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Links der Woche 11/15: Schöner Scheitern mit Graphic Novels

Ein großer Mangaka ist gestorben, an der FH Münster entstehen interessante Comics, Basel bekommt eine Fantasy-Messe und der Begriff „Graphic Novel“ sorgt mal wieder für Aufsehen. Das und mehr in unserem wöchentlichen Link-Rundumblick.

© Yoshihiro Tatsumi/Drawn & Quarterly

© Yoshihiro Tatsumi/Drawn & Quarterly

Der Schattenmann – ein Nachruf auf Yoshihiro Tatsumi
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Im Alter von 79 Jahren ist am 7. März der japanische Zeichner Yoshihiro Tatsumi gestorben. Tatsumi galt als herausragender Vertreter der Manga-Gattung „Gekiga“: ernsthafte Comicgeschichten für erwachsene Leser. Im Westen bekannt wurde er vor allem mit seiner Manga-Autobiografie Gegen den Strom bekannt. Deren englische Ausgabe A Drifting Life hat Michel Decomain 2011 in einem ausführlichen Text bei uns besprochen. Ein weiterer lesenswerter Nachruf ist beim Comics Journal zu finden.

Schwierigkeiten mit dem Schund
Die Welt, Thomas von Steinaecker
Der Romanautor und Filmemacher Thomas von Steinaecker, von dem auch diverse Comicbesprechungen in den Feuilletons erschienen sind, zieht ein ernüchterndes Fazit seiner Versuche, Comiczeichner mit Prosaautoren zusammenzubringen sowie ein eigenes „Graphic Novel“-Skript von einem Zeichner umsetzen zu lassen. Ob gewollt oder ungewollt, der Text zeigt recht schön auf, welche Missverständnisse auf Seiten der klassischen Literatur bezüglich der Kunstform Comics und der Kollaboration zwischen Autoren und Zeichnern herrschen.

Zwei Buchdeckel sagen mehr als hundert Alben?
Elfenbeinbungalow, Erik Wenk
Erik Wenk, der u.a. beim Tagesspiegel Comics bespricht, kotzt sich über den Begriff „Graphic Novel“ und seine Verwendung aus. Seine Argumente sind alle nicht ganz neu, fassen aber die Probleme, die der Marketingbegriff mit sich bringt, gut zusammen. Eine kleine „Gegennotiz“ dazu kommt vom Comicladen „Grober Unfug“: Danke, „Graphic Novel“!

Webcomic im Fokus I: Dokumentation der Veranstaltung
ComicSolidarity
Die ComicSolidarity, ein organisatorisches Dach für digital veröffentlichende Comickünstler, war auf dem Comic-Salon Erlangen 2014 mit einer eigenen Fläche und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm vertreten. Die dort versuchte Bestandsaufnahme des deutschen Webcomics gibt es nun in schriftlicher Form zum Nachlesen als kostenloses PDF zum Download.

Weisse Wölfe – Eine grafische Reportage über den rechten Untergrund
Correctiv, David Schraven und Jan Feindt
Wenige Wochen nach ihrem Erscheinen als gedrucktes Buch ist die Comic-Reportage Weisse Wölfe von David Schraven und Jan Feindt nun auch komplett und kostenlos online verfügbar. Dieses Vorgehen gehört zu den Prinzipien des als gemeinnützige Stiftung arbeitenden Recherchebüros Correctiv, das auch seine anderen großen Rechercheprojekte frei online veröffentlicht. Zusätzlich war bei Weisse Wölfe eine Zusammenarbeit mit einer großen Tageszeitung geplant, die aber wegen juristischer Bedenken nicht zustande kam. Mich hat der Comic nicht überzeugt, aber jetzt kann sich jeder selbst ein Bild machen – das Anliegen ist auf jeden Fall wichtig und richtig.

Die Comic-Bachelors: Drei Absolventen aus Münster im Porträt
Comic Kladde, Philipp Spreckels
Philipp Spreckels stellt drei Studenten der FH Münster vor, die derzeit an Comics als Abschlussarbeit werkeln: Udo Jung, Maike Venhofen und David Scheffel. Außerdem sind Leseproben ihrer drei Werke zu sehen – alle sehr vielversprechend.

