorliegen. In gewohnter Mathieu-Manier sind beide Comics von experimenteller Natur. [Leseprobe]

Der englische Zeichner Raymond Briggs ist vor allem für seine Bilderbücher, aber auch für den erfolgreich verfilmten Atomkriegs-Comic Wenn der Wind weht/Strahlende Zeiten (1982) bekannt. 1998 erschien in Großbritannien ein biografischer Comic über seine Eltern, den Reprodukt nun nach Deutschland bringt: Ethel  & Ernest – Eine wahre Geschichte setzt nicht nur Briggs‘ Eltern ein Denkmal, es will auch das Leben der britischen Arbeiterklasse vor dem Hintergrund der Umwälzungen der 1960er Jahre abbilden. [Leseprobe]

Agrippina – Fix und fertig

Agrippina – Fix und fertig ist bereits der zweite Comic der Französin Claire Bretécher (Die Frustrierten) rund um eine Teenagerin und deren Probleme. Die Episoden sind sehr ausdrucksstark illustriert und setzen auf bitterbösen Humor. Wem der erste Band, Allergien, gefallen hat, wird sich bestimmt auch für den Nachfolger begeistern können. [Leseprobe]

Der finnische Künstler Tommi Musturi legte bereits mit dem farbenfrohen (und stummen) Comic Unterwegs mit Samuel (Reprodukt) eine ungewöhnliche Arbeit vor. Sein neues Buch Das Handbuch der Hoffnung (avant-verlag) schießt aber den Vogel ab. Denn dieses handelt von einem finnischen Pensionär, der über Leben und Tod sinniert. Das Ergebnis ist skurril, humorvoll, absurd. Ob man diese spezielle Art der Erzählung für Blödsinn hält oder für ganz große Kunst … die Chancen stehen wohl 50/50. [Leseprobe]

Die Farbe der Luft (Egmont Comic Collection) schließt Enki Bilals Trilogie ab, die er von einigen Jahren mit Animal’z begann und mit Julia & Roem fortsetzte. Mit groben Bleistiftschraffuren erzählt der Franzose erneut von der Menschheit nach einer klimatischen Katastrophe. Jedes Album konzentriert sich dabei auf ein Element. Nach Erde und Wasser spielt sich der letzte Band nun in der Luft ab. [Leseprobe]

Im besonders düsteren „Noir“-Label von Schreiber & Leser erschien Perico von Régis Hautière (Aquablue – New Era, Über den Wolken) und Philippe Berthet (Der Ideenhändler, Pin-up). Der Comic spielt in den USA der 50er Jahre und handelt von einem Paar, das mit dem Geldkoffer eines Mafiabosses flüchtet. Einen Blick auf den aufgeräumten, klaren Zeichenstil gibt es hier.

Richard Löwenherz

Frédéric Brrémaud und Federico Bertoluci, das Kreativteam der Comicreihe Love, die bei Tokyopop erscheint, zeichnen verantwortlich für das Projekt Richard Löwenherz. In dem vom noch jungen Verlag dani books herausgegebenen Album werden die Abenteuer des titelgebenden Königs nicht unbedingt historisch korrekt im Funnystil und mit anthropomorphen Tieren dargestellt. Die ersten Seiten erinnern, sicher nicht unbeabsichtigt, an klassische Disney-Trickfilme.

A propos Disney: Mit bekannten Stories, zugeschnitten auf die jeweiligen Lokalitäten der Heimat von Donald, Dagobert und Co., wartet der Comicband Die Ducks in Entenhausen – Ein Reiseführer in die Metropole an der Gumpe auf. Das Ganze ist ist ein Kompendium mit hohem Comicanteil, das sich als Reiseführer vermarktet und u.a. Stadtplan und Postkarten beinhaltet. Neben den thematisch ähnlich gelagerten Bänden Entenhausen- Weltstadt an der Gumpe und Reiseführer Entenhausen stellt dies bereits den dritten Vorstoß Egmonts in dieser Richtung dar. Ein genauerer Vergleich zwischen den dreien scheint vor dem Kauf also ratsam. [Leseprobe]

