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Frisch aus der Druckerei: Februar 2017

Der Februar war ein ziemlich normaler Monat auf dem deutschen Comicmarkt: Es erscheinen weitere Literaturadaptionen, bei den Superhelden ist mal wieder Relaunch angesagt, Nostalgiker werden mit reichlich Material aus Frankreich bedient und dazu gibt’s kleine Preziosen aus dem Indie-Bereich. Hier unser Überblick über die neuen Einzelbände und Serienstarts im vergangenen Monat:

HIGHLIGHT DES MONATS

Jetzt ist auch in Deutschland der offizielle Startschuss für „DC Rebirth“ gefallen, ein Relaunch, der inhaltlich einiges durchschütteln wird und praktisch alle Serien mit neuen Nummer-1-Ausgaben ausstattet. Die Initialzündung für die Wiedergeburt des DC-Universums liefert das 84 Seiten dicke Heft DC Rebirth Special. Darin stellt Chef-Architekt Geoff Johns zusammen mit einigen namhaften Zeichnerkollegen (Ethan van Sciver, Ivan Reis, Gary Frank, Phil Jimenez) die Weichen für die Neuordnung der Superhelden und für kommende Storylines. Das gesamte Projekt „Rebirth“ zielt vor allen Dingen auch darauf ab, das aktuelle Comicgeschehen mit den Figuren aus der Prä-New 52-Ära zu synchronisieren, um sich so auf die lange Tradition und den Kern der Helden zu besinnen. [Leseprobe]

EIGENPRODUKTIONEN

Fable Clash! ist ein Einzelband im Mangastil von Reyhan Yildirim (Tylsim). Es geht um einen jungen Kampfkunstschüler, der besessen von dem Traum ist, eines Tages echte Drachen kennenzulernen. Vor zwei Jahren schon einmal im Selbstverlag veröffentlicht, gibt es nun eine Neuauflage bei Pyramond, die um ein paar Bonus-Strips ergänzt wurde. [Leseprobe]

Die Novelle Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Jahr 1842 dürfte vielen als Lektüre aus dem Deutschunterricht bekannt sein. Sie handelt von einem unaufgeklärten Mord in einem Dorf und wie dessen Bewohner damit umgehen. Bei Knesebeck gibt es nun eine Comicversion, adaptiert vom Kreativteam Julian Voloj und Claudia Ahlering, die zuvor schon gemeinsam den Comic Ghetto Brother gemacht haben. [Leseprobe]

Der Berliner Jaja Verlag hat im Februar gleich einen ganzen Schwung an Neuheiten herausgehauen – größtenteils Debüts von jungen Talenten: In Nichts ist doch schon etwas präsentiert Hanna Gressnich, die in Saarbrücken lebt, minimalistisch gezeichnete Episoden um die Studentin Karo und ihren sprechenden Vogel Pik, die sich unter anderem auf eine Reise nach Thailand begeben. [Leseprobe]

Mit Wie nennen wir uns? leistet der Kölner Markus Köninger seinen Beitrag zum unerschöpflichen Themenkosmos „Comics und Musik“. Der schwarz-weiße Comic erzählt von einer Band, die noch keinen Namen hat, aber immerhin die Ambition, an einem Bandwettbewerb teilzunehmen. [Leseprobe]

Auch  Valentin Krayl ist eine Art Debütant, kann aber von sich behaupten, schon einen Max-und-Moritz-Preis gewonnen zu haben – nämlich als Teil der Münsteraner Anthologie Wunderfitz, die 2016 in Erlangen als beste studentische Publikation ausgezeichnet wurde. In Weltenbummler erzählt er in einem hübsch krakeligen Stil kleine Geschichten, die sich im weitesten Sinne ums Reisen drehen.

