Stefan Svik kehrt zurück zu Währenddessen und erzählt uns von seinen neuesten Seh- und Leseerlebnissen.

Bildausschnitte von Daredevil (c) Marvel/Disney.
Daredevil Born Again – Staffel 2
Stefan: Ich konnte vorab alle acht Folgen der zweiten Staffel sehen. Sie laufen jeweils ungefähr 50 Minuten und bieten weniger Gerichtsdrama als Staffel 1, dafür das neue schwarze Kostüm, viel mehr Raum für Karen Page und weniger Jessica Jones als erwartet. Disney+ zeigt jede Woche eine neue Folge und bietet zusätzlich einen Video-Podcast, indem es Interviews mit den Beteiligten gibt. Folge 1 dieses Making-Ofs lässt Charlie Cox (Daredevil) und Vincent Dònofrio (Wilson Fisk) zu Wort kommen. Ich werde nicht spoilern. Obwohl die Staffel ihre Längen hat und nicht so gut ist wie die ersten Staffeln, als es noch eine reine Netflix-Produktion war, ist die Serie absolut empfehlenswert. Immer mal wieder, leider zu selten, gibt es starke, beeindruckende Actionsequenzen.
Ich finde es schwer, in der Serie keinen Kommentar auf die aktuelle Situation in den USA zu sehen. Das Volk begreift allmählich, dass sie einem Verbrecher zur Macht verholfen haben, der nicht für sie, sondern nur für seine persönliche Bereicherung arbeitet. Mit seiner privaten Armee schlägt er brutal Aufstände nieder und verbreitet Angst und Schrecken. Doch der Widerstand wächst und am Ende werden sowohl Daredevil als auch der Kingpin Wilson Fisk nicht mehr so sein wie zuvor. Eine traurige, tief ergreifende Szene gegen Ende, ein pittoreskes Finale und dazwischen immer wieder die ermutigende Botschaft: auch wenn die Lage völlig aussichtslos erscheint, in ganz kleinen Schritten kann es vorangehen, man sollte einfach durchhalten und Vertrauen haben, in Freunde wie Karen Page…
… und leider sehen wir viel zu wenig von Jessica Jones. Da hatten Trailer und das Ende von Staffel 1, zumindest bei mir, deutlich höhere Erwartungen geweckt. Um so offensichtlicher wird der Eindruck, dass es noch eine dritte Staffel geben muss, um alle offenen Erwartungen einzulösen.
Iron Man: Armor Wars
Stefan: Panini hat einen weiteren Band in seiner sehr schönen Reihe Marve-Must-Have veröffentlicht. Der Nachdruck der Geschichte von 1987/1988 der US-Hefte Iron Man (1968) 225 – 232 erzählt die Geschichte von Tony Stark, wie sie auch bereits im MCU angedeutet wurde: Der geniale Erfinder bereut, dass seine Waffen in die falschen Hände geraten sind und viel Leid und Tod verursachen, was zu massiven Schuldgefühlen bei Stark führt. Er will alle Rüstungen zurückholen und stoppen, dass in Zukunft weiteres Leid geschieht.
Und was für schöne Bilder und klare, einfache Geschichten sind das, die uns Bob Layton, David Michelinie, Barry Windsor-Smith, Mark Bright, Bob Sharen und Nelson Yomtov hier bieten. Von Hand gezeichnete Comics haben einfach eine viel höhere Ausstrahlung, mehr Charme, mehr Herz, Wärme und Seele! Ich habe die Lektüre sehr genossen und sie zählt völlig zu Recht zu den Marvel-Klassikern. Vor dem Start von Layton und Michelinie war Iron Man Marvel relativ egal, es verkauften sich 90.000 Hefte pro Monat, was damals wenig war. Als die beiden Künstler ihren Run beendeten, lag die Auflage bei 500.000 Stück. Dieser Comic vermittelt sehr gut, warum das so geschehen ist. Aus heutiger Sicht sehr befremdlich: ein kurzer, unironisch kommentierter, Stadtbummel am Trump-Tower vorbei und die sehr holzschnittartige Darstellung der Sowjetunion, in der jeder jeden beobachtet und übers Ohr haut.
Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Revolution
Stefan: Lesung in Hannover. Und daheim das neue Buch gelesen. Im Theater am Aegi gab es in knapp zwei Stunden Gesang, Bassgedudel, einige Kapitel aus der Känguru-Revolution und viele Szenen aus Klings-Comics wie „Elon & Jeff on Mars“ und aus den Känguru-Comics von Kling und Bernd Kissel. Schön wars. Und ermutigend für alle, die selbst schreiben und professionell lustig sein wollen: ganz, ganz, etwas zu viele von Klings-Gags beginnen mit mehr oder weniger originellen Wortspielen, entwickeln sich dann aber zu einer charmanten, eigenständigen, stimmigen Art Comedy und das gute alte politische Kabarett eines Georg Schramm, den Kling dann auch mit einem schönen Gag zitiert hat: dem Vorschlag in der SPD eine Arbeitsgruppe einzurichten: Sozialdemokraten in der SPD.
Scrubs – Die Anfänger: Neue Staffel
Stefan: Es gibt eine Neuauflage von Scrubs! Folge 1 ist bei Disney+ zu sehen und wirkt besser als ich befürchtet hatte. Sehr viel älter gewordene Darsteller erinnern Zuschauer von damals eventuell schmerzlich ans Älterwerden, dafür gibt es nun 16:9-Bilder statt 4:3, Selbstironie fürs Ältersein und die Mischung aus teils sehr albernem Humor, großer Herzlichkeit und tatsächlich relevanten Einblicken in den Dienst im Krankenhaus. Bisher eine klare Empfehlung!