In der zweiteiligen Sci-Fi-Serie Death Experience (Splitter) findet eine wohlhabende Mutter die technischen Möglichkeiten, um bis an die Pforte des Jenseits zu reisen, um zu verhindern, das ihr sterbender Sohn eben jene durchschreitet. Die Handlung klingt so reizvoll wie verrückt. Verantwortlich dafür zeichnet das erfahrene Kreativtrio aus Denis Bajram (Universal War One, Cryozone), Valérie Mangin (Alix Senator, Die Geissel der Götter) und Jean-Michel Ponzio (Der Schimpansenkomplex, Pelikan Protokoll). [Leseprobe]

Der vor allem als Szenarist von Fantasycomics bekannte Jean-Luc Istin (Elfen, Die Druiden) adaptiert in drei Alben den Kult-Zombie-Film Die Nacht der lebenden Toten (Splitter) von George A . Romero aus dem Jahr 1968. Inwieweit sich diese von Elia Bonetti (Fear Itself) illustrierte Version Freiheiten nehmen und sich von der Vorlage unterscheiden wird, muss die genauere Lektüre zeigen. Erste Beispielseiten machen zumindest einen ganz ordentlichen Eindruck. Außerdem dürften Zombies und der Name Romero schon allein für ausreichend Interesse beim Publikum sorgen. Das echt schicke Cover des ersten Albums ist in dieser Beziehung natürlich auch nicht hinderlich.

Autor Sylvain Cordurié kehrt nach dem Band Sherlock Holmes & das Necronomicon zu den Abenteuern des berühmten Detektivs zurück. Sherlock Holmes – Crime Alleys, das Splitter als Double-Album veröffentlicht, erzählt von einer Reihe Entführungen, mit denen sich der noch junge Sherlock beschäftigen muss. Für die Zeichnungen wurde der Italiener Alessandro Nespolino verpflichtet. Dessen Bilder scheinen zu dem historischen Krimi gut zu passen.

Von dem spanischen Zeichner José Fonollosa ist auf Deutsch bereits der Parodiecomic The Walking Depp  sowie der Katzen-Strip Miau erschienen. Bei Panini gibt es nun mit Tonin – Katerfreuden einen weiteren Comic für Katzenfreunde, diesmal als durchgehende Geschichte mit autobiografischem Hintergrund erzählt [Leseprobe]. Vom gleichen Künstler stammt auch der Band Outtakes, in dem bekannte Kino- und TV-Blockbuster in Cartoons und Kurzcomics veralbert werden. [Leseprobe]


AMERIKANISCH

Obacht! Lumpenpack

Mit ihrem Webcomic Hark! A Vagrant, in dem sie historische und literarische Figuren aus allen Epochen in höchst komischen Miniaturen auftreten lässt, ist die Kanadierin Kate Beaton seit 2008 sehr erfolgreich. Eine 2011 erschienene Buchausgabe mauserte sich zum Bestseller. Diese gibt es nun auch auf Deutsch, und zwar beim Zwerchfell Verlag, der ihr den schönen Titel Obacht! Lumpenpack gegeben hat. [Leseprobe]

Joyce Farmer ist Feministin, Zeichnerin von Underground-Comics und befreundet mit Robert Crumb. Dieser überredete sie, Besondere Jahre – Ein Abschied in Bildern (Egmont Graphic Novel) dem Verlag Fantagraphics anzubieten. Der Comic erzählt in schwarz-weißen Bildern von den letzten Lebensjahren ihrer Eltern, von Krankheit und Tod in der eigenen Familie. [Leseprobe]

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The Less Than Epic Adventures of TJ and Amal ist ein 500 Seiten langer Webcomic, den E.K. Weaver fünf Jahre Jahre lang nach und nach online veröffentlicht hat. Für einen dicken Sammelband der kompletten Geschichte hat die Künstlerin kürzlich mal eben 65.000 Dollar auf Kickstarter eingesammelt. Aber auch auf Deutsch kann man den Comic in der Hand halten: Eine dreiteilige Ausgabe erscheint jetzt beim kleinen Fireangels Verlag, dessen Spezialgebiet Boys-Love-Manga sind. TJ and Amal ist zwar auch eine schwule Liebesgeschichte, sie dürfte aber auch vielen gefallen, die sonst keine Fans dieses Genres sind, zumal Weavers Zeichenstil weniger an asiatische Vorbilder und mehr an einen klassischen amerikanischen Indie-Stil erinnert.

