Alle Artikel mit dem Schlagwort: Parodie

Survivor Girl

Ein Genre braucht Konventionen, um sich als ein solches zu etablieren. Wiederkehrende Elemente bilden in der Zusammenschau erst ein Genre heraus, erlauben damit eine Erwartbarkeit von inhaltlichen und gestalterischen Elementen und bieten dem potentiellen Leser eine Einordnung. Wobei die Grenze,  an der die genrebildenden Elemente zu reinen Klischees verkommen, dünn ist. Der Wiedererkennungswert eröffnet jedoch auch die Möglichkeit zur Parodie, da man eben davon ausgehen kann, dass jeder und jede mit den durch den Kakao gezogenen Elementen vertraut ist. So ist es auch mit Survivor Girl, dessen Cover im besten abgegriffenen Videokassetten-Vintage-Design gestaltet ist. Da gibt es den Videothekenaufkleber, der besagt, dass das unterlassene Zurückspielen der Kassette eine Strafgebühr kostet, eine FSK-Kennzeichnung, einen Hinweis auf Bonusmaterial etc. Das lässt die Zeiten der VHS-Epidemie in den 1980ern wieder aufleben. Damals erlebte der Horror mit seinen Direct-to-video-Veröffentlichungen einen wahren Boom, von dem vor allem das Slashergenre profitierte, welches hier zusammen mit dem modernen Horrorfilm seine Parodie erfährt. Schon der Titel der Sammlung von Comic-Strips, welche ursprünglich als Webcomics veröffentlicht wurden, spielt auf die Überlebenden der Horrorfilm-Gemetzel an. …

Obacht! Lumpenpack

Schaut man in die hiesige Webcomiclandschaft, kriegt man schnell den Eindruck, ohne festen Protagonisten und irgendeine Art von (zumindest loser) Rahmenhandlung geht es nicht. Schon ein Blick in die Nachbarländer erinnert uns aber schnell daran, dass der Webcomic in seiner Frühform vor allem ein eher kolumnenartiges, kommentierendes Medium war. Dieser Ansatz ist inzwischen bei vielen Webcomics kaum noch zu erkennen. Mit Keate Beatons Obacht! Lumpenpack (Hark! A Vagrant) kommt nun einer der international bekanntesten Vertreter dieser „urtümlichen“ Gattung endlich auch bei uns an.

Rudi Fett & Komplett

Als sich der spitznäsige Berufsjugendliche Rudi und dessen Kumpel Fred in ihrem ersten Comic in die rechte Kneipe „Bunker“ verirrten, konnte man als Leser sicher noch nicht erahnen, dass Peter Pucks Schöpfung über viele Jahre hinweg den deutschen Comic mitprägen sollte. Die erste Rudi-Erzählung erschien 1985 im Stuttgarter Stadtmagazin live, fortan veröffentlichten diverse Magazine die monatlichen Episoden und natürlich wurden diese in Sammelalben nach und nach gebündelt. Puck verfeinerte seinen Stil und Rudi mauserte sich bis in die 2000er Jahre hinein zu einer der aufregendsten und innovativsten deutschen Produktionen. Nach einigen Nominierungen wurde dem Künstler 2002 dann endlich der Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic-Künstler verliehen. Völlig zu Recht, wie ein jetzt in der Egmont Comic Collection vorgelegter Gesamtband eindrucksvoll dokumentiert.