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Sintflut

Was passiert mit unserer Erde nach der ganz großen Katastrophe? Diese Frage birgt für Verfasser phantastischer Literatur seit jeher einen schier unendlichen Quell der Inspiration. Im vorliegenden Fall ist es mal wieder eine klimatische Apokalypse, die über den blauen Planeten hereinbricht. Nach nicht enden wollendem Regen sucht die Zivilisation Schutz im Weltall wie auch in Unterwasserstädten.

© Splitter Verlag

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Um die tatsächlichen Geschehnisse, die diese Verlagerung der bewohnten Gebiete notwendig machte, geht es in der zweiteiligen Erzählung von Autor Nicolas Pona (Das Reich Sienn) und Zeichner Jesus Hervás Millán jedoch gar nicht. Der Comic spielt zu einer Zeit, in der die Sintflut offenkundig viele Generationen zurückliegt. Menschen und andere Lebewesen haben sich längst in dieser neuen Welt eingerichtet und, dank Genetik und technologischem Fortschritt, weiterentwickelt. Das führt in den schlimmsten Auswüchsen mitunter sogar zu hochgezüchteten Mensch-Roboter-Fisch-Hybriden.

In dieser gefährlichen Welt sitzt der Nomade Jason mitten auf dem Meer auf dem Deck seines Kutters und angelt in aller Seelenruhe. Der Umstand, dass urplötzlich eine gigantische Seeschlange auftaucht, wird nur durch ein herabstürzendes Raumschiff übertroffen, welches die Schlange niedermäht und direkt neben Jason ins Wasser einschlägt. Schnell stellt sich heraus, dass eine Frau, der Klon Normaée, die einzige Überlebende ist. Als opportunistischer Alleingänger, der nur versucht über die Runden zu kommen, erhofft sich Jason bei der Plünderung des Raumschiffs den ein oder anderen Gewinn abgreifen zu können. Doch Normaée ist ganz und gar nicht wehrlos. Und sie hat eine geheime Mission, für deren Erfüllung sie bessere Chancen mit Jason an ihrer Seite sieht. Die beiden bilden fortan also eine Zweckgemeinschaft.

Die ersten Seiten von Sintflut sind aus meiner Sicht die gelungensten, da hier die Idee, einer unwirtlichen Umgebung mit einem originellen und unbedarften Storykonzept entgegenzutreten, wirklich gut funktioniert. Zudem zeigt Jesus Hervás Millán, dass er auch ohne viel Erfahrung ein richtig guter Zeichner ist.

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Sowohl auf zeichnerischer wie auch auf narrativer Ebene gibt es in diesem Comic vereinzelt immer mal wieder solche einfallsreichen, cleveren Highlights. Und man muss dem Kreativduo auch zugute halten, dass es ein völlig eigenständiges Universum erschaffen hat, das mit dem Leben auf der Erde, wie wir es kennen, praktisch nichts mehr zu tun hat. Die Kehrseite dabei ist, dass der Plot auch auf einem x-beliebigen anderen Planeten spielen könnte. Deshalb ergeht sich Sintflut auch bevorzugt in mainstreamigen Sci-Fi-Geplänkeln und einem überfrachteten Handlungsraum.

Unterwasserpanorama hier, Laserwaffen dort; so richtig zünden will die Mission rund um die beiden Hauptprotagonisten nicht. Und das, wie gesagt, trotz der regelmäßig aufblitzenden grafischen und inhaltlichen Feinheiten, die durchaus zu gefallen wissen. Vielleicht wäre für dieses Comicprojekt eher eine breiter angelegte Serie ratsam gewesen, in der mehr Zeit für Hintergründe und fundierte Charakterisierungen gegeben ist.

So bleibt jedoch der Eindruck eines zwar grafisch geglückten Albums, das aber inhaltlich nicht mehr als relativ solide Sci-Fi-Kost abliefert.

Story mit Schwächen, Bilder sehr gut; Leser die sich von der apokalyptischen Grundidee angesprochen fühlen, sollten zumindest mal einen Blick riskieren

Sintflut
7von10Splitter Verlag, 2014
Text: Nicolas Pona
Zeichnungen: Jesus Hervás Millán
Übersetzung: Swantje Baumgart
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-95839-016-4
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