Seit 2008 publiziert der Kleinverlag Plem Plem Productions Comics einheimischer Künstler, so z.B. die Reihe Whoa Comics! oder The Changer. Zusätzlich wurde jetzt mit der Serie Leftovers des US-Amerikaners Jason Pittman auch ein Lizenztitel ins Programm genommen. In schwarz-weißen Bildern behandelt Pittman darin in jeder Ausgabe eine abgeschlossene Story, die um das Thema “Beziehungen” kreist. Das erste 20-seitige Heft liegt inzwischen in der Übersetzung vor. [US-Leseprobe]

Spätestens seit dem medialen Erfolg von The Walking Dead sollte man hellhörig werden, wenn eine neue Comicserie aus der Feder von Robert Kirkman startet. Für Outcast, deren erster Sammelband auf deutsch bei Cross Cult erschien, arbeitet der Autor mit dem Zeichner Paul Azaceta zusammen. Eine TV-Umsetzung der Horror-Exorzisten-Story befindet sich bereits in Planung. [Leseprobe]

In den 1980er Jahren erschuf Autor Chuck Dixon zusammen mit dem argentinischen Zeichner Jorge Zaffino den Comic Winterworld, der vom Überleben der Menschheit in einer postapokalyptischen Zukunft erzählt. Cross Cult veröffentlicht den schwarz-weißen Band unter dem Titel Winterwelt Classic [Leseprobe] und legt fast zeitgleich auch den ersten Band der aktuellen Ongoing-Serie, Winterwelt 1: La Niña, vor. In der farbigen Fortsetzung sind neben Dixon auch Diego Rodriguez und Butch Guice mit an Bord.

In Jonathan Maberrys und Alan Robinsons V-Wars wird ein Teil der Menschheit durch einen Virus in Vampire verwandelt. In Folge dessen bricht zwischen Mensch und Vampir der ganz große Krieg aus. In der IDW-Serie (deutsch bei Cross Cult) dürfte es naturgemäß reichlich blutig zugehen. Die Zeichnungen machen allerdings einen eher austauschbaren Eindruck.

Wer hätte damit gerechnet? Neil Gaiman kehrt nach fast 20 Jahren zu seiner viel beachteten Schöpfung Sandman zurück. In Form eines Prologs spielt die Miniserie Ouvertüre vor der ursprünglichen Vertigo-Serie und man erfährt endlich, wie Morpheus gefangen genommen werden konnte. Ob die nachgeschobene Episode nun unnötig ist oder eine tolle Ergänzung zu Gaimans Gesamtwerk, muss jeder für sich entscheiden. Reinschauen sollte man unbedingt, allein schon wegen den Zeichnungen von J. H. Williams III (Promethea, Batwoman). Panini veröffentlicht Sandman Ouvertüre in zwei Bänden, jeweils mit viel Bonusmaterial im Gepäck. [Leseprobe]

Mit einer Mischung aus Superhelden und Die Tribute von Panem lässt sich die Image-Miniserie America’s Got Powers wohl am besten umschreiben. Alle Babys, die am Tag der Ankunft eines mysteriösen Kristalls geboren wurden, bekommen Superkräfte. Nur einer bleibt offenbar verschont. Als Jugendliche müssen diese besonderen Menschen in einer Reality-Show gegeneinander antreten. Panini bringt die ersten drei US-Hefte der Reihe von Jonathan Ross (Turf) und Bryan Hitch (The Ultimates) in einem Band. [Leseprobe]

Beim US-Verlag Avatar Press (wie auch beim deutschen Panini Verlag) möchte man den hohen Bekanntheitsgrad von George R. R . Martin und den Rummel um dessen Schöpfung Game of Thrones nicht ungenutzt lassen. Deshalb werden nach und nach auch weitere Romanvorlagen aus der Feder Martins herangezogen, um sie als Comics zu adaptieren. Der Werwolf-Krimi Skin Trade liegt jetzt vor, dafür verantwortlich zeichnen Daniel Abraham und Mike Wolfer. [Leseprobe]

Ms. Marvel

Die neue Ms. Marvel ist Muslima und schreibt Superhelden-Fanfiction. Wem das noch nicht unkonventionell genug ist, dem verspricht Panini eine “moderne Superhelden-Seifenoper mit Humor und Action”. Klingt so, als sollte man dem erfrischenden Ansatz von G. Willow Wilson und Adrian Alphona eine Chance geben. [US-Preview]

