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Währenddessen … (KW 11)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Daniel: Ja, heute startet die zweite Daredevil-Staffel auf Netflix – endlich. Aber Lust auf Binge-Watching habe ich eigentlich nicht. Mein Serienverhalten schmiegt sich eher an  die wöchentlichen Veröffentlichungen von The Magicians, Agents of S.H.I.E.L.D. und bald wieder Game of Thrones. Diese Fortsetzungen geben mir ein gutes Gefühl, geben mir Struktur. Etwas, auf das ich mich freue. Ein Binge-Wochenende lässt mich mit einem schlechten Gewissen zurück. Als hätte ich zuviel konsumiert. Am liebsten würde ich mir danach Finger in die Augen stecken und alles, was ich gesehen habe, wieder auskotzen. Weil es einfach zu viel auf einmal ist. Weil ich mich übersehen habe. Andere Binge-Aktivitäten sind zur Zeit viel interessanter für mich: Binge-Reading, Binge-Boardgaming und Binge-Writing.

Daniel: Meine ersten Binge-Reading-Versuche im Urlaub waren nicht zufriedenstellend. Ich kann nur davon abraten, Salman Rushdies neuen Roman Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte zu lesen. Ich habe nichts gegen magische Ereignisse in realistischen Erzählungen. Ich habe nichts gegen politische Messages in Romanen. Genau genommen sind dies genau die Zutaten, nach denen ich in einem guten Roman suche, nach denen ich Romane auswähle. Was ist mein Problem mit Rushdies Roman? Es gibt die einen Autoren, die erzählen lieber, und die anderen, die erklären. Beides okay für mich. Rushdie macht beides gleichzeitig. Zunächst erzählt er, was passiert, er verpackt Dinge, die er sagen will, geschickt. Nur um zwei Sätze später zu erklären, was er damit sagen will. Als Leser kommt man sich wie ein Idiot vor, dem man zunächst ein Rätsel gibt, das kurze Zeit später aufgelöst wird. Als hätte man es nicht alleine lösen können. Seine Kritik an der orthodoxen Religion ist so durchsichtig wie Butterbrotpapier – und trotzdem schmiert Rushdie nochmal mehr Butter drauf. Für mich muss gute Literatur den Leser anregen, mit an der Geschichte zu arbeiten, Rätsel zu lösen. Rushdies Roman lässt das auf keiner der Seiten zu. Wem das nichts ausmacht, sollte trotzdem noch gewarnt sein: Der Roman bietet fast keine Figur, mit der man sich identifizieren möchte.

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@ Bertelsmann

Benjamin: Apropos Daredevil. Apropos Binge-Reading. Gerade erst habe ich den zweiten deutschen Daredevil Megaband von Panini gelesen, der das Finale des Runs von Mark Waid enthält. Damit liegt auch die Strecke dieses Autors komplett vor, der die Geschicke des Teufels von Hells Kitchen (bzw. seit kurzem von San Francisco) für einige Jahre gelenkt hat, zumeist kongenial mit Zeichner Chris Samnee. Wer also – womöglich angefixt von der Netflix-Serie – Lust auf die entsprechenden Comics bekommen hat, dem sei die Lektüre des vollständigen Waid-Runs sehr ans Herz gelegt. Und wer richtig viel Zeit und Nachholbedarf hat, der besorgt sich am besten die vorherigen Runs gleich noch mit, denn Daredevil wurde auch direkt davor schon durch viele brillante Storylines getrieben (z.B. von Brian Bendis oder Ed Brubaker verfasst), so dass die Reihe sich inzwischen über eine ganze Dekade hinweg auf einem fast ausnahmslos hohen Niveau bewegt. Also, nachdem die zweite TV-Staffel geschaut ist, ruhig mal Fernsehgerät ausschalten und sich in die Comics vertiefen.

dare

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