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Frisch aus der Druckerei: September 2015

Der Bücherherbst hat begonnen, im Monat vor der Frankfurter Buchmesse steigt der Ausstoß an Novitäten regelmäßig deutlich an. Das gilt natürlich auch für den Comicbereich – hier kommt unser Überblick über die Neuerscheinungen des letzten Monats, wie immer mit dem Fokus auf Einzelbände und Serien-Neustarts.

HIGHLIGHT DES MONATS

gothamcentral

Mit der TV-Serie Gotham ist die Heimatstadt Batmans und die dort ansässige Polizei in den Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass Panini sich doch noch einmal an die Comicreihe Gotham Central herantraut, die es zwischen 2002 und 2006 in den USA auf 40 Hefte brachte. Mit der Fernsehserie hat diese zwar nichts zu tun, allerdings steht auch hier die Arbeit des Gotham City Police Department im Zentrum. In Gotham Central spielt der Dunkle Ritter so gut wie keine Rolle, Superschurken treten nur vereinzelt auf. Geschrieben wurde die Reihe von Ed Brubaker und Greg Rucka, zwei Krimi-Schwergewichten, Michael Lark zeichnete einen Großteil der Hefte. Der erste deutsche Sammelband ist inhaltlich identisch mit dem bereits 2004 übersetzten Band 1, bleibt zu hoffen, dass es diesmal nicht bei einer Ausgabe bleibt. Immerhin bewegt sich die Serie auf einem äußerst hohen Niveau und ist auch Nicht-Superhelden-Lesern wärmstens ans Herz zu legen.

EIGENPRODUKTIONEN

Am 1. März 2007, also vor achteinhalb Jahren, postete Tobi Dahmen den ersten Eintrag auf dem Fahrradmod-Blog, in dem er ankündigte, dass er an einem größeren autobiografischen Comic über sein Leben in und mit der Subkultur der Mods arbeitet. Dort berichtete er regelmäßig über die Fortschritte an diesem Mammutprojekt, ehe er dann im Sommer 2011 begann, die Seiten einzeln als Webcomic vorab zu veröffentlichen. Dort ist man gerade auf Seite 359, während das gedruckte Buch noch über 100 Seiten mehr hat und jetzt endlich erschienen ist. Betreut und entwickelt wurde das Buch beim Zwerchfell-Verlag, herausgebracht hat es aber nun der Big Player Carlsen, der alle beteiligten mit an Bord genommen hat und so ein schönes Beispiel für gelungene Kooperationen in der deutschen Comiclandschaft liefert. [Leseprobe]

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Fast zeitgleich zu Flix’ Sammelband seiner Strips aus der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel präsentiert auch Mawil ein Kompendium seiner Tagesspiegel-Werke. Mawil – The Singles Collection (Reprodukt) ist ein Band voller Onepager (ein paar davon sogar bislang unveröffentlicht), der in LP-Größe erscheint. Die Comics handeln von den alltäglichen Problemen der Menschen (und von Hasen), die Mawil gekonnt und mit guter Beobachtungsgabe zu Papier bringt. [Leseprobe]

Bei den Themen Erotik, Sex und Pornografie war Ralf König ja nie zimperlich. Für sein neues Buch Porn Story (Rowohlt) seziert er den Werdegang eines notorischen Pornofans. Und das, auch wenn der Humor selbstredend nicht zu kurz kommt, mit durchaus ernstem Ansinnen. Achja, und Nicolas Mahler streut dabei noch “sozialethisch desorientierende Abbildungen” ein. Comicgate-Redakteur Christian Muschweck hat des Königs neues Werk jedenfalls zugesagt. [Leseprobe]

Seit 2004 veröffentlicht die Künstlergruppe Spring jährlich einen Band mit gesammelten Werken diverser Zeichnerinnen. Stilistisch handelt es sich dabei zumeist um eine recht wilde Mischung aus Beiträgen (Comic + Illustration), die eine hohe grafische Bandbreite abdeckt, inhaltlich stehen die Publikationen stets unter einem bestimmten Motto. Im aktuellen Fall der 12. Ausgabe, die erstmals im mairisch Verlag erscheint, lautet dies „privée“, was so viel wie „privat“ heißt. Bis heute sind an Spring ausschließlich Frauen beteiligt, darunter auch einige bekannte Namen wie Ulli Lust, Moki oder Line Hoven. [Leseprobe]

