Alle Artikel mit dem Schlagwort: Adaption

Hexen hexen

Hexen, sagt die Großmutter zu ihrem Enkel, gibt es in allen Ecken der Welt. Sie sind ganz normal angezogen und haben Freunde und normale Berufe, weshalb sie nur schwer zu erkennen sind. Was sie alle gemeinsam haben, ist ihr abgrundtiefer Hass auf Kinder. Man erkennt Hexen an ihren Händen, denn sie haben Krallen und krumme Finger, weswegen sie immer Handschuhe tragen. Außerdem sind Hexen kahl und tragen daher stets Perücke. Das Jucken auf der Kopfhaut treibt sie in den Wahnsinn. Ihre Nasenlöcher sind gewellt, damit sie Kinder besonders gut riechen können. Eine Hexe denkt nur an das eine: Möglichst viele Kinder verschwinden zu lassen, auszulöschen und zu zermalmen. Hexen nehmen immer die Gestalt einer Frau an. Das ist eben so. Vampire und Werwölfe sehen aus wie Männer. Hexen sehen aus wie Frauen.

Woyzeck

„Auf die Straß‘ gepisst!“ – hallt es noch immer in meinen Ohren nach, wenn ich an den ersten Kontakt mit Woyzeck denke. Damals, ich bestritt gerade mein Schulpraktikum am Schauspielhaus Hannover, führte niemand geringeres als Johann Kresnik Regie, jenes Enfant Terrible, das zuletzt wegen seines rauen Umgangstons in der Kritik stand (damals jedoch gefeiert wurde) und vor kurzem leider von uns ging. Als Erstkontakt mit dem ohnehin sehr direkten Stück sicher prägend. Allen folgenden Inszenierungen, selbst der überaus gelungenen und ähnlich in der Kritik stehenden 2012er Fassung, deren Vergewaltigungsszene einige Schüler angeblich nachhaltig traumatisierte (einige Jahre später saßen diese Schüler ausgerechnet in einem von mir geleiteten Büchner-Seminar und gaben zu Protokoll, vor allem die Eltern seien hier Ursprung des Tugendfurors gewesen – man kennt das) – oder jener Inszenierung mit der Musik von Tom Waits, gelang es nicht, eine ähnlich erdrückende Stimmung zu erzeugen. Um es mit den Worten der Theaterkollegen zu sagen: „Gäbe es eine Pause – die Zuschauer würden nicht in den Saal zurückkehren. Nun macht sich Andreas Eikenroth, nicht nur Comiczeichner, sondern …

Das Fleisch der Vielen

Zum Einstieg gleich die Gretchenfrage: Wie hast du’s mit der Adaption? Zweitklassig nur, da nacherzählt von bess’rer Originalversion? Oder weckt es gerade dein Interesse, zu sehn, mit welcher Raffinesse ein Künstler sich zu eigen macht, was sich ein anderer ausgedacht? Liest du das alte Werk zuerst, Damit den Kontext du erfährst? Oder stürzt du dich ins Neue Und scherst dich nicht um Werkestreue? Ich weiß es auch nicht, ehrlich – ich hab’s mal so, mal so. Mal macht mich nur der Ursprungstext, mal nur das neu Entstandene froh.

Die schwarzen Moore

Den französischen Starautoren und -zeichner Christophe Bec kann man wohl als einen der fleißigsten Akteure des französischsprachigen Comics bezeichnen. Neben zahlreichen abgeschlossenen Geschichten erhöhen auch noch derart viele Serien seinen Output, dass man sich fragt, woher der Mann bloß all seine Ideen nimmt. Man kann dabei nicht abstreiten, dass er sich ab und an wiederholt und bestimmte Merkmale und sein typischer Erzählstil immer wieder vorzufinden sind. Aber damit ist Bec schließlich bei den Fans erfolgreich. Und spannend sind seine Erzählungen allemal.