Big in Japan – Ein Zeichner im Land der Zeichen
3sat, Nico Weber
Schon der zweite längere Film über den Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler in wenigen Monaten. Erst im November lief das Porträt Die Kunst der Verdichtung auf 3sat, nun zeigte der Sender einen weiteren Film von der gleichen Regisseurin, die Mahler diesmal auf einer Reise nach Japan begleitet hat, wo sein Werk im Mangamuseum von Kyoto ausgestellt wurde. Bis zum 22.3. kann man den Film in der Mediathek sehen, am 25. April 2015 um 22.10 wird er dann nochmals auf 3sat laufen.

Mangas legen weiter zu
Buchreport online
Nicht nur die Zahlen der deutschen Mangabranche sind gut (siehe Links der Woche 10/15), auch der allgemeine Comicbereich lief 2014 besser als erwartet. Wie der Buchreport berichtet, sorgte der 2013er-Bestseller Asterix bei den Pikten auch im Folgejahr noch für hohe Verkaufszahlen. Im Graphic-Novel-Bereich stammten acht der zehn bestverkauften Titel von deutschen Künstlern.

KAZÉ Manga goes digital
Kazé
Die Konkurrenz hat es vorgemacht, nun zieht auch Kazé Manga nach und veröffentlicht einen Teil seines Mangaprogramms auch in digitaler Form. Fünf Serien liegen in verschiedenen Formaten in den Shops von Amazon Kindle, Apple und Kobo vor, neue Bände dieser Serien sollen gleichzeitig mit den gedruckten Büchern auf den Markt kommen.

Fantasy Basel
fantasybasel.ch
Eine neue Messe kündigt sich an: Vom 14. bis 16. Mai wird erstmals die „Fantasy Basel“ in der grenznahen Schweizer Stadt stattfinden. Laut Selbstbeschreibung will die Messe ein „Happening für Game-, Film-, Comic & Cosplay Fans“ sein. Was man für das (recht happige) Eintrittsgeld bekommt, steht noch nicht in allen Details fest, angekündigt sind neben einem großen Cosplay-Wettbewerb diverse Vorträge, Ausstellungen und Lesungen.

Comic-Stipendien der Deutschschweizer Städte für Matthias Gnehm und Jared Muralt
Stadt Zürich, Präsidialdepartement
Die Städte Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich haben zum zweiten Mal ihr gemeinsames Comicstipendium vergeben. Das mit 30.000 Franken geförderte Hauptstudium geht an Matthias Gnehm, das halb so hoch dotierte Förderstudium an Jared Muralt.

Mappen und Manuskripte – Die Künstlersicht
Dreimalalles, Sarah Burrini
Kürzlich erschienen auf Dreimalalles kurze Fragebögen mit Vertretern von Comicverlagen, in denen es darum ging, was sich die Verlage wünschen, wenn Comiczeichner sich bei ihnen bewerben oder eine Mappensichtung machen. Zeichnerin Sarah Burrini schrieb daraufhin nun eine Liste aus umgekehrter Sicht, in das auch ihre Erfahrungen aus vielen Bewerbungen einflossen: „Als Bewerber befindet man sich subjektiv gesehen in der bittstellenden Position. Von ihm wird (zurecht) erwartet, dass er eine bestimmte Etikette einhält und sich sozial kompetent benimmt. Aber wie ist es mit der Gegenseite?“

Marvel Unlimited
micomics.de, Daniel Klein
Schon seit 2007 existiert das digitale Flatrate-Angebot von Marvel Comics, das für einen festen Monatsbetrag unbeschränkten Lesezugriff auf ein großes digitales Marvel-Archiv bietet. Daniel Klein ist seit einem Jahr Abonnent und berichtet über seine Erfahrungen mit dem Dienst.

“The phone rang. It was my college rapist.”
Fusion, Jen Sorensen
Das US-Newsportal Fusion, das sich an junge Erwachsene richtet („a multi-platform media company that serves ​​​a​ young, diverse, and inclusive ​​millennial generation“) hat eine eigene Sektion namens „Graphic Culture“, in der auch Journalismus in Comicform ausprobiert wird. So wie diese persönliche Reportage von Jen Sorensen, die aufschreibt und -zeichnet, wie sich eine Freundin an eine schlimme, lange zurückliegende College-Erfahrung erinnert, als der Täter von damals sich wieder bei ihr meldet.

The Vocations of Heroes and Villains
Pop Chart Lab
Nette Idee vom Pop Chart Lab: Ein Poster mit schick, wenn auch etwas zu exzentrisch gestalteten Visitenkarten bekannter Comicfiguren. Mein Liebling ist die Karte links unten: „Victor von Doom, Absolute Monarch.“