diedrei

Die drei ??? sind ein Dauerbrenner im Bereich der Jugendmedien, vor allem als Hörspiel, dessen Sprecher mit Live-Performances mittlerweile die ganz großen Hallen füllen. Im Buchbereich bedient der Kosmos-Verlag das Franchise nicht nur mit neuen Ausgaben der Stammserie, sondern auch mit verschiedenen Ablegern. Schon 2014 erschien ein Comic als Sonderband der Reihe Die drei ??? Kids, jetzt gibt es mit Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf erstmals eine sogenannte „Graphic Novel“ für etwas ältere Leser. Die extra dafür geschriebene Story stammt von den Autoren Ivar Leon Menger und John Beckmann, die Zeichnungen kommen von Christopher Tauber, den man u.a. als Zwerchfell-Co-Verleger und Miterfinder von Die Toten kennt. Man hat also einen erfahrenen Comicmacher verpflichtet, der sich auch im Horrorgenre gut auskennt, an das sich dieser Fall mehr oder weniger deutlich anlehnt. [Leseprobe]

1992 hat der Schweizer Zeichner Reto Gloor zusammen mit Markus Kirchhofer seinen ersten Comic Matter vorgelegt. Jetzt veröffentlichte die Edition Moderne seinen neuen Band Das Karma-Problem, in welchem Gloor seine eigene MS-Erkrankung thematisiert. Das persönliche Buch, das der Künstler aufgrund seiner zittrigen Hand am Computer gestalten musste, fokussiert sich dabei auch auf die psychische Dimension, auf die Multiple Sklerose übergreift. [Leseprobe]

Drei neue Comics von bisher nicht allzu bekannten Künstlern sind im Berliner Jaja Verlag erschienen: Ulla Loge erzählt in Da wird sich nie was ändern! in Schwarzweiß vom Leben in einer DDR-Kleinstadt rund um die Wendezeit 1989 [Leseprobe]. Jana Kreisl hat Interviews mit älteren Damen geführt, die in einer Art Senioren-WG leben, und sich deren Lebensgeschichten erzählen lassen. Eine davon hat sie nun im Comic Ton und Scherben umgesetzt [Leseprobe]. Der Mehrteiler Der Ausflug stammt vom Hamburger Zeichnerduo „bachwald“ (i.e. Julian Fiebach und Benjamin Gottwald) und ist ein wortloser Comic, den die beiden schon mal im Eigenverlag herausgebracht, nun aber noch einmal neu gezeichnet haben. Erzählt wird von einem Vogelpärchen, das sich auf eine Abenteuerreise begibt, nachdem es eine Flaschenpost gefunden hat. [Leseprobe]

Zeichnerin Ingrid Sabisch hat u.a. bereits Comics über das Leben von Albrecht Dürer und Willy Brandt geschaffen, letzteren zusammen mit Heiner Lünstedt, der mit ihr nun auch an dem Band Sophie Scholl – Die Comic-Biografie (Knesebeck) arbeitete. Die Basis für die grafisch umgesetzte Biografie der berühmten Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus bildet der Briefwechsel zwischen Scholl und ihrem Freund, dem Wehrmachtsoffizier Fritz Hartnagel. [Leseprobe]

kala

In Levin Kurios Verlag Weissblech Comics tummeln sich allerhand kuriose Figuren aus den Bereichen Horror, Science-Fiction und und Adventure. Immer ein bisschen trashig, aber stets unterhaltsam, befinden sich im Verlagsprogramm einige kultige Publikationen. Kala – Die Urweltamazone ist eine barbusige Dschungelkönigin, deren Geschichten man bereits in den Serien Horrorschocker und Welten des Schreckens lesen durfte. Um diese verfügbar zu halten, hat man Kala nun ein eigenes Heft gewidmet, in dem die entsprechenden Stories nachgedruckt werden. Neben Kurio selbst waren am kreativen Prozess auch noch Damit Hamidovic und Roman Turowski beteiligt. [Leseprobe]

Im Oktober wird auf der Frankfurter Buchmesse der Cartoonpreis 2015 vergeben. Dieser steht diesmal unter dem Motto “Hoffentlich sieht das keiner!” und soll vor allem Newcomern eine Plattform bieten. Parallel dazu wird von Carlsen ein gleichnamiger Sammelband mit Beiträgen der teilnehmenden Künstler publiziert. Rolf Dieckmann und Antje Haubner zeichnen hierfür als Herausgeber verantwortlich. [Alle Infos und Nominierten]

Einen ziemlich derben Spaß bietet Zeichner Norman Winter, der als Kreativer eng mit dem Onlineshop der Horrorklinik verbandelt ist, in seiner Cartoonreihe Schwarzer Humor aus der Horrorklinik, die Cross Cult frisch ins Programm genommen hat. Böse Cartoons, gedruckt in Schwarz-Weiß mit roten Einsprengseln – kommt einem irgendwie bekannt vor. Für den ersten Band mit dem Titel “Schlimmer geht immer!” sind bereits zwei Nachfolger angekündigt. [Leseprobe]

