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Frisch aus der Druckerei: Dezember 2017

Der Dezember ist immer ein eher ruhiger Monat, denn ihre großen Glanzlichter haben die Verlage entweder schon rechtzeitig vor Weihnachten in den Regalen platziert, oder sie sparen sie sich fürs nächste Frühjahrsprogramm auf. Trotzdem gab es auch im letzten Monat des abgelaufenen Jahres wieder einige interessante neue Serien und Einzelbände auf dem deutschsprachigen Comicmarkt.

HIGHLIGHT DES MONATS

Der argentinische Autor Carlos Trillo hat immer wieder mit seinem Landsmann Domingo Roberto Mandrafina zusammengearbeitet, u.a. auch bei dem preisgekrönten Comic Der große Schwindel, der 2016 bei Erko erschien. Vom gleichen Duo bringt Erko nun den ersten Band der Serie Spaghetti Bros., ein Mafiaepos, das in den 1990er Jahren für das italienische Magazin Lanciostory entstand, im New York zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten umfasst. [frz. Leseprobe]

EIGENPRODUKTIONEN

Jens Harder nimmt sich eine Auszeit von seinem Großprojekt über die Geschichte des Planeten Erde, von dem bislang Alpha und Beta, die ersten zwei von geplanten vier Bänden, erschienen sind. In einer 140-seitigen Bilderzählung interpretiert er das Gilgamesch-Epos, eine der ältesten schriftlich überlieferten Erzählungen der Welt. Die Heldentaten des Königs Gilgamesch wurden schon mehrfach in Comics adaptiert, bei Harder fällt besonders die stilistische Nähe seiner Zeichnungen zu den Bildern auf, die aus jener Zeit überliefert sind. Der Band ist bei Carlsen erschienen. [Leseprobe]

Auf einem Workshop des Deutschen Comicvereins entstanden im Frühjahr 2017 zwölf kurze Comicreportagen über Neuanfänge von Geflüchteten in einem neuen Land. Für jeden Beitrag wurde aus den teilnehmenden Journalisten und Zeichnern ein Zweierteam gebildet. Das so entstandene Alphabet des Ankommens erschien nun gedruckt in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, die das Projekt auch finanziell unterstützt hat. Das Buch kann für schmale 4,50 Euro hier erworben werden. Gleichzeitig stehen alle Beiträge auch auf einer eigenen Website zum Lesen zur Verfügung.

EUROPÄISCH

Von Szenarist Éric Corbeyran (Elfen, Metronom) und dem portugiesischen Zeichner Jorge Miguel (Als die Zombies die Welt auffraßen) kommt ein neuer Sci-Fi-Zweiteiler: Die Ausgestoßenen von Orion (Splitter-Verlag) spielt auf einem fremden Planeten, auf dem sich eine menschliche Zivilisation etabliert hat, deren Wurzeln auf der Erde liegen. Eines Tages wird die in einer Mittelalterepoche steckende Menschheit von einem Mann aus dem Himmel heimgesucht. Die Geschichte basiert lose auf dem französischen Roman La Croix de Décastes von Julia Verlanger (Horlemonde). [Leseprobe]

Ebenfalls ein Zweiteiler, der auf einem Roman basiert, ist der Comic Rückkehr nach Belzagor (Splitter-Verlag). Die Italienerin Laura Zuccheri (Die gläsernen Schwerter) liefert die Zeichnungen für die Comicversion des Buches Die Mysterien von Belzagor des US-Autors Robert Silverberg. Für die Adaption des Stoffes, der sich um eine ehemalige Kolonie auf einem exotischen Planeten dreht, zeichnet der erfahrene französische Texter Philippe Thirault (O‘ Boys, Heiligtum Genesis) verantwortlich. [Leseprobe]

