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Winterwelt (Classic)

Ende der 1980er Jahre tat sich der US-amerikanische Autor Chuck Dixon mit dem argentinischen Zeichner Jorge Zaffino zusammen, um für den Verlag Eclipse Comics die postapokalyptische Miniserie Winterwelt zu realisieren. Bis heute gilt diese als eine der gelungensten Versuche, eine in sich geschlossene Comic-Dystopie umzusetzen. Grund genug für Cross Cult also, den klassischen Stoff neu aufzulegen. Erstmals in deutscher Sprache kommt in diesem Zuge auch der direkte Nachfolger Wintersee zum Abdruck.

© Cross Cult

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Chuck Dixon, inzwischen ein Comic-Veteran und vor allem bekannt durch seine langen Strecken an Batman und dessen Umfeld, war zum Entstehungszeitpunkt schlichtweg begeistert von Zaffinos Zeichenkunst. Da er unbedingt mit dem Argentinier zusammenarbeiten wollte, schrieb er ihm Winterwelt kurzerhand auf den Leib. Ein Glücksfall, wie sich schließlich zeigen sollte. Der Comic zeigt eine düstere Zukunftsvision, in der die gesamte Erde von dicken Eisschichten bedeckt und in Schneemassen gehüllt ist. Die im allgegenwärtigen Weiß auftauchenden Menschen haben sich entweder zu kleineren Kolonien zusammengeschlossen oder wandern einsam als Händler umher.

Zu letztgenannter Spezies gehört auch Scully, der sich in einem Panzer fortbewegt, den Dachs Rahrah an seiner Seite hat und von Dixon vor allen Dingen als mit allen Wassern gewaschener Einzelgänger charakterisiert wird. Das ändert sich, als er eines Tages auf ein Mädchen namens Wynn trifft. Gemeinsam überwältigen sie ein paar diebische Sklavenhändler und setzen ihre Reise von nun an als Duo fort. Angefixt von der Vorstellung eines besseren, wärmeren Ortes und den Gedächtnisfetzen Wynns bezüglich fliegender Maschinen, geraten sie in einen Konflikt zwischen einem Gangsterboss und einer Sklavenfabrik, die sich hinter der Fassade eines Stadions verbirgt.

© Cross Cult

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Wynns Vergangenheit bekommt dagegen erst in der Story Wintersee größere Bedeutung, die in den USA erst 2010, acht Jahre nach Zaffinos Tod, erschien. Auch hier geht es um das vermeintliche Paradies, um einen Ort, an dem angeblich keine Kälte herrscht. Dixon gelingt in diesem Sequel nochmal ein gehöriger Twist – und das, obwohl er das Grundmotiv eigentlich annähernd wiederholt. Allerdings kommen auch einige neue Komponenten zum Tragen. Die persönliche, familiäre Verflechtung beispielsweise. Oder auch das Hervorheben der Bedeutung, die die Überreste der „alten“ Welt für das Überleben in der dystopischen Gegenwart haben. Am Auffälligsten ist jedoch, dass Dixon und Zaffino neue Designs und frische Ideen einbringen: Statt Pferden und Panzern kommen jetzt Segelflitzer und auf Kettenfahrzeugen montierte Schlachtschiffe zum Einsatz. Damit ist die Fortsetzung eine wirklich gut gemachte Ergänzung zur ursprünglichen Miniserie.

Das Grundsetting von Dixons Werk erinnert an Filme wie Mad Max oder Waterworld – ergänzt um die eisige Atmosphäre natürlich. Auch die Stimmung eines Whiteout oder The Walking Dead (beide von Cross Cult publiziert) liegt dem, trotz völlig unterschiedlichem Genre, nicht allzu fern. Dazu tragen im Übrigen auch die Schwarz-Weiß-Zeichnungen bei.

© Cross Cult

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Die Bilder von Jorge Zaffino kommen unkoloriert ausgezeichnet zur Geltung. Da Dixon die Erzählung speziell für diesen konzipiert hat, passt Zaffinos Stil perfekt zum rauen, harten Ton des Comics. Und mehr noch: Man hat beim Lesen tatsächlich das Gefühl, in die unwirtliche, klirrend kalte Welt hineingezogen zu werden. Anstelle einer vereinzelten Hervorhebung von Schnee und Eis, sind in Winterwelt die Seiten komplett in Weiß gehalten. Ein Nebeneffekt fehlender Kolorierung, der gerade einem solchen Szenario durchaus zum Vorteil gereicht. Zumindest dann, wenn, wie im vorliegenden Fall, die Arbeit des Künstlers stark genug ist, um ein Endprodukt auch allein zu tragen.

2014 kehrte Chuck Dixon endlich zu seiner Schöpfung zurück und entwickelte eine neue Winterwelt-Ongoing für den US-Verlag IDW, die er diesmal mit Zeichner Butch Guice (Captain America) realisierte. Diese lässt sich weitgehend unabhängig von der klassischen Serie lesen, stellt aber dennoch eine mehr oder weniger direkte Fortsetzung dar. Die neue Winterwelt-Offensive beschränkt sich allerdings nicht auf diese neue Comicserie (deren Auftaktband ebenfalls schon bei Cross Cult auf Deutsch vorliegt), sondern erstreckt sich auch auf einen kürzlich veröffentlichten Roman Dixons, der die Herkunftsgeschichte von Scully nacherzählt, und eine geplante TV-Serien-Adaption des Stoffes.

Starke Gesamtausgabe mit beiden Ur-Serien, Pin Ups und einem Porträt Chuck Dixons

Winterwelt (Classic)
Cross Cult, 2015
Text: Chuck Dixon
Zeichnungen: Jorge Zaffino
Übersetzung: Saskia Funke
152 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-86425-590-8
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