Normalerweise kann man Oli Hilbrings Cartoons regelmäßig in dessen Blog verfolgen. Für Lappan hat er nun die besten seiner Schön doof!-Cartoons zusammengesucht und in ein Buch pressen lassen. Die Beispielseiten sind jedenfalls schon mal äußerst amüsant. [Leseprobe]

EUROPÄISCH

Renald Luzier (Künstlername: Luz) war Zeichner beim französischen Satiremagazin Charlie Hebdo, als es zu dem Attentat in den Redaktionräumen in Paris kam. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass Luz zu den Überlebenden zählte, denn an diesem Tag war sein Geburtstag und er kam etwas verspätet zur Arbeit. Nur wenige Wochen nachdem seine Kollegen ihr Leben lassen mussten, begann Luz wieder mit dem Zeichnen. Im Comicband Katharsis (S. Fischer Verlag) verarbeitet er die schwierige Zeit nach der Schreckenstat und offenbart seine Gefühlslage.[Leseprobe]

Charlie Hebdo und dessen Vorläufer Hara-Kiri sind auch das Thema in der 120. Ausgabe von Strapazin. Das Magazin stellt beide Zeitschriften und besonders deren Comics vor, druckt etliche Beispiele in deutscher Übersetzung ab und interviewt den Charlie-Veteranen Willem. [Infos und Textproben]

wächterlouvre

Im neuen Werk von Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde, Der spazierende Mann) besucht ein Mangazeichner den Louvre und stellt, zwischen Traum und Realität wandelnd, eine einzigartige Nähe zu den Exponaten und den dahinter stehenden Künstlern her. Die Wächter des Louvre (Carlsen) ist Teil der vom berühmten Pariser Museum – in Kooperation mit dem französischen Verlag Futuropolis – eigens publizierten Edition, für die schon einige namhafte Comiczeichner wie Enki Bilal, Eric Liberge oder Marc-Antoine Mathieu Bände beigesteuert haben. In deutscher Übersetzung liegen bislang nur zwei der Louvre-Comics vor: Der schielende Hund (Egmont Graphic Novel) und Einmal durch den Louvre (Reprodukt). Mit Taniguchi gesellt sich nun ein dritter Comic hinzu, untypisch für einen Mangaka sogar in Hardcover und Albenformat. [frz. Leseprobe]

Nach Das Tun und Lassen der Aglaé ist Die Kaiserin Cixtite  ein weiterer Comic von Anne Simon, der bei Rotopolpress auf Deutsch erscheint. Der neue Band – diesmal teilweise in Farbe – ist keine direkte Fortsetzung, spielt aber in der gleichen Welt und hat teilweise das gleiche Personal wie der Vorgänger. Ein feministisches Märchen, das Popkultur-Zitate ebenso einfließen lässt wie politische Aussagen. [Leseprobe]

Suite française – Sturm im Juni, erschienen beim Verlag Jacoby & Stuart, ist eine Comicumsetzung der gleichnamigen Romanvorlage von Irène Némirovsky, die 1942 in Auschwitz starb und ihr Werk dadurch nicht vollenden konnte. Die Autorin beschreibt darin das Leben in Frankreich zur Zeit der deutschen Besatzung, welche sie hautnah miterlebte. Erst vor kurzem wurden die Aufzeichnungen Némirovskys verfilmt, daneben adaptierte Zeichner Emmanuel Moynot, den man als Zeichner der Nestor Burma-Krimis oder vom Band Der Mann der sein Leben ermordete kennt, die Vorlage als Comicerzählung. [frz. Leseprobe]

Vor dem gleichen historischen Hintergrund spielt die Geschichte des kommunistischen Widerstandkämpfers Marcel Rayman, der sich während des Zweiten Weltkriegs in Paris der Gruppe FTP-MOI anschloss, die sich gegen die nationalsozialistischen Besatzer zur Wehr setzte. Ein Leben im Tode: Rayman (Panini) von Laurent Galandon und Jeanne Puchol ist aber nicht nur ein Porträt Raymans, sondern auch die grafisch umgesetzte Geschichte der Manouchian-Gruppe, für die Raymans Gesicht stellvertretend später auf dem berühmten Roten Plakat zur Warnung an die Résistance prangen sollte. [Leseprobe]

Augustina Guerrero ist gebürtige Argentinierin, lebt aber seit vielen Jahren in Barcelona. In ihrem Comic Weiblich, dynamisch, verpeilt – Mein Leben und ich, der in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp/Insel erschienen ist, zeichnet sie tagebuchartig ihre kleinen Alltagserlebnisse nieder. „Graphic Diary“ nennt der Verlag dies. Bereits ein Blick auf die Beispielseiten zeigt, dass Guerrero Themen behandelt, in denen sich so ziemlich jeder Leser mindestens halbwegs wiederfinden dürfte.