Bei Bunte Dimensionen startet der Western-Dreiteiler Moses Rose vom Szenaristenduo Patrick Cothias und Patrice Ordas (Im Auge des Dobermanns) und Zeichnerin Christelle Galland, der in den Nachwehen des Texanischen Unabhängigkeitskriegs spielt: Ein vermeintlicher Deserteur muss nach dem Krieg zurück nach Fort Alamo, wo er – so wird es ihm vorgeworfen – seine Kameraden im Stich gelassen hat. [Leseprobe]

Eine neue Gesamtausgabe für die „Generation ZACK“: Im siebenbändigen Die Draufgänger Integral bei Kult Comics wird eine Serie von André-Paul Duchâteau (Rick Master) und Christian Denayer (Wayne Shelton) nachgedruckt, die 1975 fürs Magazin Tintin entstand und 20 Jahre lang lief. Die Titelhelden Al und Brock erlebten darin humorvolle Actionabenteuer auf der Straße, die Zeichner Denayer viel Gelegenheit gaben, große und kleine Fahrzeuge aller Art ineinander rauschen zu lassen. [Leseprobe]

Im zweiten Band der Reihe Valerian und Veronique Spezial, in der bekannte Comicautoren und -zeichner der SF-Serie ihren individuellen Stempel aufdrücken dürfen, ist ein Kreativteam an der Reihe, das – jeder für sich – schon ein paar Bestseller auf dem Kerbholz hat und hier erstmals zusammenarbeitet. Wilfrid Lupano (Die alten Knacker) und Mathieu Lauffray (Long John Silver) mischen in Shinguzlooz Inc. eine moderne SF-Ästhetik mit satirischer Gesellschaftskritik. [frz. Leseprobe]

Der belgische Verlag BD Must, der seine Neuauflagen älterer frankobelgischer Comics regelmäßig auch auf Deutsch herausbringt, veröffentlicht eine zweibändige Ausgabe von Helena von Danker Jan Oreel und Henk Kuijpers (Franka). Darin kommt eine hübsche Taschendiebin zufällig an einen begehrten Schatz, den sich auch finstere Gestalten unter den Nagel reißen wollen. Der bislang nicht auf Deutsch erschienene Comic ist verhältnismäßig jung: Er wurde erstmals 2010 im niederländischen Magazin Eppo abgedruckt. [Leseprobe]

AMERIKANISCH

Die neue Serie von Rick Remender (Deadly Class, Black Sience) heißt Seven to Eternity und ist eine Art dystopische Fantasygeschichte. Garniert ist das Ganze mit Fantasy- und sogar Westernelementen. Die deutsche Ausgabe der vom philippinischen Künstler Jerome Opeña (Infinity, Avengers) gezeichneten Image-Reihe erscheint bei Cross Cult. [Leseprobe]

Bereits 2002 hat Hellboy-Erfinder Mike Mignola den Oneshot The Amazing Screw-on Head zu Papier gebracht, dessen Hauptfigur ein Roboter ist, der seinen Kopf auf unterschiedliche Körper schrauben kann, um von diversen Kräften zu profitieren, und der als US-Agent für Präsident Lincoln operiert. Mit dem Band The Amazing Screw-on Head und andere seltsame Dinge reicht Cross Cult die Geschichte nun endlich nach und packt nebenbei noch ein paar weitere Kurzerzählungen mit rein. [Leseprobe]

Über das Album Die Chroniken von Lockann, das beim Verlag Erko auf Deutsch erscheint, ist auf den gängigen Websites kaum etwas herauszufinden. Wenn man etwas tiefer gräbt, erfährt man, dass der Künstler Smilton, von dem das actionreiche Steampunk-Abenteuer stammt, in Argentinien lebt, wo der Comic wohl auch zuerst erschienen ist. Ein paar Seiten daraus sind hier zu sehen.