Die Wahlhamburgerin Tanja Esch hat 2015 ihre Illustrations-Abschlussarbeit supercool bei Jaja veröffentlicht, in der es um Grundschulkinder (gleichzeitig Hauptzielgruppe des Comics) ging. Nun legt sie mit einer Art Sequel nach: Die Hauptfigur von supercool ist inzwischen eine erwachsene Frau, die sich mit allerlei Beziehungen herumschlägt. du kannst natürlich heute noch hier schlafen heißt das Bändchen. [Leseprobe]

Noch im alten Jahr erschien beim Mückenschwein Verlag der Comic Schläfer im Sand, eine Koproduktion des Rostocker Zeichners Andreas Hedrich und des Ethnologen Sebastian Pampuch, und Andrea Illig. Darin treffen in Spanien ganz verschiedene Arten von Flüchtlingen aufeinander, die aus sehr unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen haben. [Impressionen]

Fanzine-Urgestein Andreas Alt, der jahrelang Plop! gemacht hat, versucht sich nach längerer Pause an einem neuen Projekt: Es heißt Daphne erstarrt und ist eine autobiografische Geschichte, die am Ende gut 100 Seiten lang werden soll. Sie wird aber vorab als Fortsetzungscomic in Magazinform veröffentlicht, ergänzt um den Funnycomic Die Abenteuer von Inspektor Piek und Exit von Herod. Kombiniert werden diese zwei stilistisch sehr unterschiedlichen Comics unter dem Hefttitel Zwei drehen nochmal auf, bestellbar direkt beim Macher. Wer den Charme der alten, handgetackerten Fanzines vermisst, ist hier goldrichtig. Mehr dazu im Comiczeichenkurs-Forum.

Neue Cartoons von Nicolas Mahler gibt es bei der Edition Moderne in dem Band In Zukunft werden wir alle alt aussehen!, diesmal rund um das Oberthema Alter. [Leseprobe]

EUROPÄISCH

Hamid Sulaiman, geboren in Damaskus, ist 2011 aus Syrien geflohen und lebt seitdem in Frankreich. In seinem Schwarz-Weiß-Comic Freedom Hospital (Hanser Berlin) arbeitet er nun das ganze Leid des Bürgerkrieges in seiner Heimat grafisch auf. Im Zentrum der Erzählung, die eine Vielzahl unterschiedlichster Akteure einschließt, steht ausgerechnet die Hoffnung. Denn inmitten von Tod und Zerstörung betreibt eine idealistische Ärztin ein geheimes Krankenhaus, in welchem sie Rebellen versorgt. [Leseprobe]

Der inzwischen 88 Jahre alte Alexandro Jodorowsky hat zwar Comicklassiker wie den Inkal (mit-)erfunden, noch bekannter ist er aber als Filmemacher, vor allem durch seinen esoterisch-surrealen Westerntrip El Topo von 1970. Zu diesem schlägt er nun einen erzählerischen Bogen in der Comicreihe Die Söhne von El Topo, die Panini nach Deutschland bringt. Der Film findet damit als Comic die Fortsetzung, die er im Kino nie bekam. Die Zeichnungen kommen vom Mexikaner Ladrönn (Elephantmen). [franz. Leseprobe]

Der Verlag Erko erweitert sein Portfolio um einen einen weiteren Titel aus der belgischen Kreativschmiede von Hermann und Yves H: Duke: Blut und Asche ist ein klassischer Westerncomic, in welchem ein ein honoriger Sheriff ein Goldgräberstädchen von einem üblen Ganoven befreien möchte. [franz. Leseprobe]

Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und des Wettlaufs zum Mond erzählen Autor Toldac (Die Bogros, Spirou und Fantasio) und Zeichner Philan die Geschichte eines deutschen Ingenieurs, der sich 1943 dem Widerstand anschließt. Später soll dieser, wie viele Wissenschaftler nach Kriegsende, für die USA arbeiten und dort die Raketenforschung vorantreiben. Die Albenreihe Gefährliches Spiel, von der in Frankreich bislang zwei Ausgaben vorliegen, erscheint bei Panini. [franz. Leseprobe]

Samurai ist ein fernöstliches Epos, das den Weg eines Ronin im feudalen Japan verfolgt. Die Reihe, die von Jean-François Di Giorgios geschrieben und von  Frédéric Genêt gezeichnet wird, lief in Deutschland bis 2014 beim inzwischen nicht mehr existierenden Verlag Kult Editionen. Der Splitter-Verlag setzt diese nun nahtlos mit dem neunten Album fort. Bereits im Februar startete darüber hinaus eine Gesamtausgabe von Samurai. Deren erste Ausgabe enthält noch einmal die ersten drei Alben der Reihe. [Leseprobe]

