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Roma 1: Der Fluch

Der Titel dieser neuen Serie, Roma, sagt eigentlich schon alles. Und wieder auch nichts. Durch ihn und das Cover werden im ersten Moment Erwartungen geweckt, dass es hier auf der Inhaltsebene um das antike Rom geht. Doch der erzählerischen Möglichkeiten gibt es viele, wenn man eine Serie einfach nur nach einer Stadt benennt, deren Geschichte Jahrtausende umfasst. Man ist also gespannt, welcher historischen Ereignisse sich das Künstlerteam annimmt.

Alle Abbildungen © Splitter Verlag

Doch dann kommt schon die erste Überraschung, denn schon auf der ersten Seite wird man in den trojanischen Krieg geworfen. Der Krieg, den Homer in der klassischen Sage detailliert beschrieb, und der Achilles, Odysseus, Hektor, Agamemnon usw. unsterblich machte. Aber was hat denn das mit Rom zu tun? Troja liegt nicht mal im selben Land (sondern auf dem Gebiet der heutigen Türkei). Ist dieser Rückgriff auf einen noch älteren Ort als Rom ein Hinweis auf den Eklektizismus der römischen Kultur? Denn die Römer übernahmen Einflüsse aus jeder Kultur,  mit der sie in Verbindung traten. So ist es kein Wunder, dass die römischen Götter sehr denjenigen der Griechen ähneln und eigentlich nur andere Namen besitzen.

Wenn man nun den trojanischen Krieg im homerischen Sinne als Sage, als eine Art Fantasy betrachtet, so hätte es sinnvoll werden können die mythologischen Gründer der Stadt Rom, Romulus und Remus, zu den Hauptfiguren zu machen, deren Geschichte mit Troja verknüpft ist. Doch diese werden nur am Ende des ersten Bandes von Roma kurz erwähnt. Bis dahin bleibt man in Troja. Die Stadt wird von den Griechen belagert und die Freunde Leonidas (nein, nicht der gleichnamige König von Sparta) und Aquilon sind einflussreiche Männer, die aus dem Krieg durchaus ihren Nutzen ziehen. Eines Tages kommen zwei junge Mädchen in die Stadt und versprechen Rettung, wenn im Ausgleich eine Kultstatue nach Troja gebracht und nach strengen Regeln behandelt wird. Doch diese Statue bringt auch einen Fluch mit sich.

Schon anhand der kurzen Inhaltsangabe merkt man: dies ist kein reiner Historycomic. Was im Falle von Troja auch schwer umzusetzen wäre, denn neben den archäologischen Befunden gibt es eigentlich nur die Sage von Homer. So wird die Geschichte mit einem ordentlichen Schuss Fantasy angereichert und ein Fluch der Götter thematisiert, der eigentlich nur zwei Männern gilt, aber eine ganze Stadt trifft. Als Auftakt einer neuen Reihe um die Geschichte Roms ist das dramaturgisch etwas schwach und an einem sehr dünnen Faden herbeigezogen. Letztlich basiert das ganze Konzept darauf, dass besagter Fluch auch die Nachkommen von Leonidas und Aquilon treffen soll, und diese gehören zu jenen Familien, welche einst Rom gründen werden. Genau an dieser Stelle verweist man auf eine andere Gründungslegende der Ewigen Stadt: dass sie von trojanischen Flüchtlingen gegründet sein soll. Man verwebt also Legenden mit antiker Mythologie und einigen wenigen historischen Fakten. So werden eher Fantasyfans angesprochen, und letztlich hinterlässt die Lektüre ein überwiegend schales Vergnügen.

Die Zeichnungen sind ansehnlich, zeigen aber nicht immer, was im Text behauptet wird. Als ob sich der Zeichner manchmal dem Skript widersetzte. Vielleicht wollte er auch einfach nur Ordnung in einen Text bringen, an dem nicht weniger als vier Personen beteiligt waren. Diese mangelnde Geschlossenheit ist symptomatisch für den ganzen Band. Es bleibt also noch gehörig Luft nach oben.

Vielleicht bessert sich das in den folgenden Ausgaben von Roma, denn jeder Band wird eine in sich abgeschlossene Geschichte von einem wechselnden Kreativteam enthalten. Dabei will man sich einschneidender Ereignissen in der Geschichte Roms annehmen und sich erzählerisch bis in die Gegenwart und sogar in die Zukunft vorarbeiten.

Hier bleibt noch viel Luft nach oben, und trotz des recht offenen Themas, fühlt es sich an, als ob dieses verfehlt wird.

Roma 1: Der Fluch
Splitter Verlag, 2016
Text: Éric Adam, Pierre Boisserie, Didier Convard, Gilles Chaillet
Zeichnungen: Régis Penet
Übersetzung: Monja Reichert
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-95839-362-2
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