Alle Artikel mit dem Schlagwort: okay (4-6 Punkte)

Rocket Raccoon 1-3

Seit dem Kinoerfolg von Guardians of the Galaxy kann es als allgemein akzeptiert gelten, dass das Marvel-Universum nicht nur von Menschen, Mutanten und Göttern bevölkert ist, sondern auch von der ein oder anderen sprechenden Tierfigur: Der Waschbär namens Rocket Raccoon wurde gemeinsam mit seinem Kumpel Groot, einer Art wandelndem Baum, zum Fanliebling und bekam 2014 seine eigene Comicserie.

Hemispheres – Corpus Separatum

Seit vier Jahren arbeiten die Potsdamer Christopher De La Garza und Sascha Grusche, zu denen später noch Simon Pape als dritter Mitstreiter stieß (siehe auch unser Bericht zur Buchpremiere), schon an Hemispheres. Anders als die meisten anderen Comic-Debütanten werkelten sie dazu nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern ließen die Öffentlichkeit schon früh an Konzeption und Erstellung ihres Werks, das teilweise über Crowdfunding finanziert wurde, teilhaben. Seit letztem Herbst ist der erste Teil der Trilogie nun endlich fertig.

Sonnenstein 1

BDSM. Bondage, Dominance & Submission, Sadism & Masochism. Ein paar Buchstaben kürzen ein, was sich in unzähligen, miefigen Hobbykellern, „Clubs“ an den Stadträndern und Schlaf- und Hotelzimmern auf der ganzen Welt abspielt: sexuelle Praktiken außerhalb der Norm. Sollte das Ausleben sexueller Fantasien ursprünglich „dekadenten“ Kreisen des Adels vorbehalten sein und waren Orgien einst besondere Events im Schatten zur Verschwiegenheit verpflichteter Geheimgesellschaften, so ist die sexuelle Perversion nun im Mainstream angekommen. Nachdem die digitale Pornografie in den vergangenen beiden Jahrzehnten einer berechenbaren und aus dem Sport abgeleiteten Sexualität der Rubbel-, Stoß- und Züngelmeisterschaft den Weg geebnet hat, womit der Erotik weitgehend das Wasser abgegraben wurde, sind es jetzt deviante Sexpraktiken, ehemals dunkel und gefährlich, denen der Zahn gezogen wird. Schmerz und Ekel sollen nicht mehr provozieren, sondern lieber kitzeln und erheitern. Womit wir bei Sonnenstein wären.

Stonehenge 1 – Erin

Bei einer neuen Comicserie mit dem simplen Titel Stonehenge könnte man eigentlich alles erwarten. Schließlich ranken sich um den berühmten Steinkreis so manche Legenden, die immer wieder auch die wissenschaftlichen Betrachtungen und Forschungen vernebeln. Manchmal wird der Mythos gegenüber der Realität und den Fakten bevorzugt. Dabei hilft es der Fantasie, dass wissenschaftlich immer noch nicht alles um die Brocken im Süden von England aufgeklärt ist. Manche versteigen sich sogar in bester Erich-von-Däniken-Manier darin, dass die Steine von Außerirdischen aufgestellt worden seien, als ob das ein interplanetarer Raumhafen gewesen sei. Liegt hier also nun ein Science-Fiction-Comic vor? Nein, da können die Leser beruhigt sein. Handelt es sich um Fantasy? Hmm, vielleicht. Jedenfalls sind im Auftaktband keine typischen Elemente des Genres wie Fabelwesen oder Magie zu entdecken. Gleichzeitig werden aber einige Weichen gestellt, welche durchaus in diese Richtung führen könnten. Gegen Ende ist jedenfalls von einem mächtigen Schwert und einem ominösen Tor die Rede. Am besten lässt sich Stonehenge ins Genre des Historiencomics einordnen.

Der Fluch der Spindel

Bei manchem potenziellen Leser stellen sich die Ohren auf und die Augen weiten sich vor Vergnügen, wenn ein neuer Band von Neil Gaiman angekündigt wird. Schließlich ist der Brite nicht nur ein erfolgreicher Autor von Romanen und Kurzgeschichten, er schuf mit Sandman auch eine der besten Comicserien aller Zeiten. Auch seine sonstigen Ausflüge in den Comicbereich sind hoch angesehen und werden teilweise geradezu kultisch verehrt. So schuf er unter anderem Die Bücher der Magie und Graphic Novels wie Signal to Noise, Mr. Punch und Violent Cases. Auch bei den Superhelden tobt er sich immer wieder mal aus und scheut sich auch nicht, mal einen Helden in Miniserien wie Black Orchid sterben zu lassen. Immer konnte man von ihm etwas Unerwartetes erwarten. In den letzten Jahren hat er sich, abgesehen von der Sandman Ouvertüre, im Comicbereich recht rar gemacht, die meisten „Gaiman-Comics“ waren Adaptionen seiner Kurzgeschichten und Romane. Auch Der Fluch der Spindel war ursprünglich eine Kurzgeschichte, die 2013 in der Antholgie Rags & Bones erschien.

Königliches Blut: Isabella – Die Wölfin von Frankreich 1

Die neue Reihe Königliches Blut besitzt einen lobenswerten konzeptuellen Ansatz, der bislang oft vernachlässigt wurde – nicht nur in Comics und anderen Medien, sondern durchaus auch in der Geschichtsschreibung selber. Das gilt besonders für gekrönte Häupter: Von wenigen Königinnen abgesehen, wie etwa Elizabeth I. von England, Kleopatra oder Maria Stuart aus Schottland, stehen die Frauen fast immer im Schatten ihrer Männer und geraten selten in den Fokus der Öffentlichkeit oder gar der Historiker. Wer kennt die Ehefrauen der römischen Cäsaren? Oder diejenige von Karl dem Großen? Man könnte höchstens noch die Gattinnen des englischen Königs Heinrich VIII. aufzählen (wenn man die Serie Die Tudors gesehen hat). Dabei traten je nach historischer Situation die Frauen immer wieder gleichbedeutend neben ihre gekrönten Gatten. Wie etwa Isabella von Spanien, die Medicis in Frankreich zu Zeiten der Hugenottenkriege, Lucrezia Borgia in Italien oder auch Maire Antoinette zu Beginn der französischen Revolution. Sie alle spielten eine besondere Rolle, doch ansonsten verschwinden die Frauen oft in den Tiefen der Historie.