Und gleich noch eine Reihe von Autor Di Giorgios hat Splitter im Köcher: Wie Samurai spielt auch Senseï vor vergangener, asiatischer Kulisse. Diesmal ist die zentrale Figur ein weiblicher Ronin, der im kaiserlichen China einer Intrige auf der Spur ist. Di Giorgios erneuter Ausflug in die fernöstliche Kultur wird vom französischen Zeichner Vax (Yiu, Die Legende der Drachenritter) grafisch umgesetzt. [Leseprobe]

Auf drei Ausgaben hat es die Sci-Fi-Serie Nash, die sich rund um einen Kopfgeldjäger dreht, der selbst zum Gejagten wird, in Deutschland gebracht. Die insgesamt zehnbändige Reihe, in Frankreich zwischen 1997 und 2007 erschienen, wurde beim alten Splitter-Verlag damals nicht mehr fortgeführt. Bei Finix Comics startet nun eine Nash Gesamtausgabe, bei der die gesamte Geschichte in fünf Doppelbänden erstmals in kompletter Form abgedruckt wird. Nash stammt vom französischen Kreativteam Jean-Pierre Pécau (Tag X) und Damour. [Leseprobe]

Im mittelalterlichen Reich Galkiddek (Splitter-Verlag) verliert Graf Galohan während des Krieges seine Gemahlin. Gemeinsam mit einem Magier fasst er einen unglaublichen Entschluss: Seine Angebetete soll dem Totenreich entsteigen. Die Texte stammen von Frank Giroud, den man von Serien wie Zehn Gebote oder Quintett kennt, für die Zeichnungen sorgt Paolo Grella, dessen malerische Bilder man bereits in dem Band Das verbotene Manuskript sehen konnte. [Leseprobe]

Elya (Bunte Dimensionen) ist der Name eines grafisch äußerst ansprechenden Fantasy-Comics. Die Albenreihe von wird geschrieben von Nicolas Jarry (Götterdämmerung, Die Saga der Zwerge) und beinhaltet von Druiden über Baumwesen bis zu rivalisierenden, im Wald lebenden Stämmen so ziemlich alles, was das Herz eines Fantasylesers begehrt. Für Elya arbeit Jarry mit dem italienischen Zeichner Gianuca Maconi zusammen, mit dem er bereits für die Konzeptreihe Elfen kollaboriert hat. [Leseprobe]

Einen Sachcomic zur Quantenphysik hat Knesebeck ins Programm genommen: Physikprofessor Thibault Damour und Zeichner Mathieu Burniat führen in Comicform in Das Geheimnis der Quantenwelt ein. Ein komplexes, nicht gerade leicht verständliches Thema, dem Veranschaulichung sicher gut tut. [Leseprobe]

Emmanuel Guibert (Der Fotograf, Ariol) erzählt mit dem Band Martha & Alan: Die Geschichte einer Jugendliebe (Edition Moderne) ein weiteres Kapitel aus dem Leben seines amerikanischen Freundes Alan Cope. In dem Comic Alans Krieg dokumentierte der französische Künstler bereits Copes Einsatz als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg. In Alans Kindheit schilderte er das Heranwachsen seines Freundes in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Jetzt folgt also das dritte Kapitel rund um die Jugendliebe Alan Copes, von der Guibert erneut aus erster Hand erfahren und die er nun zu einer gezeichneten Biografie verarbeitet hat. [Leseprobe]

Die französisch-belgische Koproduktion Martin Eden (Knesebeck) von Aude Samama und Denis Lapière ist eine werktreue Comicadaption des in Teilen autobiografischen Romans des US-Amerikaners Jack London. Das Original entstand vor über 100 Jahren und erzählt von einem jungen Matrosen, der sich weiterbildet und in der Schriftstellerei versucht, allein um einer Dame zu imponieren. Die Comicversion dieser Tragödie setzt auf wuchtige Pinselstriche. [Leseprobe]

