Alle Artikel mit dem Schlagwort: okay (4-6 Punkte)

Der Dschungel

Am Anfang von Upton Sinclairs Roman Der Dschungel von 1906 steht eine Hochzeit, wie sie im modernen Europa schon lange nicht mehr üblich ist. Jurgis, der Bräutigam, ist ein Hüne mit buschigen Brauen, er „konnte ein 250 Pfund schweres Rinderviertel aufheben und in einen Wagen tragen, ohne dass er wankte oder dass es ihm überhaupt irgendetwas ausmachte“. Ona dagegen, die Braut, „war so jung – noch nicht ganz 16 – und klein für ihr Alter, eigentlich noch ein Kind“. Eine ungleiche Konstellation, und doch ist die Hochzeit einer der wenigen glücklichen Momente des Romans. Ona war an diesem Abend „so strahlend vor Glück, dass ihr Anblick fast wehtat“. Es sind brave Leute: Einwanderer aus Litauen, die sich an den Chicagoer Schlachthöfen ein geregeltes Einkommen erhoffen und von einem Leben im eigenen Häuschen träumen.

Rider on the Storm 2 – London

Gerade noch mit dem Leben davongekommen, erwacht Gaspard Sarini mit gebrochenem Arm und einer Kopfverletzung in einem Londoner Krankenhaus. Nachdem es dem Rennfahrer im ersten Band gelang, die Polizistin Jade Antoine von seiner Unschuld am Mord seiner Eltern zu überzeugen, ermittelt sie weiterhin in Brüssel und zweifelt zunehmend an ihrem Chef Raoul de Groot, der tief in den Fall verstrickt zu sein scheint, während der junge Rennfahrer in London das Geheimnis um die Ermordung seiner Eltern zu lüften versucht. Doch die Zeit drängt, denn auch der Protagonist wäre beinahe Opfer des unbekannten Mörders geworden, dessen Freunde womöglich einflussreicher sein könnten, als bisher angenommen. „Into this house we’re born / Into this world we’re thrown […] There’s a killer on the road” – die Zeilen aus Riders on the Storm, Jim Morrisons Schwanengesang, kurz vor seinem Ableben im Juni 1971 in Frankreich verfasst und aufgenommen, liest sich wie eine Zusammenfassung der Geschichte um den Motorradrennfahrer Gaspard Sarini und es verwundert, dass die drei noch lebenden Mitglieder von The Doors, Ray Manzarek, John Densmore und Robby Krieger …

ich kaufe ein A und möchte lösen

Es war in den 1990er Jahren, dass ich ein kleiner Berufsschüler war, der im Unterricht seine Arbeitsblätter mit Strichmännchen und gruseligen Figuren vollmalte. Irgendwann, sagte ich damals zu meinem Banknachbarn, werde ich mit solchen Comics mein Geld verdienen. Der meinte trocken, da müssten die Texte aber schon ziemlich gut sein. Tja, aus meinen Träumen ist ja nun nichts geworden, doch der Jaja-Verlag aus Berlin zeigt uns jetzt schon seit Jahren: Möglich ist das schon. Jüngstes Beispiel ist Lea Wegners Ich kaufe ein A und möchte lösen, ein kleines handgemaltes Machwerk (so bezeichnet der Jaja-Verlag selbstironisch seine Bücher), das mancher Fan von Splitters Gesamtausgaben wahrscheinlich in 100 Jahren nicht anfassen würde.