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Swamp Thing – Geschichten aus dem Sumpf

Das Ding aus dem Sumpf war einige Jahrzehnte in der sumpfigen Versenkung verschwunden. Damit ist nun Schluss: Gerade ist ein Sammelband mit neuen Geschichten um das Swamp Thing erschienen.

Nach seiner Schöpfung durch Bernie Wrightson und Len Wein (1972–76), der Erneuerung durch Alan Moore (1984–87) und einigen Reanimierungsversuchen in den letzten Jahrzehnten gerät die Serie in den letzten Jahren wieder etwas stärker ins Bewusstsein. Nicht nur die amerikanische TV-Adaption (2019, dt. 2020) ist ein Indiz hierfür, sondern auch die Neuausgabe des Alan-Moore-Runs bei DC und Panini sowie der aktuelle Sammelband mit neun Short Stories von Tom King etc.

Die erste Geschichte stammt von dem amerikanischen Autor Tom King (Rorschach, Strange Adventures) und dem kanadischen Zeichner Jason Fabok (Batman – Die drei Joker). Ihre Kurzgeschichte, „Die Stimmen der Heiligen“ wurde erstmals 2018 im Swamp Thing Winter Special veröffentlicht und gewann 2019 den Eisner Award als Best Short Story – und Tom King gewann in diesem Jahr einen zweiten Branchen-Oscar mit Mister Miracle.

Alle Abbildungen © Panini Verlag

King lässt das Monster auf einen kleinen Jungen treffen und flieht mit ihm vor einem ominösen Schneemonster. Aber wer ist hier das Monster, und was sind eigentlich Monster anderes als ein rhetorischer Trick, um die eigene Angst zu kompensieren oder sie bei anderen zu hervorzurufen, um Schuld an Dritte zu delegieren oder um Menschen im eigenen Interesse zu beeinflussen?

Die zweite Geschichte wird von einem Vorwort der DC-Redakteurin Rebecca Taylor eingeleitet. Es handelt sich nämlich um die letzte Geschichte, die Swamp-Thing-Legende Len Wein verfasste, für die er allerdings kein Text-Lettering mehr erstellen konnte, und die Kelley Jones zeichnete. 2017 verstarben mit Bernie Wrightson und Len Wein beide Swamp-Thing-Schöpfer in kurzer Zeit. Daher ist „Frühlingserwachen!“ eine stumme Swamp-Thing-Story, Taylor nennt die Geschichte Weins „letzten Song“. Durch die (unfreiwillige) Reduktion auf die Zeichnungen ist die Handlung völlig kryptisch, aber das beigefügte Skript Len Weins schafft da Abhilfe. Allerdings zu einem hohen Preis: Man kann die Geschichte nur lesen, indem man hin- und herblättert, hier das Skript liest, dort die entsprechenden Panels sucht. Wer es als ein Abenteuer oder eine Expedition in den Schaffensprozess eines Comics versteht, kann daran einige Freude entwickeln.

Eine unfreiwillig stumme Seite aus „Frühlings Erwachen“ von Len Wein, gezeichnet von Kelley Jones.

Erwähnenswert ist außerdem die drastische Kurzgeschichte „Hohl“, als Halloween-Special 2018 geschrieben von Brian Azzarello, wundervoll gezeichnet von Greg Capullo, in der das Swamp Thing drei teuflische Wesen daran hindert, an Halloween Kinder zu misshandeln: „Die Tore [zur Hölle] mögen offenstehen, aber ihr seid auf dieser Seite nicht willkommen.“ Letztlich aber laufen die Kinder davon, voller Angst nicht nur vor den gewalttätigen Monstern, sondern auch vor dem Swamp Thing. Aber Angst vor dem Ungewissen, so legt die Geschichte nahe, hat auch etwas Gutes: „Die Menschen fürchten es nicht.“ Aber sie sollten.

Die anderen Stories sind zum Teil schön gezeichnet (etwa von Frazer Irving oder Kyle Hotz), manchmal etwas verworren (Tim Seeley in „Die Infektion“), kommen aber an diese drei Geschichten nicht heran.

Raus aus dem Sumpf

7von10 Swamp Thing – Geschichten aus dem Sumpf
Panini Verlag, 2021
Text und Zeichnungen: Tim Seeley, Tom King, Brian Azzarello, Len Wein, Jason Fabok, Joelle Jones, Steve Pugh, Greg Capullo, Kelley Jones
Übersetzung: Josef Rother
212 Seiten, Farbe, Softcover
Preis: 22,00 Euro
ISBN: 978-3741624971
Leseprobe

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