Overwatch heißt der neueste Streich der Videospielfirma Blizzard. Die Origins der einzelnen Figuren des Sci-Fi-Shooters gibt es in Form einer Comic-Anthologie, die bei Panini erscheint. Die Blizzard-Autoren Robert Brooks und Michael Chu sind auch an diesem Projekt maßgeblich beteiligt und haben die Geschichten geschrieben. Der Franzose Bengal und der Spanier Miki Montiló (Orbital, Warship Jolly Roger) sind für das Artwork zuständig. [Leseprobe]

Was passiert, wenn zwei der abgedrehtesten Marvel-Figuren miteinander verschmelzen, kann man im Band Deadpool the Duck nachlesen. In der darin enthaltenen Miniserie sorgen zufällige Ereignisse nämlich dafür, dass aus dem verrückten Söldner Deadpool und dem Enterich Howard the Duck ein völlig neues Wesen entsteht. Das Spektakel wird inszeniert von Autor Stuart Moore und Zeichner Jacopo Camagni. [US-Preview]

Eine neue Story mit Retrothematik bietet der Comic Avengers: Vier. Für diesen geht Autor Mark Waid weit zurück in die Historie, in eine Zeit, in der die ursprünglichen Avengers sich auflösten und zum ersten Mal die ehemals schurkischen Mitglieder Hawkeye, Scarlet Witch und Quicksilver auftauchten. Aus ihnen formte Captain America schließlich ein neues Avengers-Team, von deren Gründung Waid nun erzählt. Für die Zeichnungen hat man mit Mark Bagley und Barry Kitson zwei alte Marvel-Hasen gewinnen können. [Leseprobe]

Die Comicstrips von Chris Giarrusso rund um die kindlichen Versionen der Marvel-Helden und -Schurken wurden vor vielen Jahren als Auflockerung für die Redaktionsseiten in den US-Heften ins Leben gerufen. Einige Zeit später hat auch Panini hierzulande Strips und Onepager mit den Mini Marvels sporadisch in seinen Publikationen abgedruckt. Jetzt gibt es einen deutschsprachigen Sammelband, der sämtliches existierende Material der Mini Marvels versammelt. [Leseprobe]

Im Vormonat gab es bereits ein Special mit der Vorstellung der einzelnen Mitglieder der neuen Justice League of America, jetzt ist auch deren reguläre Serie (auf Deutsch im Sonderbandformat) gestartet. Steve Orlando und Ivan Reis erzählen die Geschichten der von Batman initiierten Liga, der beispielsweise auch Lobo oder Ex-Suicide-Squad-Mitglied Killer Frost angehören. [Leseprobe]

Der ilovecomics Verlag startet eine weitere Reihe mit Nachdrucken aus dem Golden Age. Dort hat man bereits ein Dschungelabenteuer namens White Princess of the Jungle im Portfolio. Nun folgt mit Kaänga ein weiterer Vertreter dieses Genres, das seinen Erfolg vor allem Tarzan zu verdanken hat, aber auch viele andere Urwaldhelden hervorbrachte. Die Comics stammen aus der Heftserie Jungle Comics, die in den USA zwischen 1940 und 1954 erschien.

ASIATISCH

Der Verlag Schreiber & Leser macht sich weiterhin darum verdient, uns die Genrewerke von Jiro Taniguchi zugänglich zu machen. Tokio Killers ist eine Sammlung von fünf kurzen Noir-Krimis nach Szenarien von Natsuo Sekikawa, mit dem Taniguchi auch bei der Serie Trouble is My Business zusammenarbeitete. Die Stories stammen aus dem Jahr 1986, teilweise geht es dabei auch erotischer zu, als man es von dem Zeichner sonst gewöhnt ist. [Leseprobe]

Von einem Jungen, der Menschen mit einer riesigen Schere die Köpfe abschneidet, erzählt die Manga-Reihe Good Night Jack the Ripper (Egmont Manga) von Ai Ninomiya, Ikuhiro Nao und Kinako. Allerdings landet der Killer, nachdem er selbst ermordet wird, in der Hölle. Und trifft dort u.a. auf den berüchtigten Jack the Ripper.