Die Fotografin Caterina Sansone hat sich, zusammen mit dem Zeichner Alessandro Tota, aus Italien aufgemacht, um die Wurzeln ihrer Familie zu erforschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kroatien flüchten musste. Das Ergebnis dieser Reise ist ein Mix aus Interviews Fotos und Comicepisoden, heißt auf Deutsch Palatschinken und ist bei Reprodukt erschienen. [Leseprobe]

Mit Sacha Goerg stellt Reprodukt einen weiteren spannenden frankobelgischen Comicmacher vor: Der Mitbegründer des Indie-Verlags L’Employé du Moi war bei uns bislang nur als einer der vielen Zeichner in 6 aus 49 (Schreiber & Leser) zu sehen. Jetzt erscheint sein Comic Roses Lächeln, der eine komplex verwickelte Gegenwartsgeschichte erzählt. Es geht um einen jungen Vater, der Ehefrau und Job verliert, ehe er eine Frau kennenlernt, die einige Geheimnisse birgt. [Leseprobe]

Herman Melvilles Roman Moby Dick ist wahrscheinlich eine der Vorlagen, die am häufigsten als Comic adaptiert worden sind (einige Beispiele findet man in diesem Artikel).  Die neueste Variante kommt von Christophe Chabouté, der die Geschichte vom manischen Walfänger in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten nacherzählt. Die deutsche Ausgabe erschien bei Egmont Graphic Novel. [Leseprobe]

Szenarist Sylvain Runberg hat bereits Comics wie Orbital, Die Millennium-Trilogie oder Warship Jolly Roger verfasst, jetzt hat er sich zusammen mit Zeichner Olivier Martin auf völlig neues Terrain begeben. Denn der Einzelband Weiße Felder (Splitter) ist kein phantastisches Werk, sondern erzählt eine realistisch gehaltene Geschichte von einem Comickünstler, der sich in einer Schaffenskrise befindet. [Leseprobe]

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Mitte des 19. Jahrhunderts verlässt eine französische Fregatte Neukaledonien, um in die Heimat auf dem europäischen Kontinent zurückzukehren. An Bord befindet sich auch ein Naturforscher, sowie dessen menschliches Studienobjekt, der schwarze Éloi. Younn Locard und Florent Grouazel haben mit dem gleichnamigen Comic ein intelligentes Stück über die Kolonialzeit geschaffen. Themen wie Rassismus, Vorurteile, Weltanschauungen werden vor maritimer Kulisse behandelt. Der Band, der zwar nicht in bunter Aquarelloptik erstrahlt wie es das Cover verspricht, dafür aber mit filigranen Zeichnungen im Duoton punkten kann, ist im avant-verlag erschienen. [Leseprobe]

In seinem Debütalbum erzählt der spanische Künstler Nadar von einem 16-jährigen Kleinkriminellen, der neben der Schule illegale Aufträge erledigt. Zumindest so lange, bis einer dieser Jobs schief läuft und den jungen Mann in Gefahr bringt. Wie zerknülltes Papier (avant-verlag) ist ein 400 Seiten starker Comicband, der mit schwarz-weißen Zeichnungen besticht. [Leseprobe]

Tex ist eine italienische Serie, die seit beinahe 70 Jahren existiert und in dieser Zeit von vielen Autoren und Zeichnern betreut wurde. In Deutschland veröffentlichte zuerst der Bildschriftenverlag die Abenteuer des gesetzestreuen Rangers Tex Willer, zuletzt probierte sich Kult Editonen an dem Western und publizierte ein paar Alben. Panini verlegt nun mit dem Band Tex: Der letzte Rebell einen Einzelband, der von Claudio Nizzi geschrieben und vom neuseeländischen Künstler Colin Wilson (Judge Dredd, Blueberry) gezeichnet wurde.

