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Währenddessen … (KW 15)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Ich beneide Dashiell Hammett um die Gabe, mit wenigen Worten so viel zu erzählen. Zum Ende seines Lebens schien der Autor des Maltese Falcon (genial verfilmt mit Humphrey Bogart) ein Wrack gewesen zu sein, aber mit wenigen Worten schnell ein Dutzend Figuren zu skizzieren ist schon eine Gabe. Erstaunlich ist auch, wie unterschiedlich alle fünf Romane (Red Harvest, The Dain Curse, The Maltese Falcon, The Glass Key, The Thin Man) ausgefallen sind, die in diesem schnuckeligen kleinen Band (hier der Link) versammelt sind.

Red Harvest diente als Vorlage für Filme wie Yojimbo und Für eine Handvoll Dollar und ist glänzende Unterhaltung. Die Action steht im Vordergrund, das merkt man schon an der einfachen Motivation der Hauptfigur (die Banden der Stadt versuchen ihn zu ermordern, er nimmt das irgendwie persönlich, eine Menge Leute müssen deswegen sterben) und daran, dass keine der Nebenfiguren mehr als eine vage Skizze ist. Trotzdem finden sich hier schon Ansätze für die Themen Korruption und Verrat, die Hammett noch in The Glass Key verarbeiten wird. Dieser vierte Roman ist aus meiner Sicht sein Meisterwerk, auch wenn der Maltese Falcon handwerklich besser ist. Die Figuren sind ambivalent und komplex, die Themen sind Korruption und Treue, jeder nutzt jeden irgendwie aus und niemand sollte sich auf jemanden verlassen, wenn er oder sie nicht will, dass am Ende ein gebrochenes Herz dabei herauskommt. Hammetts knappe Ausdrucksweise liefert in diesem Buch keine handfesten Informationen mehr, sondern gibt dem Leser nur noch die Möglichkeit das Gesagte zu interpretieren. Für einen Krimi, ein Genre das sich ja um Rätsel aufbaut, genau der richtige Stil.

The Dain Curse ist merkwürdig. Anders kann ich es nicht beschreiben. Der Plot ist kompliziert, macht aber keinen Sinn, die Figuren benehmen sich komplett durchgeknallt und die Auflösung ist absurder als die letzten Seiten von Mord im Orient Express. Ich habe jede Seite genossen und ich denke, ich weiß jetzt woher Ed Brubaker die Idee für seinen Comic Scene of the Crime herhat. Immerhin hat Hammett die Ideen und Konzepte dieses Romans in seinem letzten Buch, The Thin Man gut verarbeitet, dessen Geschichte vor allem durch seine beiden liebenswerten Hauptfiguren glänzt.

Und dann ist da noch The Maltese Falcon. The Maltese Falcon ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Hier stimmt einfach alles: die Geschichte, die Figuren, das Erzähltempo, kein Wunder, dass das Buch zu 99 Prozent als Film adaptiert wurde. Fast jede Figur in diesem Buch lügt, betrügt und hintergeht, um am Ende fein aus dem Schneider zu sein. Reizende Schweinebande, wirklich. Dem Protagonisten Sam Spade scheint die Absurdität des Ganzen bewusst zu sein, so oft wie er in teilweise lebensgefährlichen Situationen plötzlich zu lachen anfängt. Jeder nutzt jeden aus und am Ende ist es doch für nichts. Das ist tragisch und komisch zugleich und wenn ein Buch diese beiden Aspekte in sich vereint, macht es aus meiner Sicht alles richtig. Und das mit so wenigen Worten.

Christian: In den Micky Maus-Heften 23 und 24 von 1983 gab es das wunderschöne Pop-Up-Buch Mickys große Zirkusschau zum Selberbasteln, das sich bei mir noch in gutem Zustand befindet.

Werden wir mal philosophisch. 1983, zehn Jahre alt, habe ich mit großer Begeisterung die Micky Maus-Hefte meines Vaters von 1960 bis 1962 gelesen. Die kamen mir unendlich alt vor und die schwarzweiße Klubzeitung, die damals in jedem Heft abgedruckt war, ließ die Hefte noch mehr wie einen Gruß aus der Vorzeit wirken. Ähnlich dürfte der abgebildete Bastelbogen auf jeden zehnjährigen von heute wirken. Rein rechnerisch – das ist das unheimliche – trennten mich 1983 aber gerade mal 20 Jahre von dieser Ära. Der abgebildete Bastelbogen ist jetzt schon 34 Jahre alt. Gehe ich von 1983 nicht nur 20, sondern 34 Jahre zurück, befinde ich mich im Jahr 1949. Damals wurde gerade das zerbombte Nürnberg aufgeräumt und mein Paps hat darauf gewartet, dass der Opa vielleicht doch noch aus dem Krieg heimkommt. Auf einmal bekommt man eine Ahnung deutlich, wie wenig uns – nur zeitlich? – von damals trennt.

Und hier ist ein Link zu einer sehr schönen Fanseite, die sich ganz den Spiel- und Bastelteilen der alten Micky Maus-Hefte verschreiben hat: Seite 42 (Direktlink zu den eingescannten Bastelbögen der Zirkusschau habe ich hier – mit freundlicher Genehmigung des Hosts). Viel Spaß beim Entdecken und Stöbern. Für das Pop up-Buch gilt mein Dank Dr. Anja Friedl-Muschweck, die mehr noch als ich auf ihre alten Sachen aufpasst und so auch dieses schöne Stück noch hatte. Vielen Dank. :-)

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