Alle Artikel mit dem Schlagwort: Historiencomic

Leonardo & Salaï

Wie prägend das italienische Universalgenie Leonardo da Vinci für die europäische Kultur war und ist, beweist schon allein die Tatsache, dass ein Großteil der Deutschen das Abbild eines seiner Werke ständig mit sich herumträgt: Da Vincis Studie des menschlichen Körperbaus, auch unter dem Namen „Der vitruvianische Mensch“ bekannt, ziert nämlich alle Gesundheitskarten der gesetzlichen Krankenkassen. (Wobei die Genitalien züchtig vom elektronischen Chip verdeckt werden.) Aber bekanntermaßen trieb den in Florenz geborenen Freigeist nicht nur die Anatomie um, sondern auch die Malerei, Bildhauerei, Architektur, Mechanik, Technik, verschiedene Naturwissenschaften sowie Moral- und Naturphilosophie – und er brillierte auch noch in all diesen Disziplinen und schuf wegweisende Gemälde wie die Mona Lisa und Das Abendmahl, vielfache visionäre Bau- und Konstruktionspläne, Illustrationen, Studien, wissenschaftliche Arbeiten und kartografische Werke.

Die Diebe von Karthago

149 bis 146 v. Chr. tobte der Dritte (und letzte) Punische Krieg zwischen dem antiken Stadtstaat Karthago und dem römischen Reich. Über drei Jahre hinweg belagerten die römischen Legionen die Mauern von Karthago, bevor die Stadt endgültig ihrem Untergang entgegensah. Szenarist Appollo stammt selbst aus dieser Region, dem heutigen Tunesien. Er platziert in jene Kriegswirren die beiden tollpatschigen Söldner Herodamus, ein Gallier, und Berkan, ein Numide. Durch eine zufällige Begegnung mit einer gerissenen und gleichsam hübschen Dame wird das Duo Teil eines spektakulären Raubzuges.

Troja 1 – Das Volk des Meeres

Man könnte versucht sein anzunehmen, dass die neue Serie Troja ein Historiencomic ist, der den trojanischen Krieg behandelt. Also ein Comic, der sich an historische Fakten hält und in diese seine fiktionalen Elemente einbettet, oder eben nur ein historisches Ambiente als Hintergrund für eine komplett fiktive Geschichte nutzt. Da allerdings begibt man sich schon aufs geschichtliche Glatteis, denn abgesehen von der Ilias des Homer gibt es kaum schriftliche Quellen über den trojanischen Krieg und als Faktengrundlage ist das Werk von Homer auch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich spielen in der antiken Erzählung auch die Götter höchstselbst ihre Rollen, Homer hat also die Gattung des historischen Berichts verlassen und die Ebene des Romans betreten.

Die Heimatlosen

Am 1. April 1939 endete ganz offiziell der spanische Bürgerkrieg. Die Truppen des faschistischen Generals Franco konnten über ihre Gegner triumphieren und die republikanischen Soldaten zogen sich zurück. Doch wohin konnten sie gehen? Zwar gab es internationale Brigaden, die aus ausländischen Freiwilligen bestanden, die für ihre Ideologie, meist den Kommunismus, und gegen den Faschismus allgemein kämpfen wollten. Diese hatten meistens einen Ort, an den sie zurückkehren konnten. In der Geschichtsschreibung endet das Kapitel meist an diesem Punkt, vor allem da fünf Monate später der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begann und andere Konflikte in dessen Schatten gerieten. Doch was geschah eigentlich mit den Bürgerkriegsteilnehmern, die nirgendwo hin konnten, da ihre Heimat der Kriegsschauplatz war und sie nun Repressalien der Sieger befürchten mussten?

Manara Werkausgabe 15: Borgia

Manara zeichnet X-Men, Manara zeichnet Marvel-Cover, Manara zeichnet exklusiv eine Sandman-Episode für Neil Gaiman – irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass Milo Manara in den letzten Jahren gerne vom Mainstream vereinnahmt wird und zu einer Art Vorzeigekünstler für seichte Soft-Erotik mutiert bzw. – im Fall von Gaiman – zum europäischen Ästheten par excellence stilisiert wird, idealisiertes Europabild inklusive. Dabei ist bei Manara die Ästhetik stets nur Beiwerk, ist er doch in erster Linie ein rüder Pornograph, dem das üble Machwerk Click viel näher ist als das dünne X-Men-Büchlein mit dem Titel Frauen auf der Flucht – kaum auszudenken, was Manara mit den X-Girls wohl angestellt hätte, hätte Chris Claremont nicht sein waches Auge  auf die Finger seines Wunschzeichners für hübsche junge Frauen gerichtet.

Richard Löwenherz

Die Grafik von Richard Löwenherz dürfte nach dem ersten Durchblättern beim ein oder anderen unweigerlich Assoziationen zu bekannten Disney-Figuren aufkommen lassen. Stellenweise wird der Band dieser Erwartung sogar gerecht. Tatsächlich verbergen sich unter dem Deckmantel dieser funny-artigen Oberfläche mit den überzeichneten, vermenschlichten Tierwesen aber noch weitere Elemente, die es schwer machen, den Comic stilistisch einzuordnen.