Aktuelles
Kommentare 1

Währenddessen… (KW 33)

Christian hat sich das neue Lustige Taschenbuch vorgenommen und sehr über Cavazzanos „Die Ballade von Klaas Klever“ gefreut.

Mit „Die Ballade von Klaas Klever“ findet sich im aktuellen Lustigen Taschenbuch (Nr. 562, 19999 Meilen unter dem Meer) mal wieder ein echter Volltreffer von Giorgo Cavazzano. Cavazzano hat ja schon diverse Male Spin Off-Stories und Secret Origin-Stories von Disney-Nebenfiguren und Schurken gestaltet, nun reiht sich Klaas Klevers Origin-Story in diese schöne Tradition ein.

Wir lernen den jungen Klaas Klever als aufgeblasenen Fatzke und Faulenzer kennen, der das Familienvermögen der wohlhabenden Klevers erbt, ohne je einen Finger dafür gerührt zu haben, sozusagen der Gegenentwurf zu Dagobert Duck, der durch seiner eigenen Hände Arbeit zu Reichtum kam. Für Onkel Dagobert ist Klaas Klever ein Fliegengewicht und leichtes Opfer, den er ein ums andere Mal über den Tisch ziehen kann – man kennt das ja aus unzähligen Topolino-Stories. Aber nun stellt sich die Frage, was wäre, wenn Klever a) auch ein Mensch (eine Ente) mit Gefühlen ist und b) in der Lage ist, sein Verhalten zu ändern, seine blasierte Antriebslosigkeit überwindet und echten Biss entwickelt? Außerdem, c), ist auch Onkel Dagobert ein Schurke – das sollte man doch nie ganz aus dem Auge verlieren.

Doppelseite aus LTB 562. (c) Egmont-Verlag.

Die von Marco Nucci geschriebene und von Cavazzano gestaltete Geschichte um einen melancholischen Klever, der an seinen Niederlagen leidet und dennoch trotzig eine letzte Gelegenheit ergreift, ist grandios gestaltet. Kein ständiges Geplapper und Klamauk, sondern ruhige Charakterszenen, teils über viele Seiten mit wenig bis ohne Text. Dazu glänzt Cavazzano mit einer geschickten Bild- und Seiteneinteilung, in der stets auch die optische Wirkung einer ganzen Seite mitgedacht ist, nicht nur das Abarbeiten des Plots. Wunderbar atmosphärisch selbst die Darstellung von Häusern wie beispielsweise Klevers vernachlässigte Villa, die schon halb von der Natur zurückgewonnen wurde, Szenen der Einsamkeit und Melancholie, Regenwetter …. Cavazzano hat sich in dieser Story von 2021 fast selbst übertroffen. 63 Seiten reichen aus für diese epische Geschichte, die man zu den Höhepunkten des LTB-Jahres 2022 zählen kann.

Auch die Titelgeschichte „19999 Meilen unter dem Meer“ (Artibani und Pastrovicchio) kann sich sehen lassen, ein epischer Zweiteiler von knapp 60 Seiten aus der Sparte der Literatur-Aneignungen (und eben eher nicht Adaptionen). Überzeugend ist hier vor allem die Besetzung gegen den Strich, mit Kater Karlo und Plattnase auf der Seite des Forschers Micky Maus, Goofy dagegen in der Rolle des Kapitän Nem mit seiner Nautilus. Natürlich zeigen die Schurken im Verlauf der Handlung ihr wahres Gesicht und die Geschichte nimmt einen weitgehend üblichen Verlauf, aber es ist atmosphärisch in Szene gesetzt und von der Sorte Geschichte, die das LTB über so viele Jahre perfektioniert hat.

Das von mir in letzter Zeit eher gemiedene Donald Duck-Sonderheft enthält dieses Monat auch einen originellen Beitrag: In der Geschichte „Es war zweimal …“ von Maya Astrup und Cesar Ferioli spaltet sich die Erzählung nach einem einschneidenden Erlebnis in zwei unterschiedliche Handlungen auf. Einmal wird Daisy, die mit Donald zum Rendez-Vous verabredet ist, von einer Pfütze durchnässt, geht nach Hause und verpasst den romantischen Abend, woraufhin Donald empört Schluss mit ihr macht, in der anderen Variante findet die romantische Begegnung statt und Donald macht Daisy einen Heiratsantrag.

Gehen oder bleiben? Die linke und die rechte Spalte erzählen je unterschiedliche Varianten der Geschichte, Donald Duck Sonderheft 423. (c) Egmont-Verlag.

Ferioli und Astrup gelingt es hervorragend, die beiden Stories in je gegenüberliegenden Panels so zu führen, dass sie stets als Varianten des selben Moments zu lesen ist. Interessant, wie sich die zunächst fatale Entwicklung nach und nach in etwas um so Positiveres verkehrt, gleichzeitig aber das Heiratsversprechen schleichend in ein Unhappy-End mündet – und glücklicherweise nicht in die klamaukige Katastrophe, wie das ja in Duck-Geschichten oft passiert. In der Aussage ist das vielschichtig:

  • Daisy ist besser beraten, ein eigenes, selbständiges Leben zu führen als immer nur die Zimtziege zu sein, die romantische Ansprüche an Donald stellt. (Positive Lesart)
  • Comicfiguren wie Donald und Daisy dürfen kein Eheglück haben, weil sonst der ewige Status Quo nicht mehr gilt. (Negative Lesart)

„Es war zweimal …“ hat eine poetische und leicht melancholische Grundstimmung, die in Teilen an Don Rosas Duck-Interpretation von Frank Capras It’s a wonderful life erinnert, weniger episch zwar, aber als kleine Miniatur durchaus beachtlich.

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Abschicken dieses Formulars erklärst du dich mit unserer Datenschutzerklärung einverstanden.