Die Britin Jacky Fleming ist Illustratorin und Cartoonistin, ihr Buch Das Problem mit den Frauen (KiWi) ist auch kein klassischer Comic, sondern eher illustrierter Text, der formal an Cartoons erinnert, aber fortlaufend erzählt. Und zwar davon, wie und warum Frauen in der Geschichtsschreibung marginalisiert werden: Früher nämlich, schreibt Fleming, gab es „nur Männer und ziemlich viele waren Genies. Dann gab es doch ein paar Frauen, aber sie hatten sehr kleine Köpfe, weswegen sie zu nichts nütze waren, außer zu Handarbeit und Krocket.“ Ein Buch voll mit sarkastischem Feminismus also, bestimmt nicht nur für Frauen ein Vergnügen! [Leseprobe]

Drei Bände einer Harry und Platte Gesamtausgabe liegen bei Salleck bereits vor. Nun geht es noch einmal mit einer Ausgabe 0 los, die chronologisch im Jahr 1949 beginnt, als Zeichner Will die im Magazin Spirou erscheinende Serie von seinem Vorgänger Dineur übernahm. Die Comics in diesem 370 Seiten starken Band sind zuvor noch nie auf Deutsch erschienen. [Leseprobe]

Zum bevorstehenden neuen Animationsfilm der weltbekannten blauen Waldbewohner mit den weißen Mützen gibt es auch eine brandneue Comicserie, die unter dem gleichen Titel läuft wie das Kinoabenteuer und dementsprechend, anders als die bisherige Schlümpfe-Comicreihe, stark an diese Filmwelt anknüpft. Die Schlümpfe & das verlorene Dorf (Toonfish) setzt außerdem auf eine etwas andere, glattere Funnyoptik, als man dies bislang als Comicleser gewohnt war. [Leseprobe]

Neues von José Fonollosa: Der spanische Zeichner hat sich darauf spezialisiert, popkulturelle Phänomene zu parodieren und in Cartoonform aufzubereiten. So hat er sich mit dem Band Poké-No-Go (Panini) nun auch der virtuellen Monsterjagd auf dem Smartphone gewidmet.

AMERIKANISCH

Black Magick, eine weitere Image-Serie, die der Splitter-Verlag ins Programm genommen hat, handelt von einer jungen Frau namens Black Rowan. Die arbeitet nicht nur tagsüber als Polizistin im englischen Portsmouth, sondern ist nebenbei auch noch eine waschechte Hexe. Autor Greg Rucka (Gotham Central, Lazarus) verknüpft dabei einen kriminalistischen Plot mit übersinnlichen Elementen. Für die passende, grau-monotone Grundstimmung sorgt hierbei die australische Zeichnerin Nicola Scott (Wonder Woman, Earth 2). [Leseprobe]

In Marvels Welt der Netzschwinger tummeln sich inzwischen auch so einige weibliche Abwandlungen von Spider-Man. Im Band Spider-Women kommen diese für eine Crossover-Story zusammen, die sich in den USA durch die Serien der drei beteiligten Heldinnen (Spider-Woman, Spider-Gwen, Silk) zog. Die von Dennis Hopeless, Robbie Thompson und Jason Latour geschriebene Geschichte wird von Panini kompakt in einem Einzelband publiziert.

Zum Filmstart von Logan bringt Panini ein einmaliges Wolverine Special. Das Einzelheft beinhaltet hauptsächlich ein bislang unveröffentlichtes Annual aus der Zeit, bevor der Mutant mit den Krallen in der Comickontinuität das Zeitliche gesegnet hat. Mit dem in einer dystopischen Zukunft spielenden Kinofilm hat die Story zwar nichts zu tun, dafür spielt hier wie da auch eine Ziehtochter Logans eine Rolle. In der Erzählung von Elliot Kalan und Jonathan Marks übernimmt diesen Part allerdings nicht dessen Klon X-23, sondern die inzwischen zum Vampir gewandelte Jubilee.