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Monika, das ist nicht nur der Titel einer neuen Albenreihe, die Panini frisch ins Programm genommen hat, sondern auch der Name gleich zweier Hauptprotagonistinnen. Genauer gesagt handelt es sich um zwei Schwestern, die beide Monika heißen. Die eine ein unbekümmertes Wesen, die andere eine berechnende Terroristin. „Projekt Monika“ lässt diese beiden Welten nun aufeinandertreffen. Die Texte für diesen Sci-Fi-Thriller liefert die belgische Szenaristin Thilde Barboni, für die Zeichnungen sorgt der Spanier Guillem March, der in jüngster Vergangenheit für allem US-Comics für DC gezeichnet hat, z.B. Hefte der Reihen Batman oder Catwoman, sich jetzt aber quasi auf seine europäischen Wurzeln besinnt. [frz. Leseprobe]

Die Themenreihe Aeropostal – Legendäre Piloten (Splitter) beschäftigt sich mit realen Luftpostpiloten und ihren Abenteuern. Jeder Band der vierteiligen Serie ist dabei einem anderen Piloten gewidmet. So erfährt man in der ersten Ausgabe beispielsweise Näheres zu Henri Guillaumet, der 1930 in den Anden notlanden muss. Unter den Kollegen, die damals eine Suchmission starteten, war auch Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry (Der kleine Prinz). Aeropostal ist ein Comicprojekt von Vielschreiber Christophe Bec (Carthago, Prometheus) und Zeichner Patrick A. Dumas. [Leseprobe]

Frédéric Brrémauds (Love, Richard Löwenherz) neue Serie Ein Abenteuer von Simon Hardy (Salleck Publications) erinnert nicht nur aufgrund des ligne-claire-Zeichenstils frappierend an Tim und Struppi, sondern kann ebenfalls mit einem belgischen Reporter in der Hauptrolle aufwarten. Der titelgebende Simon Hardy soll im Auftrag einer Zeitung im Jahre 1961 von den Geschehnissen berichten, die zwischen dem Iran und den USA zu einem internationalen Konflikt führten. Gezeichnet wird die Reihe von Frank Leclercq. [Leseprobe]

Mit Buddy Longway von Derib erhält ein weiterer Abenteuer-Klassiker aus den 1970er Jahren eine Gesamtausgabe in der Egmont Comic Collection. Von der Westernreihe um den weißen Trapper und seine Liebe zur Indianerin Chinook existieren 20 Alben, von denen die Gesamtausgabe jeweils vier enthält, ergänzt mit Artikeln, Illustrationen und Skizzen.

Ab sofort erscheinen die Comics des belgischen Künstlers Hermann in Deutschland nicht mehr wie zuvor bei Kult Editionen, sondern bei Erko, dem Verlag von Ervin Rustemagic, Hermanns Agent und Verleger, der bisher nur in den Niederlanden aktiv war. Zum Start gibt’s den brandneuen Band Jeremiah 34 [Leseprobe]. Außerdem hat Erko zu Beginn auch noch den Comic Jaybird im Köcher, ein märchenhaftes Werk über einen verängstigen Vogel von den finnischen Zwillingen Jaakko und Lauri Ahonen [Leseprobe], sowie gleich zwei dicke Integrale-Bände der Kriegsserie Die Partisanen, die in den 80er Jahren vom jugoslawischen Duo Jules und Lebovic entworfen wurde. [Leseprobe]

Sweet Amoris heißt ein aus Frankreich stammendes „Online-Flirtspiel“ für Mädchen, in dem man virtuelle Liebesgeschichten im Manga-Look erleben kann. In Frankreich wurde dazu ein Comic produziert, natürlich ebenfalls im Manga-Stil, bei dem der Leser über den Fortlauf der Handlung entscheiden kann. Den gibt es in fünf Bänden bei Kazé nun auf Deutsch.

Jeder kennt Donald Ducks pfiffige Neffen, die sich zumeist nur durch die Farbe ihrer Mütze unterscheiden lassen. Für den Band Tick, Trick und Track: Ein Trio mit drei Bürzeln kündigt Egmont an: “Diese Biographie beleuchtet die Entwicklung der kleinen Rabauken”. Statt einer groß angelegten, redaktionellen Analyse der Figuren, sollte man hinter dem Titel aber wohl eher eine weitere, thematisch umgrenzte Best-of-Sammlung erwarten.

Und immer dann, wenn die Tage kürzer werden und die Lebkuchen im Supermarkt Einzug halten, bringt Egmont einen Disney-Weihnachtssampler auf den Markt. Der diesjährige kommt in weißem Kunstleder und mit Goldprägung edel daher, heißt Walt Disneys Weiße Weihnacht und enthält „einige der schönsten handverlesenen Weihnachtsgeschichten von Disney-Künstlern, die zu den Besten ihrer Zunft gehören.“

starrats

Mit viel schwarzem Humor zeichnet der Italiener Leonardo Otolani seit 1989 seinen Comic Rat-Man, eine Parodie auf Superhelden, Kinofilme und Popkultur. Die selbst verlegte, langlebige Serie landete schließlich bei Panini Italien, die auch Otolanis Cartoon Star Rats ins Programm nahmen. Beim deutschen Panini-Ableger gibt es nun zumindest Star Rats – Episode IV: Eine schwache Hoffnung, der natürlich eine bissige Star Wars-Satire darstellt.

