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Währenddessen… (KW 50)

Bevor die drei ??? in die Hände deutschsprachiger Autoren fielen, erhielten sie einen Modernisierungsschub in den USA. Das lief unter dem Motto „Crimebusters“ und war richtig gut.

Cover von Aiga Rasch

Christian: Als aus den Drei ??? die Crimebusters wurden, brauchten sie ihren Chauffeur Morton nicht mehr, denn Autofahren konnten sie inzwischen selbst. Außerdem hatten sie als Crimebusters ein verstärktes Interesse an Mädchen und die Auseinandersetzungen mit Schurken werden härter: im Roman Die drei ??? und die Comicdiebe werden da von den Schurken schon mal die Baseballschläger gezückt und Peter wird aus dem dritten Stock eines Hotels geschubst, was er nur überlebt, weil er seine Sturz geschickt in den Swimming Pool lenken kann – so ein Skydiver aber auch. Außerdem sind alle drei ??? völlig vernarrt in ein Mädchen namens Rainey, das als Cosplay-Starlet auf einer Comic-Convention ihre Model-Karriere startet.

Aufhänger der Story „Die Comic-Diebe“ ist eine Kiste mit antiken Comics, die Justus Jonas gewinnbringend auf der gerade stattfindenden Con verscherbeln möchte, doch werden ihm diese spektakulär geklaut, woraufhin die drei Investigators in einen Fall um gefälschte Comics verwickelt werden, die ein betrügerischer Nachdrucker als nur vermeintlich alt und selten unters Volk bringt. Das Schöne an der Story sind dabei die wunderbar verschrobenen Figuren und Konstellationen, die so richtig schön nah an der Wirklichkeit sind.

Da gibt es zum Beispiel den Comichändler Madman Dan Demento, ein Typ mit schwarzen Locken und struppigem Schnauzer. In seiner ersten Szene versucht ein Kunde, bei ihm einen Preis für ein altes Comicheft auszuhandeln:

„Dreihundertfünfzig für die Nummer von Fan Fun“, lautete das Angebot des Kunden. Madman Dan schüttelte den Kopf. „Fünfhundert“. Das Gesicht des anderen Mannes verdüsterte sich noch mehr, doch er versuchte zu handeln. „Vierhundertfünfzig.“ „Sechshundert.“ Nun klang die Stimme des Interessenten merklich gereizt. „Aber das Heft ist mit vierhundertfünfzig ausgezeichnet.“ „Und nun kostet es eben sechshundert“, tat der Händler mit dem abenteuerlichen Äußeren diesen Einwand ab. Der Mann vor dem Tisch ballte die Fäuste. „Na schön, dann also 600 Dollar.“ Madman Dan grinste unverschämt. „Sie haben zu lange gezögert. Jetzt kostet das Ding siebenhundert.“ Der Mann brachte den Mund nicht zu. „Siebenhundert.“ Wollen Sie mit Ihrem Preis die Käufer vergraulen?“ „Nicht unbedingt“, sagte Madman Dan. „Ich will nur mit Ihnen kein Geschäft machen.“

Der unglückliche Käufer, erfahren wir, ist aber auch „ein ausgemachter Fiesling“ von einem „der Verlagsriesen“ und wird deswegen vom Comichändler besonders unverschämt behandelt. Wenig später gibt es eine weitere wunderbare Szene, in der ein Junge seinem Kumpel stolz eine eben für 70 Dollar erworbene Kiste mit einem Bogen Originalskizzen der Serie „Das Blutrote Phantom“ zeigt. Da kommt ein älterer Herr zu dem Jungen und sagt. „Hey Kleiner, ich kauf dir das ab – für fünfundsiebzig.“ – Erfolglos!  Aber dann bietet er Hundert. Der Junge verkauft jetzt doch. Dann passiert es:

Der Mann zerriß den Zeichenkarton und warf diese in einen Abfalleimer. Dann zog er ein Feuerzeug aus der Tasche und zündete die Papierfetzen an.

Bei dem Pyromanen, erfahren wir, handelt es sich um Steven Tresh, den Originalkünstler des Blutigen Phantoms. Und auch die Skizzen waren von ihm, aber weil er von seinem Verlag seinerzeit über den Tisch gezogen wurde und um seine Rechte geprellt wurde, versucht er jetzt wenigstens zu sabotieren, dass Händler aus seiner Situation noch Kapital schlagen. Ganz wie im richtigen Leben also. Überhaupt erfahren wir so einiges über den ganz alltäglichen schäbigen Umgang in der Szene, frustrierte Künstler und eingebildete Fans, zum Beispiel den dicken Frank the Crank,

„Leserbriefschreiber aus Passion – bedient sämtliche Comic-Verlage mit seinen Ergüssen. […] Selber hält er sich für den Größten und reibt den Leuten grundsätzlich  seine unfehlbare Meinung hin. Ein Querkopf und Querdenker.“

Lauter Verdächtige in dieser Story um geklaute Raritäten. Neidische Fans, gierige Händler, intrigante Verleger, und ein geschasster Künstler, der seine teuren Originale verbrennt und dabei doch Kapital braucht, um sein eigenes Independent-Label gründen zu können. Und dann noch das Cos-Girl Rainey Fields, die von ihrer Mutter in eine Model-Karriere gedrängt wird und als kostümiertes „Stellar Girl“ den Jungs den Kopf verdreht.

„Die Comicdiebe“ (im Original Funny Business) ist ein großartig geplotteter Roman mit viel hintergründigem Witz und zählt zu Recht zu den Highlights der Investigators-Reihe. Diese Crimebusters-Sache scheint mir wirklich eine schöne Weiterentwicklung der Reihe und ist gar kein Kinderkram. Für Fans von Ami-Comics eigentlich Pflichtlektüre.

Zitate und Cover: William McCay: Die drei ??? und die Comic-Diebe, 1990 Kosmos-Verlag,

Natürlich lieben wir die deutsche Cover-Designerin Aiga Rasch. Aber das Cover der amerikanischen Ausgabe ist auch super.

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