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Währenddessen… (KW 3)

In Währenddessen erzählt uns Thomas Kögel diese Woche von einer Milton Caniff-Ausstellung in Venedig, die aus Pandemie-Gründen ins World Wide Web verlagert wurde.

Thomas: Im italienischen Städtchen Pordenone, unweit von Venedig, gibt es seit 2018 eine Kultureinrichtung namens Palazzo Arti Fumetto Friuli, abgekürzt PAFF! Man könnte es auch ein Comicmuseum nennen, das PAFF! versteht sich aber ausdrücklich als Nicht-Museum, vielmehr als Kulturstätte mit einem viel breiteren Spektrum. Dazu gehören aber auch klassische Ausstellungen, so wie jene, die noch bis zum 24.1. unter dem Titel Masters of Black & White: Milton Caniff läuft.

Milton Caniff wurde als Zeichner der Zeitungsstrip-Serie Terry and the Pirates berühmt, die er von 1934 bis 1946 betreute. Danach wechselte er zur verlegerischen Konkurrenz und schuf dort die Reihe Steve Canyon. Beides sind realistisch gezeichnete Abenteuerserien, vor allem Terry and the Pirates gehört zu den wichtigsten Meilensteinen seines Genres – nicht zuletzt wegen Caniffs einflussreichem, besonderen Zeichenstil. Er verlieh seinen Bildern durch starke Schwarz-Weiß-Kontraste einen sehr plastischen, räumlichen Eindruck. Dazu benutzte er unterschiedlich dicke Pinselstriche anstatt einer dünnen Tuschefeder. In der Ausstellung sind einige eindrucksvolle Beispiele dafür zu sehen, insgesamt rund 60 Tagesstrips und Sonntagsseiten.

Nun haben wir ja bekanntlich gerade Pandemie, weder darf man nach Italien noch darf ein Museum Besucher einlassen. Das stellt sich aber in diesem Fall als großes Glück heraus, denn das PAFF! hat aus seiner Schau eine sehr vorbildliche Online-Ausstellung gemacht, die man sich bequem am PC ansehen kann. Wer sich auf der Website registriert und 4 Euro Eintritt bezahlt, erhält vom freundlichen Herrn am virtuellen Schalter ein virtuelles Ticket und darf sich dreidimensional durch den virtuellen Saal klicken.

Das ist wirklich gut gemacht und funktioniert technisch problemlos, vor allem aber hat man sich wirklich Mühe gegeben, die Exponate in guter Qualität digital anzubieten. Sämtliche Originale, die man normalerweise an der Wand oder in Vitrinen bewundern würde, wurden in hoher Auflösung digitalisiert bzw. fotografiert, die Besucher*in kann sehr weit in die Bilder hineinzoomen und so wirklich nah „rangehen“. Neben Comic-Originalen gibt es auch diverse multimediale Materialien, z.B. Filmausschnitte oder zeitgenössische Musik. Das sind zwar meist „nur“ eingebettete YouTube-Videos, aber sie sind sorgfältig ausgewählt und eine schöne Ergänzung zum Comic-Material. Alle Texte werden sowohl auf Italienisch als auch auf Englisch angeboten. Alles zusammen bietet einen guten Überblick über Leben und Werk Caniffs, auch seine exklusiv fürs US-Militär gezeichneten Comics werden thematisiert. Manche Texte hätten gerne noch ausführlicher sein dürfen, ab und zu verlinkt man der Einfachheit halber auf die Wikipedia, aber das schmälert den sehr positiven Gesamteindruck nicht.

Eine gute Woche lang hat man noch Zeit, sich einzuloggen. Wer sich für die Geschichte des Zeitungs- bzw. des Abenteuercomics interessiert, sollte es unbedingt tun, der Eintrittspreis ist im Verhältnis zum Inhalt eigentlich sensationell billig. Neben den sehenswerten Exponaten bekommt man hier auch ein wirklich vorbildliches Beispiel dafür, wie es gelingen kann, eine klassische Ausstellung in ein Web-Format zu übertragen. Was mit etwas Glück ja auch dazu führen kann, dass letztlich viel mehr Leute die Ausstellung besuchen können, da sie ja nun weltweit verfügbar ist. Bei all dem Scheiß, denn uns das Virus so bringt, ist das doch wirklich mal ein erfreulicher Aspekt. Letztes Wochenende startete das PAFF! dann auch noch eine zweite, noch umfangreichere Online-Ausstellung: Masters of MARVEL & DC – auch die macht einen vielversprechenden Eindruck.

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