Autor: Christian Muschweck

Chester Brown: Fegefeuer und Selbstermächtigung

Toronto, 1982: Chester Brown war Mitarbeiter in einem Fotogeschäft, der in seiner Freizeit gerne zeichnete und von einer großen Comic-Karriere träumte. Seine damalige Freundin Kris überzeugte ihn, sein Material in Form von Minicomics im Selbstverlag herauszugeben, ein mutiger Schritt, über dessen Folgen sich beide zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise klar sein konnten. Chester Brown gab seiner Reihe den Titel Yummy Fur, eine Wortkomposition aus zwei nicht zusammenhängenden Begriffen, was dem Titel eine surreale Note verleihen sollte. Kris meinte, der Titel hätte eine starke sexuelle Konnotation, worauf Chester nur meinte: „Umso besser.“ Viele seiner Comics wurden seither nachgedruckt, teilweise mehrfach, aber gerade bei Chester Browns Werk lohnt auch ein Blick auf das Material, das zurückgelassen wurde. Im folgenden Essay soll der Blick sowohl auf die bekannteren als auch auf die vergessenen Comics von Chester Brown gelenkt werden, da zwischen diesen beiden Polen eine interessante Wechselwirkung zu erkennen ist. Es wird uns einen neuen Blick auf den Menschen Chester Brown ermöglichen.

Sa Wala

Comics aus den Philippinen – das klingt nur beim ersten Hören ungewöhnlich. Für Comicfans ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie über den Umweg des US-Markts schon längst mit philippinischen Comickünstlern in Berührung gekommen sind. Die erste Welle philippinischer Künstler schwappte in den 1970ern nach Amerika und brachte Künstler wie Alfredo Alcala, Alex Niño, Nestor Redondo, Gerry Talaoc, Romeo Tanghal und Ernie Chan, man kennt sie aus Serien wie Swamp Thing, Jonah Hex, von Arbeiten für den Warren Verlag – und zumindest Alex Niño haben wir auch schon in den deutschen Gespenster-Geschichten gesehen. Warum nicht mal den Blick auf philippinische Comics werfen, die nicht durch die amerikanische Auftragslage gefiltert wurden?