AMERIKANISCH

Ein Comic von Will Eisner aus dem Jahr 2003, der bislang auf Deutsch nicht erhältlich war, ist Fagin the Jew, eine Art erzählerischer Kommentar zu Charles Dickens‘ Klassiker Oliver Twist. Darin tritt die Figur des Juden Fagin auf, Boss und Anführer der Bande von jugendlichen Dieben. Dessen Charakterzeichnung ist voll von antisemitischen Stereotypen, weshalb Eisner in seinem Comic einen Dialog zwischen Dickens und Fagin entspinnt, in dem Fagin die Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Bei Egmont Graphic Novel erscheint der Comic unter dem Titel Ich bin Fagin. [Leseprobe]

Ein Muss für jeden Comic-Connaisseur ist Charles Burns’ Album Zuckerschädel (Reprodukt), das nach den Bänden X und Die Kolonie die Trilogie um den zwischen Realität und Fantasie taumelnden Jungen Doug endlich abschließt. Die Arbeit des US-Amerikaners, der sich nach seinem großen Werk Black Hole mit dieser Reihe auf ein nicht minder forderndes Abenteuer begeben hat, ist ein morbides Stück Comic und eine unverhohlene Hommage an Hergé. [Leseprobe]

Deadly Class von Rick Remender, Wesley Craig und Lee Loughridge kann man zu den zahlreichen neuen Serien zählen, mit denen der Verlag Image gerade den US-Comicmarkt aufmischt: Genrecomics mit frischen, originellen Ansätzen und großer stilistischer Vielfalt, oft von Autoren und Zeichnern, die sich mit Jobs bei den Platzhirschen Marvel und DC eine treue Leserschaft erarbeitet haben. Deadly Class (auf Deutsch bei Panini erschienen) spielt in den 1980er Jahren und handelt von einer Eliteschule, an der Jugendliche zu perfekten Mördern ausgebildet werden, wo unter den Schülern ansonsten aber die gleichen Probleme herrschen wie an jeder anderen Highschool. [US-Preview]

Vom gleichen Autor stammt die Serie Low: Wenn die Sonne stirbt, werden die letzten Strahlen zur tödlichen Gefahr für das Leben auf der Erdoberfläche. Deswegen sucht die Menschheit in Zuflucht in großen Städten auf dem Meeresboden. Remender arbeitete mit dem Zeichner Greg Tocchini bereits zusammen an dem Comic The Last Days of American Crime, der erste Sammelband ihrer postapokalyptischen Image-Reihe ist nun ebenfalls beim Splitter-Verlag erschienen. [Leseprobe]

nonplayer

Die Image-Reihe Nonplayer, getextet und gezeichnet von Newcomer Nate Simpson, ist sowohl auf inhaltlicher als auch auf zeichnerischer Ebene interessant: Eine junge Frau lebt bevorzugt in der virtuellen Realität eines Fantasy-Games, außerhalb davon muss sie jedoch in einer futuristischen Stadt jobben, um das Geld für ihr Spiel zusammen zu bekommen. Nonplayer ist ein hochgelobter Comic, der Science-Fiction mit Fantasy konterkariert und dabei eine Grafik zwischen Videospieldesign und Moebius auffährt. Der Splitter-Verlag veröffentlicht die ersten beiden Hefte der Serie, die in den USA für ihr notorisch langsames Erscheinen bekannt ist (zwischen Heft 1 und Heft 2 lagen vier Jahre), im großen Albenformat. [Leseprobe]

Beim All Verlag hat man nach der der Gesamtausgabe von Blazing Combat einen weiteren US-Klassiker im Köcher: Der Band Marada – Die Wölfin veröffentlicht erstmals alle drei Geschichten um die silberhaarige Kriegerin, die von Chris Claremont (vor allem bekannt durch seine Verdienste um die X-Men) und John Bolton 1982 für Epic Comics geschaffen wurde, in einem Band. Ein Fantasy-Highlight, das natürlich vor allem durch die gemäldeartigen Bilder Boltons bekannt ist und das für die aktuelle Gesamtausgabe überarbeitet und restauriert wurde. Obendrauf gibt es noch einen ausführlichen Sekundärteil. [Leseprobe]