Der Comedy-Manga Hot Pens (Tokyopop) des Kreativtrios Misaki Mori, Rin Murakami und Tsukako Akina spielt in der Welt der Mangaka. Ein junger Mann geht bei einer erfahrenen Zeichnerin in die Lehre und muss sich dabei an deren Spezialität herantrauen: Die Darstellung aufreizender Frauen. [Leseprobe]

Die Serie In/Spectre (Tokyopop) von Kyo Shirodaira und Chasiba Katase dreht sich um ein Mädchen, das einst von Geistern entführt wurde und sich bereit erklärte, für sie als Göttin zu fungieren. Dafür musste sie allerdings ein Auge und ein Bein opfern. Als sie sich später in einen Jungen verliebt, fürchten sich die Geister vor diesem und es gilt nun, herauszufinden, was dahintersteckt. [Leseprobe]

In Kyoko Kumagais Serie Chocolate Vampire (Tokyopop) werden Schulen von Menschen und Vampiren gleichermaßen besucht. Auch das Mädchen Chiyo und der Blutsauger Setsu treffen dort aufeinander. Außerdem verbindet sie ein aus ihrer Kindheit stammender Pakt, der sie nicht ganz freiwillig aneinderkettet. [Leseprobe]

Die dreibändige Reihe Rock – The Clockwork World (Carlsen Manga) von Hidekazu Gomi ist ein Fantasymanga, der in einer Stadt spielt, welche zwar in einem Land der Spielzeuge liegt, in der Spielzeuge jedoch verboten sind. Und Rock, der Held der Geschichte, scheint selbst kein echter Mensch zu sein … [Leseprobe]

Erfolgsserien gebieren gerne mal Spin-Off-Produkte; so auch die langlebige Shonen-Serie Fairy Tail. Ein Sonderband von Carlsen Manga erzählt ein Tale of Fairy Tail – Ice Trail. Der Manga von Yusuke Shirato nach einer Story von Serienschöpfer Hiro Mashima enthält die Origin-Story des Eismagiers Gray Fullbuster, einer der Hauptfiguren von Fairy Tail.

Auch zur romantischen Zeitreise-Serie Miyako – Auf den Schwingen der Zeit gibt es Zusatzmaterial: Die Satellite Stories von Kyoko Kumagai enthalten verschiedene Kurzgeschichten zu der bereits abgeschlossenen Reihe. Die Erstauflage von Tokyopop kommt als „Limited Edition“ mit mehreren Extras im Schuber.

Neuen Boys-Love-Lesestoff gibt es mit Tokyopops Hinata-kun von Lily Umiyuki [Leseprobe], Carlsen Mangas Let me take Responsibility! von Kyoko Aiba und den Bänden Du willst es doch auch! von Aya Sakyom, Love Drops von Kakine und Royal Tailor von Scarlet Beriko (alle drei bei Egmont Manga erschienen).

Ebenfalls bei Egmont startete außerdem Saki Aikawas Romance-Reihe Wenn das Liebe ist.

SEKUNDÄRLITERATUR

Ausgabe 67 der Zeitschrift Reddition widmet sich einem der großen Superhelden, nämlich Batman. In 17 Beiträgen werden vor allem Autoren und Zeichner vorgestellt, die mit ihren Interpretationen den „Dunklen Ritter“ im Lauf seiner über 75-jährigen Veröffentlichungsgeschichte geprägt haben. [Leseprobe]

Der Band Asterix – Unbeugsame Lateinzitate (Egmont Comic Collection) sammelt 70 Stellen aus Asterix-Comics, in denen die Protagonisten lateinische Sätze oder Sprichworte zum Besten geben. Der Autor Bernard-Pierre Molin erklärt jeweils deren Herkunft und Hintergrund.

Bei Carlsen Manga gibt es einen Begleitband zu einer erfolgreichen Mangareihe: Das Assassination Classroom Character Book stellt das Figurenensemble von Yusei Matsuis Serie vor und enthält bislang unveröffentlichte Farbseiten sowie zwei neue Kurzgeschichten.