Der Erfolg des Kinofilms machts möglich: Panini veröffentlicht unter dem Titel Guardians of the Galaxy – Krieger des Alls [Leseprobe] eine vierbändige Ausgabe der “klassischen” Urserie des Teams aus dem Jahr 2008. Enthalten ist darin die erste US-Serie nach der Neuinterpretation des Autorenduos Dan Abnett und Andy Lanning. Einige Hefte mit Crossover-Bezug wurden bereits zuvor in Deutschland zerstückelt in diversen Reihen veröffentlicht. Sicherlich ähnlich unverzichtbar für angefixte Guardians-Fans ist der Start der Solo-Reihe von Rocket Raccoon, dem schießwütigen Waschbären, geschrieben und gezeichnet von Skottie Young (Der Zauberer von Oz) und damit optisch alles, nur keine Superhelden-Standardkost. [Leseprobe]

Marvel Zombies Collection 4 bietet neues Material aus dem Reich der untoten Superwesen. Und diesmal heißt „neu“ tatsächlich „deutsche Erstveröffentlichung“. Denn im Gegensatz zu den Bänden 1-3 der Reihe wurden die Comics in diesem Sammelband nicht zuvor in Paninis Reihe Marvel Max veröffentlicht. Enthalten sind die Miniserien Marvel Zombies Supreme und Marvel Zombies Destroy!, sowie ein Halloween-Special. Es geht um Howard the Duck, Nazis, die Squadron Supreme und … achja … Zombies eben.

Bei Paninis DC-Abteilung wird auch Superman ein Megaband gewidmet. Auf über 250 Seiten vereint der Band die ersten acht Ausgaben der aktuellen US-Reihe Adventures of Superman. Die von der momentanen Kontinuität losgelösten Stories, die in den USA zuerst in digitaler Form und später erst gedruckt erschienen, wurden u.a. von namhaften Künstlern wie Jeff Lemire, Michael Avon Oeming oder David Lapham gezeichnet. Für Lutz Göllner (COMIX) der „beste Superman-Band seit sechs Jahren!“ [Leseprobe]

Seit jeher gilt Sinestro als Erzfeind von Green Lantern Hal Jordan. Zeitweise herrschte er gar über ein eigenes (gelbes) Sinestro Corps. Nur seine eigene Comicserie hatte er nie. Das ändert sich jetzt mit dem ersten Sonderband, inszeniert von Cullen Bunn, Dale Eaglesham und Rags Morales. [Leseprobe]

Der Verlag Hachette bringt seit gut zwei Jahren eine Sammelreihe namens Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung im Zweiwochenrhythmus in den Zeitschriftenhandel. Die ursprünglich 60 geplanten Ausgaben sind inzwischen fast komplett, aber Hachette erweitert die Reihe noch einmal um weitere 60 Bände. Ein Drittel davon wird aktuellere Marvel-Storylines wie Fear Itself enthalten, dazu kommen 40 „Classic“-Bände mit Material aus den 1960er und 1970er Jahren. Den Anfang machte im März der Band Marvel Origins – Die Sechziger Jahre. Mehr dazu bei der Highlightzone.


ASIATISCH

Gigantomachie

Der Einzelband Gigantomachie (Panini Manga) stammt aus der Feder des Berserk-Künstlers Kentaro Miura. Der Manga spielt in einer weit entfernten Zukunft, in der die Erde von Monstern und mythischen Wesen bevölkert ist. Für Leser von Attack on Titan wohl genau der richtige Lesestoff.

Eine Elite-Schülervertretung, die eine Schule terrorisiert. Eine Schuluniform, die aus einem Mädchen eine mächtige Kriegerin macht. Ryo Akizukis und Kazuki Nakashimas Mangaserie Kill la Kill (Tokyopop) verspricht ein launiges Actionspektakel für ein jugendliches Zielpublikum, das zuvor schon als Anime-Serie sehr erfolgreich war. [Leseprobe]

Accel World

Accel World von Hiroyuki Aigamo und Reki Kawahara startet bei Tokyopop parallel als Manga- und als Romanreihe. Wie viele artverwandte Mangas spielt auch dieser im schulischen Kontext. Behandelt werden die Themen Mobbing und MMORPGs. Leser, die nicht wissen, was hinter letztgenanntem Akronym steckt, werden vermutlich eh nicht mehr zur Zielgruppe gehören. [Leseprobe]

14 Wege der Versuchung – Minamoto Monogatari (Panini Manga) der Künstlerin Minori Inaba ist eine Mangaserie, die ebenfalls das Thema Mobbing umkreist. Hier wird ein Jugendlicher in die Kunst der Verführung eingeführt und soll Selbstvertrauen gewinnen. Die Reihe basiert u.a. auf dem traditionellen japanischen Roman Genji Monotagari.

