Autor: Christian Muschweck

Stehaufmännchen

Ralf König schafft es immer dann, mich ganz besonders zu berühren, wenn er unseren Blick für die großen, kosmischen Zusammenhänge öffnet. So zum Beispiel in Super Paradise, wenn der gutmütige Herbert dem mit HIV infizierten Paul seine Dia-Sammlung mit Bildern aus dem Weltall zeigt: „Die Energie, die da oben neue Sonnen entstehen lässt, ist dieselbe, mit der wir hier atmen, rumlaufen, denken und vögeln. […] Dann weiß ich, es gibt einen größeren Zusammenhang. Einen höheren Sinn. Und wir gehören dazu. Wir sind sogar mittendrin.“ Wissen tröstet.

Die Comics von Jean-Michel Charlier – Teil 2: Totentanz

Im ersten Teil unseres Zweiteilers über die Comics von Jean-Michel Charlier wurden bereits so manche charakteristische Gemeinsamkeiten vorgestellt, die in der über vierzig Jahre währenden Karriere des Autors immer wieder auftraten. Teil 2 setzt diese Untersuchung fort. Zunächst wird der Schwerpunkt auf charakteristische Frauenfiguren gelenkt. Im abschließenden Kapitel mit dem programmatischen Titel „Totentanz“ geht es dann um nihilistische Tendenzen in Charliers Gesamtwerk. Sicher könnte man auch ein anderes Motto für Charliers Comics heranziehen, doch ist dies meines Erachtens schon ausreichend in der Reddition-Schwerpunktausgabe zu Charlier von 2003 geschehen. Mir geht es um das destruktive, latent menschenfeindliche, angesichts dessen, welche Verheerungen in Kauf genommen werden, fast lebensfeindliche Element, das in Charliers Werk immer wieder durchscheint.