Alle Artikel mit dem Schlagwort: Independent

Wie nennen wir uns?

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich gerade Independent Comics häufig aus dem persönlichen Erfahrungsschatz eines Künstlers speisen. Das kennt man von den autobiografischen Arbeiten von Künstlern wie Robert Crumb, Chester Brown oder Joe Matt und findet seine Entsprechung auch in den Reportagen von Joe Sacco, Guy Delisle oder Sarah Glidden, die ebenfalls ihre subjektiven Eindrücke zeigen, allerdings in einem weiter gefassten Kontext. Natürlich ist die Qualität dieser persönlichen Betrachtungen extrem unterschiedlich, aber eine Gemeinsamkeit haben sie alle: Die Künstler wollen ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich gerade Independent Comics häufig aus dem persönlichen Erfahrungsschatz eines Künstlers speisen. Das kennt man von den autobiografischen Arbeiten von Künstlern…

Trash Days

Jedesmal, wenn ich mir Trash Days, einen Indie-Comic von 2015, näher ansehe, muss ich an Kollege M. O. Frischs Forderung „Wir brauchen mehr Scheiß“ vom Sommer letzten Jahres denken. Larrere liefert exakt das: echten Genre-Scheiß, der viel Gewalt und gute Laune verspricht und nicht gerade den Eindruck macht, prätentiös werden zu wollen – und das obwohl der Autor im Vorwort das Unwort „Graphic Novel“ mehr als einmal verwendet. (Das finde ich aber okay, es entspricht dem Credo „Gibt man dir liniertes Papier, schreibe quer über die Zeilen“. Die Geschmackspolizisten, die über das Wort Graphic Novel die Nase rümpfen, sind schließlich manchmal auch das, was sie meinen, kritisieren zu müssen: Snobs, und elitäre Spießer). Jedesmal, wenn ich mir Trash Days, einen Indie-Comic von 2015, näher ansehe, muss ich an Kollege M. O. Frischs Forderung „Wir brauchen mehr Scheiß“ vom Sommer letzten Jahres denken. Larrere…

Kleine Satelliten

Ist das noch Comic? Bei der vorliegenden Gemeinschaftsproduktion des  amerikanischen Underground-Comiczeichners Warren Craghead III und der deutschen Lyrikerin Lydia Daher ist die Frage berechtigt, denn Kleine Satelliten ist weniger ein Comic als vielmehr ein Lyrikband, der sich im Grenzereich dessen, was Comic sein kann, anlagert. Er enthält anteilig Spuren von illustrierter Literatur als auch Anteile konkreter Lyrik, gleichzeitig ist aber durchaus auch eine Nähe zum Indie-Comic zu erkennen. Ist das noch Comic? Bei der vorliegenden Gemeinschaftsproduktion des  amerikanischen Underground-Comiczeichners Warren Craghead III und der deutschen Lyrikerin Lydia Daher ist die Frage berechtigt, denn Kleine Satelliten ist weniger ein…

Da wird sich nie was ändern!

Da wird sich nie was ändern! ist ein weiterer Beitrag zum Subgenre des Wendecomics. Der Zeichenstil der Comicdebütantin Ulla Loge ist dabei dem von Mawil nicht unähnlich, dessen viel beachtetes Kinderland ebenfalls in der späten DDR spielte. Bei aller stilistischen Verwandtschaft wirkt Ulla Loges Comicdebut aber eher wie das kratzbürstige Gegenstück zu Kinderland. Das ist ein Glücksfall, denn es erweitert den Blick, wenn man die beiden Comics parallel liest. Da wird sich nie was ändern! ist ein weiterer Beitrag zum Subgenre des Wendecomics. Der Zeichenstil der Comicdebütantin Ulla Loge ist dabei dem von Mawil nicht unähnlich, dessen viel beachtetes…

Comics und Musik – Interview mit Fabian Stoltz

Es war 2008 in Erlangen auf dem Comic-Salon, dass ich Fabian Stoltz zum ersten Mal traf. Damals kam gerade Fabians viertes Heft seiner Geschichten aus den Neunzigern beim Schwarzen Turm heraus, eine Indie-Serie, die ich seit ihrer ersten Nummer verfolgt hatte und die mich unter anderem inspirierte, selbst einmal das Zeichnen persönlicher Geschichten zu probieren. Ich trug damals einige meiner selbst gestalteten Seiten mit mir herum und suchte das Gespräch mit sympathischen Künstlern abseits der Großverlage, um deren Meinung zu meinen Gehversuchen einzuholen. Das hat neben vielen konstruktiven Rückmeldungen zu einigen netten Gesprächen geführt und mir von Fabian die abgebildete Zeichnung eingebracht. Es war 2008 in Erlangen auf dem Comic-Salon, dass ich Fabian Stoltz zum ersten Mal traf. Damals kam gerade Fabians viertes Heft seiner Geschichten aus den Neunzigern beim Schwarzen Turm heraus,…

U-Comix 189

Das 1969 im Geist der 68er-Gegenkultur von Raymond Martin gegründete Magazin U-Comix machte sich um die Comickultur verdient, indem es deutschen Lesern amerikanische Undergroundcomix und neue, innovative Erwachsenencomics aus Frankreich zugänglich machte. Ab 1980 erschien das Heft regelmäßig, zunächst im Volksverlag, später im Alpha Comic Verlag und brachte es zu hohen Auflagen und etlichen Konflikten mit dem Jugendschutz. Ab Mitte der 1980er Jahre diente das Heft auch zunehmend als Plattform für deutschsprachige Künstler, ehe es 1997 eingestellt wurde. 16 Jahre später brachte Herausgeber Steff Murschetz das Heft zurück: das neue U-Comix, von dem inzwischen acht Ausgaben vorliegen, enthält kaum ausländische Lizenzcomics, sondern besteht überwiegend aus Beiträgen einheimischer Zeichner. In einer Dialog-Rezension nehmen Stefan Svik und Thomas Kögel das aktuelle Heft unter die Lupe. Das 1969 im Geist der 68er-Gegenkultur von Raymond Martin gegründete Magazin U-Comix machte sich um die Comickultur verdient, indem es deutschen Lesern amerikanische Undergroundcomix und neue, innovative Erwachsenencomics aus Frankreich…