Mark Waid und Chris Samnee, das Kreativteam, das bereits einen tollen Daredevil-Run vorgelegt hat, arbeitet jetzt an der neuen Serie von Black Widow. Ex-KGB-Agentin Natasha Romanova muss sich darin mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und sogar zur Feindin von S.H.I.E.L.D. werden, um zu verhindern, dass ein Erpresser ein pikantes Geheimnis aus der früheren Tätigkeit publik macht. Das Ergebnis ist ein spannender, grafisch eindringlich gestalteter Spionagethriller. Und bei dem darf sogar Iron Man mal vorbeischauen. [US-Preview]

Den Weltraumhelden Peter Quill kennt man im Marvel-Kosmos auch als den legendären Star-Lord, Anführer der Guardians of the Galaxy. In einer achtteiligen Comicserie gehen Autor Sam Humphries und Zeichner Javier Garron zu den Anfängen Quills zurück. Damals war er noch ein wenig ruhmreicher Astronaut. Die Vorgeschichte Star-Lords wird von Panini gebündelt in einem dicken Sonderband veröffentlicht. [US-Preview]

In seiner neuen Reihe findet sich Marc Spector alias Moon Knight, jener mit einem ägyptischen Gott in Verbindung stehende Antiheld, in einer psychiatrischen Anstalt wieder. Schon immer war die weiß gekleidete Figur, die zuletzt auch noch zusätzlich als detektivischer Mr. White unterwegs war, am Rande des Wahnsinns. Hat er jetzt völlig den Verstand verloren oder sich sein Zweitleben als Moon Knight in Wirklichkeit nur eingebildet? Fragen, auf die Autor Jeff Lemire (Hawkeye, Sweet Tooth), u.a. mit Zeichner Greg Smallwood, Antworten zu finden versucht. [Leseprobe]

Superman: Die letzten Tage von Superman ist ein Sonderband, der direkt zum neuen Status Quo des Stählernen innerhalb des Rebirth-Universums überführt. In den USA zog sich die Geschichte von Peter Tomasi (Batman & Robin, Green Lantern Corps) durch alle Reihen, an denen Superman beteiligt ist, also Action Comics, Superman, Batman/Superman und Superman/Wonder Woman. Panini bündelt die Story in kompakter Form als Abschluss, um im März dann parallel mit den neuen Rebirth-Titeln starten zu können. In „Die letzten Tage von Superman“ wird der New-52-Superman, den der Leser seit 2012 kennt, plötzlich mit seinem Vorgänger konfrontiert. [Leseprobe]

Eddie Pittman war viele Jahre Autor und Art Director bei diversen Disney-Projekten. Mit Reds Planet hat der US-Amerikaner außerdem einen kinderfreundlichen Webcomic gestartet, der kurze Zeit später in Printform aufgelegt und fortgesetzt wurde. Die optisch wie ein Zeichentrickfilm wirkende Geschichte handelt von einem zehnjährigen Mädchen, das von einem UFO entführt wird und dadurch die Gelegenheit erhält, ferne Planeten zu erkunden und fremden Spezies zu begegnen. Bei Popcom erscheint die Serie in deutscher Sprache. [Leseprobe]

Im Aladin Verlag, der seit 2013 Bilder- und Kinderbücher herausgibt, sind immer wieder Comickünstler vertreten, was sicher auch an der Vergangenheit von Gründer Klaus Humann als Verleger bei Carlsen liegt. Eine perfekt verhunzte Geschichte ist ein Bilderbuch mit Sprechblasen für Kinder ab 3 Jahren und stammt von Patrick McDonnell, dem Schöpfer des Zeitungsstrips Mutts. In diesem Buch spielt er mit dem Medium, indem er seinen Protagonisten dadurch irritiert, dass die Seiten von Marmelade, Erdnussbutter und ähnlichem befleckt werden. Metafiction für die Kleinsten, quasi.

