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Safari Honeymoon

Eigentlich wollten sie nur ihre Flitterwochen an einem exotischen Ort verbingen, doch plötzlich geht es für ein Ehepaar ums nackte Überleben. Das hätte man allerdings voraussehen können, hat es sich als Ausflugsort doch das scheinbar tödlichste Fleckchen Natur ausgesucht, das man sich vorzustellen vermag. Da hilft auch der – zugegeben kompetente – Guide, den das Paar engagiert hat, nur noch bedingt.

Alle Abbildungen: © Rotopolpress, Jesse Jacobs

Alle Abbildungen: © Rotopolpress, Jesse Jacobs

In Safari Honeymoon, dem zweiten Werk des kanadischen Künstlers Jesse Jacobs in deutscher Übersetzung (nach dem Band Hieran sollst du ihn erkennen) dreht sich alles um eine extrem widerspenstige Flora und Fauna. Und um zwei Touristen, die sich aus irgendeinem Grund freiwillig dieser feindlichen Umgebung aussetzen. Anfangs geht das noch ganz gut; man geht auf Großwildjagd, schläft im Zelt und macht ein Picknick. Doch alles wird plötzlich immer noch verrückter, aus jedem Erdloch könnte ein riesiges Krabbeltier herausspringen, hinter jedem Busch lauert eine neue Gefahr. Und wenn man Pech hat, wird selbst der Busch lebendig und trachtet einem nach dem Leben. Zudem droht permanent Parasitenbefall. Und bei der Nahrungsaufnahme sollte man unbedingt bedenken, dass jedwedes Tier, Pflanze oder Frucht grundsätzlich giftig ist. Wo haben sich die Eheleute da nur hineinmanövriert?

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Jacobs führt in seinem Werk den Kampf des Menschen gegen die Natur auf und macht daraus ein surreales Abenteuer. Die Figuren in diesem Stück werden sukzessive durch die Hölle des allgegenwärtigen Grüns getrieben. Dort, wo alles organisch ist und vegetiert, wo alles in Bewegung zu sein scheint. Eine nicht zu unterschlagende Rolle nimmt hier der Guide ein, der sich bestens in seinem Gebiet auskennt und mit den beiden Eheleuten gemeinsam ein verhängnisvolles Trio bildet, das seinen Antrieb wahlweise aus Neugierde und Lebensmüdigkeit speist. Ja, die Natur ist in diesem Comic völlig abgehoben, erhebt sich zu gigantischen Gebilden, ordnet sich zu geometrischen Formen, durchlebt stetig Metamorphosen. Alles in allem ein Albtraum, von dem die Menschen unweigerlich mitgerissen werden und mit dem sie sich letzten Endes engagieren dürfen. Auf dem Weg dorthin müssen sie einen schrägen Trip überstehen, der dem Leser von Safari Honeymoon die ein oder andere absurde Situationskomik offenbart.

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Die Comics von Jesse Jacobs sind aber ohnehin nicht dafür prädestiniert, dass man nach logischen Merkmalen und Charakteristiken sucht. Vielmehr nimmt der Zeichner einen mit seinen grün unterlegten Bildern auf eine Reise mit, auf die man sich die Stimmung betreffend einlassen sollte. Und in dieser Hinsicht ist Safari Honeymoon ein bestechendes Kunstwerk, vor allem weil es grafisch so überbordend und einnehmend gestaltet ist, aber für meine Begriffe auch deswegen, weil die oft fragmentierten Szenen verknüpft mit den merkwürdigen Figuren und den trockenen Texten zu einem herrlich anarchischen Gesamteindruck führen.

Absurder, surrealer Safari-Horror, äußerst kreativ dargereicht

Safari Honeymoon8von10
Rotopolpress, 2014
Text/Zeichnungen: Jesse Jacobs
Übersetzung: Michael Meier
80 Seiten, zweifarbig, Softcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-940304-93-3
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