Alle Artikel in: Rezensionen

Woyzeck

„Auf die Straß‘ gepisst!“ – hallt es noch immer in meinen Ohren nach, wenn ich an den ersten Kontakt mit Woyzeck denke. Damals, ich bestritt gerade mein Schulpraktikum am Schauspielhaus Hannover, führte niemand geringeres als Johann Kresnik Regie, jenes Enfant Terrible, das zuletzt wegen seines rauen Umgangstons in der Kritik stand (damals jedoch gefeiert wurde) und vor kurzem leider von uns ging. Als Erstkontakt mit dem ohnehin sehr direkten Stück sicher prägend. Allen folgenden Inszenierungen, selbst der überaus gelungenen und ähnlich in der Kritik stehenden 2012er Fassung, deren Vergewaltigungsszene einige Schüler angeblich nachhaltig traumatisierte (einige Jahre später saßen diese Schüler ausgerechnet in einem von mir geleiteten Büchner-Seminar und gaben zu Protokoll, vor allem die Eltern seien hier Ursprung des Tugendfurors gewesen – man kennt das) – oder jener Inszenierung mit der Musik von Tom Waits, gelang es nicht, eine ähnlich erdrückende Stimmung zu erzeugen. Um es mit den Worten der Theaterkollegen zu sagen: „Gäbe es eine Pause – die Zuschauer würden nicht in den Saal zurückkehren. Nun macht sich Andreas Eikenroth, nicht nur Comiczeichner, sondern …

Yuggoth Rising – Erster Akt

Es ist nun sieben Jahre her, dass Sebastian „Bestie“ Dietz den ersten Band seiner auf neun Nummern angelegten Serie Yuggoth Rising in Eigenregie veröffentlichte, immerhin drei Jahre vor Alan Moores Lovecraft-Epos Providence, das erst 2015 startete. Inzwischen ist Yuggoth Rising abgeschlossen. Jetzt soll die Reihe soll nach und nach in Sammelbänden noch einmal aufgelegt werden.

Business Worm

Die Hauptfigur aus Tim Gaedkes Business Worm ist ein im Leben angekommener BWLer: Einer dieser smarten, coolen, unauffälligen Anzugträger, die dem verantwortungsvollen Job nachkommen, tagein, tagaus Aktien zu kaufen und zu verkaufen, um das liebe Geld zu vermehren. Nebenbei schlürft dieser lässige Spezialist fürs Monetäre seinen Bürokaffee, sitzt nach der Arbeit entspannt im Park, um eine zu qualmen, abends fährt er noch mit dem Taxi zum Wirt und genehmigt sich einen Drink. Irgendwann, spät abends kommt er dann heim, wo er schon freudig von seinem Sohn erwartet wird. Man verbringt noch etwas – eher etwas zu wenig – quality time miteinander, dann geht der Business Worm mit seligem Lächeln ins Bett. Oder ist das kein Lächeln, sondern nur die Perspektive, in der man seine Wurmringel sieht? Irgendetwas in dem Bild jedenfalls ist schief, und das hat nichts damit zu tun, dass uns die vorliegende Geschichte mit Tierfiguren erzählt wird. Die Irritation liegt tiefer.