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Trash Days

Jedesmal, wenn ich mir Trash Days, einen Indie-Comic von 2015, näher ansehe, muss ich an Kollege M. O. Frischs Forderung „Wir brauchen mehr Scheiß“ vom Sommer letzten Jahres denken. Larrere liefert exakt das: echten Genre-Scheiß, der viel Gewalt und gute Laune verspricht und nicht gerade den Eindruck macht, prätentiös werden zu wollen – und das obwohl der Autor im Vorwort das Unwort „Graphic Novel“ mehr als einmal verwendet. (Das finde ich aber okay, es entspricht dem Credo „Gibt man dir liniertes Papier, schreibe quer über die Zeilen“. Die Geschmackspolizisten, die über das Wort Graphic Novel die Nase rümpfen, sind schließlich manchmal auch das, was sie meinen, kritisieren zu müssen: Snobs, und elitäre Spießer).

Alle Bilder © Christian Fernández Larrere

Christian Fernández Larrere ist ein echter Quereinsteiger in der deutschen Comicszene. Geboren und großgeworden ist er in Chile, wo er Communicador Audiovisual an der Hochschule studierte und anschließend an diversen Independent-Filmen, Dokumentationen und Videoclips als Regieassistent beteiligt war. Vor ein paar Jahren jedoch hat ihn die Liebe nach Regensburg, Bayern, verschlagen. Von dort schickt er seine Comicskripte an befreundete Zeichner, die seine Skripte in Comics verwandeln. Trash Days war sein erstes Projekt, 2017 soll ein Western folgen.

Trash Days handelt, grob umrissen, von zwei Auftragkillern, die auf Sachen wie Rockabilly und Johnny Cash stehen. Natürlich ist das alles schwer inspiriert von Quentin Tarantino; Crash und Burn sind quasi Mr Blonde aus Reservoir Dogs in doppelter Ausführung als Zwillingspärchen. Beide würden dir ohne mit der Wimper zu zucken ein Ohr abschneiden und dabei Stuck in the middle with you singen – und wenn sie dann noch nicht zufrieden sind, zünden sie dich auch noch an. Echte Herzchen eben.

Die erzählerische Qualität von Trash Days ist recht heterogen, da Christian Fernández Larrere nur der Herausgeber des kleinen Büchleins ist. Die einzige Geschichte, die er selbst geschrieben hat, ist das 19-seitige „Mobstyle“, in dem die beiden Fieslinge einer Boy Band im Auftrag der Plattenfirma auf die Füße treten. Die anderen Stories schlagen natürlich einen ähnlichen Ton an, tragen aber dennoch jeweils eine unterschiedliche Handschrift.

Die erste Story ist fast schon populistsch: Crash and Burn massakrieren ein Boot voll mit Millionären, die sich dafür feiern, das „arme Gesindel“ nach Strich und Faden abgezogen zu haben. Die zweite Story wirkt eher wie ein Trailer, so gerafft ist Crash and Burns Begegnung mit Zombies während eines Psychobilly-Konzerts auf einer Palmeninsel. Die dritte Story ist eine Miniatur, die Crash and Burn beim Foltern zeigt,  und Story 4 ist ein kleines, offensichtlich mangainspiriertes Intermezzo, aus dem ich nicht recht schlau werde. Crash and Burn sind jedenfalls nicht drin, dafür aber eine Killerin, die wie Uma Thurman in Kill Bill mit dem Motorrad durch die Gegend düst. Höhepunkt des Comicbands ist die 26-seitige Story „Der Auftrag Johnnie Walker“, in dem die beiden Todesengel eine Biographie verpasst bekommen. Das ist nicht schlecht erzählt und schön expressiv gezeichnet, trotzdem sollte man einen Hang zu unmoralischen Stories mit sadistischen Hauptdarstellern haben, sonst vergeht einem schnell das Lachen.

Und damit habe ich erst einmal genug von diesen beiden pomadigen Psychopaten. Sollte Larrere einmal planen, einen Thriller zu schreiben, hat er immerhin schon einmal zwei etablierte Figuren, die dem Leser bereits bei der bloßen Erwähnung des Namens die Haare zu Berge stehen lassen. Vorweggenommene Charakterisierung sozusagen, ein erzählerischer Shortcut, mit dem sich gezielt eine Erwartungshaltung schüren lässt. Ein weiteres Comicbüchlein mit diesen beiden Arschlöchern würde ich nicht lesen wollen, dafür ist mir das nicht lustig genug. Wer aber mal eine Infusion mit Geschmacklosigkeiten braucht, der liegt mit dem Band goldrichtig.

Derber Trash mit fiesen Antihelden. Für Fans der frühen Tarantino-Filme.

Crash and Burn – Trash Days
TheNextArt, 2015
Text: Christian Fernández Larrere u.a.
Zeichnungen: Bastian Brauning u.a.
112 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 8 Euro
ISBN: 978-3-939400-83-7
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