Polar vom spanischen Künstler Victor Santos ist eigentlich ein Webcomic, der von Dark Horse später auch in Printform veröffentlicht wurde. Inhaltlich bedient sich Santos bei Warren Ellis’ Comic RED, denn auch in Polar geht es um einen Agenten im Ruhestand, der abserviert werden soll, aber schließlich zeigt, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Auf grafischer Ebene erinnern die stark stilisierten Bilder an Frank Miller. Das Ergebnis ist jedenfalls interessant. So interessant, dass hinter den Kulissen angeblich bereits eine Verfilmung vorbereitet wird. [Leseprobe]

Neben Gotham Central (siehe “Highlight des Monats”) hat Panini im September noch mehr altes Material, welches thematisch zur Fernsehserie Gotham passt, ausgegraben: Der Band Batman: Gordon aus Gotham enthält die komplette Miniserie aus dem Jahr 1998, die die Anfangstage des noch jungen Jim Gordon als Cop des GCPD beleuchtet. Das Kreativteam dieser Zeitreise kann sich jedenfalls auch sehen lassen, denn es ist mit Dennis O’Neil, Klaus Janson und Dick Giordano prominent besetzt. [Leseprobe]

Im Gegensatz zu den oben genannten „Begleitcomics“ zur TV-Serie Gotham, die mit dieser aber höchstens thematisch verwandt sind, weist Arrow Staffel 2.5 [Leseprobe] eine direkte Verbindung zu erfolgreichen Fernsehserie Arrow auf. Der Comicableger spielt zeitlich zwischen der zweiten und dritten Staffel und lässt eine ganze Reihe der vom Bildschirm bekannten Figuren auftreten. Und wer A sagt, muss auch B sagen, oder wie in diesem Fall: Wer Arrow sagt, muss auch The Flash sagen. Die TV-Serien spielen im selben Universum und sind durch gelegentliche Crossover-Folgen in gewissem Maße miteinander verflochten. Die Stories in The Flash: Staffel Null spielen nicht, wie der Titel suggeriert, noch vor der Pilotfolge, sondern zwischen den einzelnen Episoden von Season 1. [Leseprobe]

Ebenfalls in Arrow vertreten, aber schon seit langem als professioneller Söldner und Killer im DC-Universum bekannt, darf Slade Wilson alias Deathstroke nun zum ersten Mal eine eigene deutsche Soloserie genießen. Zuletzt sah man Deathstroke mitunter als Mitglied der Suicide Squad, jetzt darf er sich unter Autor Tony Daniel alleine austoben. Gezeichnet wird das Ganze von Daniel selbst, sowie von Sandu Florea. [Leseprobe]

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In Deadpool: Die Kunst des Krieges (eine Parodie auf das gleichnamige Buch des Chinesen Sunzi) lädt Marvels ausgeflippter Söldner die Avengers wie die Götter Asgards zum Krieg ein. Die deutsche Ausgabe beinhaltet die komplette US-Miniserie, die vom erfahrenen Comic- und Romanautor Peter David (The Incredible Hulk, Spider-Man 2099) verfasst und von Scott Koblish gezeichnet wurde. [US-Preview]

Bei Avatar Press adaptiert man unermüdlich weitere Erzählungen aus der Feder von George R. R. Martin, dem geistigen Vater von Game of Thrones. Wie schon die anderen Werke wie Fevre Dream oder Skin Trade veröffentlicht Panini auch die Comicversion der Martin-Kurzgeschichte Im Haus des Wurms, die von John J. Miller und Ivan Rodriguez gestaltet wurde. Dabei handelt es sich um eine düstere Fantasy-Story. Die Qualität dieser Comics, die natürlich gezielt versuchen, mit dem prominenten Namen des Originalautors Leser anzulocken, ist allerdings oftmals unterdurchschnittlich.

Wie schon beim kürzlich in deutscher Sprache erschienenen Crossover zwischen RoboCop und Terminator, ergibt es auch beim jetzt veröffentlichten Aufeinandertreffen der Welt von Star Trek und dem Planet der Affen Sinn, dass die Publikation von Cross Cult lizensiert wurde. Denn immerhin befinden sich alle genannten Sci-Fi-Franchises in der einen oder anderen Form schon seit einiger Zeit im Portfolio des Verlags. In Star Trek/Planet der Affen verschlägt es die Enterprise-Crew (die aus der Original-Serie) in ein Paralleluniversum, in dem die Erde von Affen regiert wird. Scott und David Tipton schrieben den Plot, Rachael Stott steuerte die Zeichnungen bei. [Leseprobe]

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Robert Kirkmans Zombie-Serie The Walking Dead ist nicht zuletzt dank der TV-Adaption ein echter Comicbestseller und momentan in aller Munde. Aus diesem Grund bietet Cross Cult nach der regulären Hardcover-Ausgabe und den dicken Kompendium-Bänden jetzt sogar eine Drittverwertung an: Die preiswerte Softcover-Version ist (bis auf das Cover) inhaltsgleich mit der weiterhin erscheinenden, normalen Ausgabe, ist aber um einiges günstiger und soll auch an Kiosken und im Bahnhofsbuchhandel angeboten werden. Alle zwei Monate sollen weitere Fortsetzungsbände folgen.