Mein hübsches Ego (Tokyopop) von Mariko Nekono ist ein Boys Love-Einzelband, der sich um einen selbstverliebten Narzissten dreht, der sich von einem Mitstudenten durch Küsse “heilen” lässt. [Leseprobe]

Gleichfalls nicht um eine skurrile Grundidee verlegen ist Arina Tanemuras (My Magic Fridays) neue Romance-Serie 31 I Dream (Tokyopop). Darin verwandelt sich eine 31-jährige Büroangestellte mittels einer Verjüngungspille in ihr 15-jähriges Ich zurück und macht Karriere im Showbusiness. [Leseprobe]

In Porno Superstar hat Nanami eine Romanze zwischen einem Darsteller von Schwulenpornos und dessen Fan thematisiert. Mit Shiny Star veröffentlicht Tokyopop nun, ebenfalls als abgeschlossener Einzelband, ein Prequel dazu. Bei diesem speziellen Comic muss jeder (erwachsene) Leser selbst entscheiden, ob er sich davon angesprochen fühlt. [Leseprobe]

Neuer Romance-Stoff rund um ein Mädchen, das an seine alte Schule zurückkehrt und sich mit gleich mehreren Jungs rumschlagen muss: Beast Boyfriend (EMA) stammt aus der Feder von Saki Aikawa (Für immer mein, Ayanos Geheimnis). Für die deutsche Ausgabe konnten Leser eine selbst verfasste Kurzgeschichte einreichen, die, sollte sie den Kreativwettbewerb gewinnen, im zweiten Band abgedruckt wird. [Leseprobe]

Ayu Watanabe (Kimi Ga Suki, L-DK) bleibt ihrem Genre treu und und legt mit dem Band Mit dir allein (EMA) vier Romance-Kurzgeschichten vor. Nach dem gleichen Prinzip verfährt Hina Sakurada mit dem One-Shot Verzeihende Liebe (EMA), der ebenfalls vier Stories enthält. [Leseprobe]

Die Manga-Adaption des Videospiels Kingdom Hearts (die Figuren aus Disney-Serien und Final Fantasy vereint) wird jetzt nochmal als White Edition bei EMA aufgelegt. Neben neuen Covern gibt es dazu auch einen Sammelschuber.

Von Suzuki Nakaba stammt die neue Serie Seven Deadly Sins (Carlsen Manga). In dem Fantasy-Epos versucht eine Prinzessin mithilfe von Banditen ihr Königreich zurück zu erobern.


SEKUNDÄRLITERATUR

Waffen, Seelen, Hexen: Atsushi Ohkubos Mangareihe Soul Eater brachte es bereits auf 25 Ausgaben. Grund genug, die Leser mit einem Begleitband, dem Soul Eater Guidebook (Carlsen Manga) zu beglücken. So ganz ließ sich nicht herausfinden, woraus sich der Inhalt zusammensetzt, aber die Verlags-Website verspricht neben Infos zur Serie und einer Farbgalerie auch noch zusätzliche “Spiel- und Spaßseiten”. Es darf also jeder potentielle Käufer seine subjektive Erwartung in dieses Aussage hineinprojizieren.

Die schwer in Mode gekommenen Comicadaptionen belletristischer Werke sind für Germanisten ein gerne genommenes Studienobjekt. Der Band Graphisches Erzählen – Neue Perspektiven auf Literaturcomics (transcript Verlag) sammelt 19 Aufsätze, die sich in einem erfreulich breiten Spektrum bewegen. Es geht nicht nur um die typischen Comicversionen von Weltliteratur von Kafka bis Cervantes, es gibt beispielsweise auch einen Artikel über The Unwritten als Metacomic oder einen Werkstattbericht von Olivia Vieweg über ihre freie Twain-Adaption Huck Finn. [Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis + Vorwort]

Zack – Deutsch lernen mit Comics heißt ein Band aus dem Klett Verlag, der Unterrichtsmaterial für Deutsch als Fremdsprache enthält. Neben einigen Touché-Strips von ©Tom werden darin auch Ausschnitte aus drüben! (Simon Schwartz), Faust (Flix) und Wir können ja Freunde bleiben (Mawil) für den Unterricht aufbereitet. [Leseprobe]