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Währenddessen … (KW 32)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Daniel: Im Urlaub zu zweit lässt man den Partner entweder in Ruhe oder man spielt Solospiele. Oder man leiht sich von Freunden Fugitive aus. Dieses 2-Spieler-Spiel von Tim Fowers dauert etwa 10-15 Minuten und ist eine wirklich willkommene Ablenkung nach Stunden in der Hängematte. Wie der Titel schon andeutet, geht es um eine Flucht. Das klassische Spiel: Einer gibt den Verbrecher, der andere den Ermittler. Im Gegensatz zu Scotland Yard wird hier nur linear mithilfe von Spielkarten geflüchtet, was die Sache aber nicht minder spannend macht. Von 01 bis 42 sind die Karten wunderschön illustriert von Ryan Goldsberry. Wie schnell und wie weit ihn seine Füße tragen, weiß nur der Flüchtende. Sein Gegenüber jedoch kann überlegen, welche Schritte der Fliehende gehen kann und welche nicht. Bei der Flucht darf gesprintet und geblufft werden.

Und wenn man nach ein paar Partien die Nase voll vom Fliehen hat, werden die Rollen einfach getauscht.

Am 23. Juli wurde das Spiel des Jahres 2018 ausgezeichnet. Bevor die Auszeichnung vergeben wurde, habe ich für die SZ Jury-Mitglied Bernhard Löhlein interviewt. Ich wollte wissen, wie viele Spiele er im letzten Jahr gespielt hat, was seine Frau dazu sagt und wie man Freude am Spiel überhaupt bewerten kann.

Ich selbst wusste natürlich gleich, dass Azul gewinnen würde, deshalb habe ich es meiner Familie schon zu Weihnachten geschenkt und mehrmals gespielt.

Christian: Es ist mehr oder weniger anerkannt, dass der klassische amerikanische Western bis in die 60er Jahre hinein eine Art amerikanischer Heimatfilm war. Was aber war dann der ab den 60ern auftretende „Western all’italiana“, außer dass er ein kommerzielles Erfolgsrezept war mit dem einen oder anderen künstlerischen Achtungserfolg? Michael Striss hat in seinem Buch Gnade spricht Gott – Amen mein Colt das Genre des Italo-Western theologisch gedeutet und präsentiert uns einige interessante Einsichten.

So erfahren wir, dass der klassische amerikanische Western von einem pragmatischen Christentum geprägt ist, mit dem sich die Verheißung eines neuen Jerusalem im Westen nachvollziehen lässt. Hier spiegelt sich die Lehre der sogenannten doppelten Prädestination, die dem Calvinismus entstammt: Der Weg guter Menschen ins Paradies ist damit von vorneherein festgelegt, doch ist es deren Aufgabe, sich „durch Fleiß, Askese, Tugendhaftigkeit und ein moralisch einwandfreies Leben Gewissheit darüber zu verschaffen, ob er zu den von Gott erwählten gehört“. Damit erklärt sich auch die strenge Unterteilung von Gut und Böse in vielen dieser Filme.

Auch der italienische Western hat eine christliche Prägung, aber sie ist völlig anderer Natur: Der Italo-Western spiegelt das Menschenbild der Bibel wider, welches laut Striss nüchtern und desillusionierend, gleichwohl aber realistisch ist. Im Italo-Western steht der fehlerhafte Mensch nach dem Sündenfall im Zentrum, der den Überlebenskampf innerhalb der gefallenen Schöpfung ausficht, jedoch nicht in der Lage ist, sich selbst zu erlösen, auch wenn er es stets aufs Neue versucht. Nur die Gnade Gottes kann Rettung bieten. (In den Filmen warten wir jedoch zumeist vergeblich darauf.) Erwähnt werden sollte auch, dass die Institution Kirche im Italo-Western deutlich schlechter abschneidet als im amerikanischen Ur-Western, da auch die Kirche von menschlicher Fehlbarkeit durchsetzt und korrumpiert ist.