Nach Vader und Sohn, Vaders kleine Prinzessin und Gute Nacht, Darth Vader führt Jeffrey Brown seine rührende Cartoon-Reihe mit den kindlichen Versionen bekannter Star Wars-Figuren fort. Star Wars: Darth Vader und seine Freunde (Panini) konzentriert sich dabei erstmals nicht speziell auf Luke und Leia, sondern auf deren Spielkameraden Han, Chewie, Lando etc.

ASIATISCH

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In der neuen Manga-Reihe von Sanami Suzuki (Black Rock Shooter) kämpfen ein Mädchen, das keine Schmerzen zu verpüren vermag, und ein unsterblicher Junge gemeinsam gegen dunkle Mächte. Der Titel Yaotsukumo (Egmont Manga) setzt sich dabei aus dem Namen der beiden Hauptfiguren des Fantasymärchens zusammen. [Leseprobe]

Der Name des Mangas verrät es bereits: In Corpse Party – Blood Covered (Egmont Manga) erwartet den Leser ein wahres Horrorspektakel. Eine Schülergruppe erwacht urplötzlich in einer Schulruine und wird mit Untoten konfrontiert. Ein Gruselspaß, dargereicht von Makoto Kedouin und Toshimi Shinomiya. [Leseprobe]

Jin und Mashiro Sato zeichnen verantwortlich für die Serie Kagerou Daze (Egmont Manga), die von einem Typen handelt, der normalerweise sein Zuhause nicht verlässt. Als der Computer streikt, wagt er sich doch ausnahmsweise hinaus und gerät prompt in eine Geiselnahme. „Kagerou Daze basiert auf einem Vocaloid-Song aus dem Kagerou Project von Jin und hat auch den Anime Mekakucity Actors inspiriert!“ (aus dem Verlagstext zitiert). Wen das nicht zum Kauf bewegt, dem ist jetzt eh nicht mehr zu helfen. [Leseprobe]

In acht Bänden liefert Wakoh Honna (Heimliche Blicke) eine laut Verlag „jugendfreie“ Erotik-Story, die sich speziell um das Thema Voyeurismus dreht. Nozomi & Kimio ist bei Kazé Manga gestartet.

Neues Futter für Leser von Romance-Manga besteht in diesem Monat aus einem Schwung neuer Serien und Einzelbände aus dem Hause Tokyopop: Die One-Shots Liebe im Rampenlicht von Mai Ando [Leseprobe], Die Fuchshochzeit von Chiyori [Leseprobe] und Die Blüte der ersten Liebe von Kayoru [Leseprobe] sind ebenso frisch im Programm wie Kana Nanajimas Reihe Kiken Mania – Gefährliche Leidenschaft [Leseprobe].

Natürlich gab es im September auch wieder einige Novitäten für Leser von Boys Love-Mangas: Der Bodyguard (Kazé Manga) ist ein One-Shot, der von Junko gestaltet wurde. Von Aya Sakyo, der uns schon Boys Love-Mangas wie Lass es uns tun oder Kuroneko – Verwöhn mich! beschert hat, liegt jetzt mit Kuroneko – Spiel mit mir! (Egmont Manga) ein weiterer Einzelband aus der gleichen Feder vor. Ebenfalls von Egmont Manga stammt Café Men!, ein One-Shot von Ryo Takagi. Bei Tokyopop startete mit T x S – Tough x Smart  eine neue Serie von Noboru Takatsuki [Leseprobe] und mit Die Unschuld des Lehrers eine von Mayu Shinjo verantwortete [Leseprobe]. Und auch Carlsen Manga steuert mit Hot Dog von Kazusa Takashima zwar keinen kulinarischen, aber zumindest wohl einen erotischen Lesespaß bei.

SEKUNDÄRLITERATUR

Bei Atomax, dem Kölner Anbieter von Figuren, Drucken und anderen sammleraffinen Produkten, erschien der erste Band des Dreiteilers Die Kunst von Hergé, einer umfangreichen Sammlung von Zeichnungen, Gemälden, Skizzen und Grafiken des Tim und Struppi-Schöpfers. Der Bildband deckt die ersten 30 Lebensjahre (1907-1937) des Künstlers ab.

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