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Die drei ???: Hotel Bigfoot

Was ist eigentlich an Christopher Taubers Die Drei ???-Comics das Besondere?

Alle Abbildungen (c) Kosmos.

In Amerika gibt es die Three Investigators schon seit 1990 nicht mehr, als der Versuch, mit einem Relaunch unter dem Titel Crimebusters die Serie aufzupeppen, erfolglos beendet wurde (siehe ???-Wiki). Darin waren die Detektive etwas älter, hatten Führerscheine und interessierten sich für Mädchen. Das war ein erfrischender und zeitgemäßer Ansatz, der alte Mystery-Zauber der Robert-Arthur-Ära kam dabei aber abhanden.

Seit 1993, das dürfte bekannt sein, wird die Serie exklusiv in Deutschland weitergeführt und ist inzwischen breit aufgestellt. Neben einer stetig anwachsenden Zahl von Romanen gibt es allerhand Firlefanz wie Adventskalender oder Spielsets, Spielbücher, Socken, einen Drei ???-Ableger für Kids und eine Drei !!!-Variante für Mädchen, und natürlich die Hörspiele, der Dauerbrenner schlechthin, mit ihre ewig jugendlichen Sprechern. Brauchte es da wirklich auch noch Comics?

Die Comic-Variante von Christopher Tauber hebt schon in der Cover-Gestaltung den Hollywood/Mystery-Aspekt hervor; die Covers sind effektiv-plakativ designt im Stil von Filmplakaten, kleine Design-Meisterwerke, wie sie sich ein Fan alten Hollywood-Horrors nur wünschen kann. Der Comic selbst hatte vor allem im ersten Band dazu noch einen sehr urwüchsigen Independent-Charme: roh, einfarbig, überhaupt nicht aufpoliert, was mich sofort abholte, weil klar war: Das hier ist von Fans für Fans gestaltet. Im Crimebusters-Stil fuhren die Investigators ihr Auto zwar selbst, und Smartphones hatten sie auch noch, aber das waren auch die einzigen Zugeständnisse an zeitgemäße Verhältnisse: erzählerisch bauten Tauber und sein anfängliches Autorenteam (Ivar Leon Menger und John Beckmann) so viel altes Hollywood wie nur möglich ein und griffen dabei auch die selten genutzte Tatsache auf, dass Justus als Kind den altklugen Baby Fatso bei den kleinen Strolchen spielte – wovon er heute aber lieber nichts mehr wissen will.

„Der dreiäugige Totenkopf“ war wirklich in einem recht harten Independent-Stil gezeichnet. Schickes Lettering von Asja Wiegand.

Die Comicbände 2 („Das Dorf der Teufel“, Skript wieder Menger und Beckmann) und 3 („Das Ritual der Schlange“, erstmals Christopher Tauber und Calle Claus als Autoren) setzten stärker noch als Teil 1 auf Retro-Flair, sogar Morton, der Chauffeur der klassischen Ära, kehrt für eine Weile zurück. Diese Phase bot die grafischen Höhepunkte der Reihe, Gruselgeschichten ganz im Stil der goldenen ersten Roman-Ära, die vor allem durch die reduzierte Farbgebung visuell enorm wirksam in Szene gesetzt sind und immer noch eine ungeschliffene Rohheit haben, die für Jugendcomics eher unüblich ist. Im Gegensatz zum spröden Charme des Erstlings sind diese Folgebände dennoch zugänglicher und wirken kommerzieller, was kein Nachteil ist. Tatsächlich evozieren Band 2 und 3 unerwartet gut den Spirit von Stories wie „Die Singende Schlange“ oder „Der Phantomsee“.

Das Artwork in „Dorf der Teufel“ und „Ritual der Schlange“ ist teils ziemlich spooky. Darüber hinaus überzeugen die Geschichten mit abwechslungsreichen Layouts und guten Lettering-Ideen (immer noch von Asja Wiegand).

Mit Teil 4 haben wir zum ersten Mal eine Komplettkolorierung, was konträr zum bisherigen Gruselambiente steht und dazu beiträgt, dass die Bilder naiver wirken als bisher. Gleichzeitig ist der von Tauber und Claus geschriebene „Goldene Salamander“ der erste Fall, der in einem realistisch wirkenden Setting spielt, auch ist zum ersten Mal von Peters Ex-Freundin die Rede. Klarer Fall: wir verlassen ab hier das Retro-Gelände der frühen Ära und befinden uns jetzt auf Crimebusters-Turf. Anders ausgeleuchtet, neue Ideen, trotzdem kein Verrat an den Figuren, aber eben auch kein Stillstand, dazu sei gesagt, dass viele ???-Fans die Crimebusters-Ära für unterschätzt halten. Der Zeichenstil hat mit dem harten Crimebusters-Ansatz der 1990er allerdings nichts am Hut.

Der neueste Streich, „Hotel Bigfoot“, kehrt tendenziell wieder zum klassischen Horror zurück, zumindest insofern, dass Justus, Peter und Bob am siebten Teil einer Horror-Low-Budget-Produktion zum Thema „Bigfoot“ mitwirken. Aber auch, wenn der erste fiktive Bigfoot-Film hier als Genre-Perle gilt, so gilt das für Teil 7 sicher nicht mehr, was aber zumindest den Vorteil mit sich bringt, dass unsere Detektiv-Nerds an der Technik mitwirken dürfen. Und auch die junge Schauspielerin Lys de Kerk ist von der Partie, die Ex-Freundin von Justus aus alten Crimebusters-Tagen. Das bringt natürlich Witz und Schwung in die Story und bietet an mehr als einer Stelle die Chance, Justus als eine Art Young Sheldon in Szene zu setzen. Er kam ja schon beim „Goldenen Salamander“ nicht wirklich gut weg. An mancher Stelle übertreibt Tauber es aber auch mit den Frotzeleien zwischen den Detektiven. So schön es ist, die Jungs als echte Nerds mit echten Nöten in Szene zu setzen, auf Dauer ist „Hotel Bigfoot“ zu textlastig, vor allem, wenn die Handlung dabei auf der Stelle tritt.

Ab „Der Goldene Salamander“ sind die Investigators auch ziemliche Nerds. Und sie reden viel. Die Anspielungen auf real existierende Horrorfilme „Hotel Bigfoot“ sind allerdings genial. Farben von Adrian vom Baur, Skylar Clark und Annelie Wagner.

Dazu kommt, dass die Bilder vor Details fast bersten. Es ist natürlich Ehrensache, dass Christopher Tauber sein Hotel mit dem Teppich des Overlook-Hotels aus Stanley Kubricks Shining ausstattet, aber in der Fülle ist das zu viel. Zur Wimmel-Optik kommt die akribische Kolorierung dazu, die ebenfalls nicht gerade Ruhe in die Seiten bringt. Suspense ist da leider Fehlanzeige, womit „Hotel Bigfoot“ so ziemlich dem fünften Film der fiktiven Bigfoot-Filmreihe entspricht: Der hat zwar das alte Konzept verwässert, war aber trotzdem irgendwie lustig.

Eine Rückbesinnung auf die Stärken der herausragenden Bände 2 und 3 würde mir gut gefallen.

Launig, aber nicht spannend

6von10Die drei ???: Hotel Bigfoot
Kosmos, 2023
Text: Christopher Tauber und Calle Claus
Zeichnungen: Christopher Tauber
128 Seiten, Farbe, Softcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3440177204
Leseprobe

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