ASIATISCH

Der am 11. Februar verstorbene Jirō Taniguchi war der Vorzeige-Mangaka für viele Comicleser, die sonst einen Bogen um Manga machen. Den Feuilletons haben es vor allem seine leisen, philosophisch-poetischen Werke angetan, doch Taniguchi hat auch viel in klassischen Genres gearbeitet, und längst noch nicht alle seiner Werke liegen auf Deutsch vor. Bei Schreiber & Leser ist nun der erste Teil der zweibändigen Science-Fiction-Story Ice Age Chronicle of the Earth erschienen, die 1988 entstand und damit eher zu seinen Frühwerken gehört. Er erzählt darin von einer fernen Zukunft, in der die Erde wieder von einer Eiszeit erfasst ist und die Arbeiter in einer Mine ums Überleben kämpfen müssen. [Leseprobe]

Hinter dem sperrigen Titel Gangsta.: Cursed. – EP_Marco Adriano verbirgt sich eine Spin-Off-Serie zum im kriminellen Milieu spielenden Manga Gangsta. von Kohske. Der ebenfalls bei Carlsen Manga erscheinende Ableger, bei dem Kohske künstlerisch von Kamo Syuhei unterstützt wird, spielt 15 Jahre in der Vergangenheit und erzählt von den Jugendjahren eines Mafioso.

The Ones Within (Tokyopop), eine neu gestartete Mangareihe von Osora, handelt von entführten Videospielern, die plötzlich selbst Teil ein gefährlichen Spiels in einer schrägen Fantasiewelt sind. Gemeinsam müssen die Jugendlichen ums Überleben kämpfen und den Weg in die Realität zurückfinden. [Leseprobe]

In der Welt von Plunderer – Die Sternenjäger (Panini Manga) trägt jeder Mensch einen individuellen Counter am Kopf, der auf Null herunterzählt. Wenn er dort anlangt, bedeutet das nicht nur das gesellschaftliche Aus, sondern führt auch dazu, dass die betroffene Person buchstäblich vom Erdboden verschluckt wird. Story und Zeichnungen stammen vom Japaner Suu Minazuki (Angeloid). [Leseprobe]

Becoming a Girl one day – another (Carlsen Manga) ist die Nachfolgeserie zum Manga-Zweiteiler Becoming a Girl one day der japanischen Künstlerin Akane Ogura. Die „Gender-Bender-Geschichte“, so der Verlagstext, handelt von einem Schuljungen, der sich zu einem Mädchen wandelt. [Leseprobe]

Auch in Buddy Go!, einer  Shōjo-Serie von Minori Kurosaki, die bei Tokyopop startet, wird mit Geschlechterrollen gespielt, wenn das Mächen Shizuki, eine begeisterte Tänzerin, mit Tanzvideos zum YouTube-Star wird – allerdings als Junge verkleidet. [Leseprobe]

Von Ryo Takagi sind bei Egmont Manga schon etliche Boys-Love-Einzelbände erschienen, nun kommt mit Kurokoi ein weiterer dazu.

SEKUNDÄRLITERATUR

„Bibliotheca Universalis“ nennt der Taschen Verlag seine Bildband-Reihe, die nicht aus großformatigen Coffeetable-Books besteht, sondern aus kompakten und preisgünstigen Büchern, die trotzdem ziemlich dick werden können. So wie der Band 100 Manga Artists, der auf 672 Seiten 100 MangakünstlerInnen vorstellt. Das von Julius Wiedemann herausgegebene Buch, das wohl in Teilen auf dem 2004 bei Taschen erschienenen Manga Design basiert, enthält Kurzbiografien in drei Sprachen (Deutsch/Englisch/Französisch) und zahlreiche Bildbeispiele. [Leseprobe]

Im Bachmann Verlag ist der Tagungsband zur 2014er-Konferenz der Gesellschaft für Comicforschung erschienen: In Comics an der Grenze geht es in 19 Beiträgen um „Grenzen und Grenzüberschreitungen im und durch den Comic“. [Inhaltsverzeichnis]

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Reddition beschäftigt sich diesmal mit zwei Künstlern aus dem frankobelgischen Comic, wobei einer der beiden aus Deutschland stammt: Ein Dossier dreht sich um Andreas [Martens], der mit Reihen wie Rork oder Capricorne seit Jahren in Frankreich reüssiert und unlängst auch im Heimatland eine kleine Wiederentdeckung feiern durfte; der zweite Schwerpunkt ist François Schuiten gewidmet, der zusammen mit Benoît Peeters seit über 30 Jahren in Comics von den „geheimnisvollen Städten“ erzählt.