Spannende theologische Gedanken. Mit der Zeit wird Michael Striss zwar etwas repetitiv, aber das ist auch seiner Gründlichkeit geschuldet. So zählt er für jede Beobachtung zig Filmbeispiele auf, die sich oft bis ins Detail ähneln, so dass nach einiger Zeit Querlesen angeraten ist. Auch teile ich nicht die Denkweise von Striss, wenn er beispielsweise die Bedeutung der christlichen Symbole als notwendig für den Zusammenhalt der Gesellschaft sieht. Recht gebe ich ihm allerdings, wenn er behauptet, dass es gewinnbringend ist, biblische Symbole und Zusammenhänge zu kennen und zu erkennen.

Sehr schön auch Michael Striss‘ Favoritenliste, die sich zwar in vielen Punkten nicht mit meinen Favoriten deckt, aber trotzdem als Anregung für viele bereichernde Filmabende dienen kann.

Niklas: Langsam aber sicher, nähert sich auch mein Studium dem Ende (hoffe ich zumindest). Es hat länger gedauert als geplant und manchmal frage ich mich, ob ich nicht alles hätte beschleunigen können, wenn Studieren mehr Spaß gemacht hätte. Oder praktischer. Schlösser zu knacken, wie in Hero-U: Rogue to Redemption, wäre bestimmt nützlich gewesen, wenn ich mal wieder eine Hausarbeit schnellstmöglich abgeben musste.

Hero-U, ist der spirituelle Nachfolger der Quest for Glory – Reihe, eine Serie von Hybriden aus Adventure und Rollenspiel. Das Spiel wurde 2012 mittels Crowdfunding finanziert und vor einem Monat veröffentlicht. Wir spielen Shawn O’Connor, einen jungen Delinquenten, der von einem unbekannten Gönner zur Universität der Helden gebracht wird, um dort zum heldenhaften Schurken gemacht zu werden. Wird Shawn das Schuljahr überstehen? Welche Abenteuer erwarten ihn dort? Kann er das Herz der süßen Mädchen (oder Jungs) gewinnen? Und was hat das alles mit der Geschichte seiner Familie zu tun?

Hero-U erzählt eine charmante Geschichte über das Erwachsenwerden und gleich zu Beginn fallen die hochwertigen Texte auf, die mit vielen Wortspielen gewürzt sind. Der Ton der Handlung ist ausgesprochen optimistisch und menschenfreundlich. Nach den düsteren Spielen der letzten Jahre, ist es erfrischend in eine Welt abzutauchen, in der Gutes zu tun sich verdammt gut anfühlt.

Die Handlung dreht sich größtenteils um den Alltag als Dieb, äh, Schurke: Schlösser knacken und Schleichen. Kämpfen lernen sollte ich aber auch. Und Fallen zu deaktivieren ist auch praktisch. Klettern gehört auch dazu. Die richtige Lektüre erweitert mein Wissen und Fallen helfen gegen bösartige Kreaturen, aber die kosten alle Geld und Geld verdienen kann ich nur außerhalb der Seminare. Irgendwann muss ich auch für Klausuren lernen. Dann sind da noch die Geheimnisse unter der Universität. Es gibt also viel zu tun und all diese Faktoren unter einem Hut zu bringen, ist die eigentliche Herausforderung von Hero-U (fast so, als würde man noch mal zur Uni gehen). Der Spieler hat nur begrenzt Zeit und wird vom Klang der Esssensglocke (die selbst in den tiefsten Katakomben wiederhallt … mysteriös) und dem Beginn der Ausgangssperre (über die ich mich aber hinwegsetzen kann, hehe) begrenzt. Ein müder und hungriger Shawn, ist außerdem anfälliger gegen die Attacken miesmutiger Monster. Gut zu planen ist also wichtig und wird belohnt.

Das Spiel motiviert durch den Abwechslungsreichtum seiner Aufgaben und dem schönen Gefühl etwas richtig gemacht zu haben, wenn man das Korsett des Lehrplans sprengt und sich wirklich anstrengt, Freunden und Fremden gleichermaßen zu helfen und ein echter Held zu sein. Das fühlt sich einfach gut an.

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.

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