Alle Artikel mit dem Schlagwort: experimentell

Das lange ungelernte Leben des Roland Gethers

In Flann O’Briens Roman Der Dritte Polizist gibt es einen Kunsthandwerker, der eine handwerklich hochwertige Kassette herstellt. Danach fertigt er die perfekte Kopie dieser Kassette an, nur kleiner, damit er sie in der ersten Kassette deponieren kann. Dann kommt auch in diese Kassette eine noch kleinere Kassette hinein, dann noch eine, man kann sie nun nur noch mit starkem Vergrößerungsglas sehen, dann noch eine, inzwischen sind die Kassetten so klein, dass sie sogar in der Vergrößerung unsichtbar bleiben. Gefertigt werden diese Miniaturen in aufwendigem Verfahren mit ebenso unsichtbaren Werkzeugen – was sonst? Man kann ja sonst gar nicht mehr in die Ecken hineinarbeiten.

Lichtung

Das Beste ist das Licht: Sorgsamst inszenierte weiße Kleckse und Sprenkel, Kegel und Flure reißen hell die gedämpften blaugrünen Bilder auf. Das Zweitbeste sind die unheilvollen Landschaften: aus gekratzten und geschabten Papierstücken zusammencollagierte Wälder, Berge und Kreidefelsen, so anheimelnd wie abweisend, die mit staksigen Hochhäusern kontrastieren.

Am liebsten mag ich Monster

Manchmal ist die Entstehungsgeschichte eines Comics fast erstaunlicher und spannender als dessen Inhalt. Für Emil Ferris‘ Monumentalwerk Am liebsten mag ich Monster trifft dies in jedem Fall zu. Es ist das Comicdebüt der 56-jährigen Künstlerin, erschaffen in einer Periode von gut zehn Jahren, konsequent vorangetrieben trotz zeitweiliger Obdachlosigkeit und krankheitsbedingter Lähmung. Nachdem das erste über 400 Seiten starke Buch endlich veröffentlicht werden konnte, wurde es prompt mit u.a. drei Eisner-Awards bedacht. Diese Umstände machen Am liebsten mag ich Monster zu einem noch größeren Phänomen, als es auf Basis der Lektüre ohnehin schon ist.