Alle Artikel mit dem Schlagwort: Independent

Meine Geschichten sind klüger als ich selbst! – Ein Interview mit Horus W. Odenthal

„Wenn im Wald ein Baum umfällt, und niemand ist da, es zu hören, gibt es dann wirklich ein Geräusch?“ – Horus W. Odenthal schrieb diesen Satz 2014 im Nachwort seines Urban-Fantasy-Romans Stadt des Zwielichts. Daraus spricht das dringende Bedürfnis jeden Autors, auch gelesen zu werden. Horus‘ Autorenkarriere begann in den späten 1980er Jahren mit ersten Comicprojekten wie Jarro oder Brennan Moore. Für seine dreiteilige Albenreihe Schattenreich konnte er amerikanische Küstler wie David Lapham, Alex Simmons und Colleen Doran sowie den Newsletter Comic Shop News für wohlwollende bis enthusiastische Empfehlungen seiner Serie gewinnen, später schaffte er den Sprung zu einem Großverlag, als er bei Egmont mit Wüstensöhne und Schiller zwei opulent produzierte Alben veröffentlichen konnte.

Yuggoth Rising – Erster Akt

Es ist nun sieben Jahre her, dass Sebastian „Bestie“ Dietz den ersten Band seiner auf neun Nummern angelegten Serie Yuggoth Rising in Eigenregie veröffentlichte, immerhin drei Jahre vor Alan Moores Lovecraft-Epos Providence, das erst 2015 startete. Inzwischen ist Yuggoth Rising abgeschlossen. Jetzt soll die Reihe soll nach und nach in Sammelbänden noch einmal aufgelegt werden.

Business Worm

Die Hauptfigur aus Tim Gaedkes Business Worm ist ein im Leben angekommener BWLer: Einer dieser smarten, coolen, unauffälligen Anzugträger, die dem verantwortungsvollen Job nachkommen, tagein, tagaus Aktien zu kaufen und zu verkaufen, um das liebe Geld zu vermehren. Nebenbei schlürft dieser lässige Spezialist fürs Monetäre seinen Bürokaffee, sitzt nach der Arbeit entspannt im Park, um eine zu qualmen, abends fährt er noch mit dem Taxi zum Wirt und genehmigt sich einen Drink. Irgendwann, spät abends kommt er dann heim, wo er schon freudig von seinem Sohn erwartet wird. Man verbringt noch etwas – eher etwas zu wenig – quality time miteinander, dann geht der Business Worm mit seligem Lächeln ins Bett. Oder ist das kein Lächeln, sondern nur die Perspektive, in der man seine Wurmringel sieht? Irgendetwas in dem Bild jedenfalls ist schief, und das hat nichts damit zu tun, dass uns die vorliegende Geschichte mit Tierfiguren erzählt wird. Die Irritation liegt tiefer.

„In Taipeh sind alle immer am pushen!“ – Interview mit der Künstlerin 61chi

Ein Schwerpunktthema des Münchner Comicfestivals war der Themenkomplex „Comics aus Taiwan“. Hier standen vor allem die Künstler des umtriebigen Chinabooks-Verlags im Fokus, denen je eine kleine Werkschau gewidmet wurde, darunter auch der jungen Künstlerin 61chi. Während die meisten Teilnehmer des Festivals ihren Namen wie selbstverständlich auf Englisch aussprachen („Sixtyone-chi“), ist ihr Name in Wirklichkeit weniger sperrig, als es zunächst den Anschein hat. Das chinesische Wort für die Zahl 61 lautet „liù shí yī“ und ist lautgleich zu ihrem tatsächlichen Namen, entsprechend wird ihr Name „LiuChi“ gesprochen.

ich kaufe ein A und möchte lösen

Es war in den 1990er Jahren, dass ich ein kleiner Berufsschüler war, der im Unterricht seine Arbeitsblätter mit Strichmännchen und gruseligen Figuren vollmalte. Irgendwann, sagte ich damals zu meinem Banknachbarn, werde ich mit solchen Comics mein Geld verdienen. Der meinte trocken, da müssten die Texte aber schon ziemlich gut sein. Tja, aus meinen Träumen ist ja nun nichts geworden, doch der Jaja-Verlag aus Berlin zeigt uns jetzt schon seit Jahren: Möglich ist das schon. Jüngstes Beispiel ist Lea Wegners Ich kaufe ein A und möchte lösen, ein kleines handgemaltes Machwerk (so bezeichnet der Jaja-Verlag selbstironisch seine Bücher), das mancher Fan von Splitters Gesamtausgaben wahrscheinlich in 100 Jahren nicht anfassen würde.