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Peter Pan Gesamtausgabe

Im Jahre 1990 begann der französische Künstler Régis Loisel die Arbeit an seinem bislang größten Epos. Gut 14 Jahre später sollte seine Interpretation des Kinderbuch-Klassikers Peter Pan ihren Abschluss finden. Alle sechs Alben wurden jetzt in der Egmont Comic Collection nochmal in einer zweibändigen Gesamtausgabe aufgelegt.

© Egmont Comic Collection

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Noch während seiner Tätigkeit an der viel beachteten Reihe Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, die er zusammen mit dem Szenaristen Serge Le Tendre umgesetzt hat, begann Loisel die Vorarbeit an seinem Herzensprojekt Peter Pan. Die recht freie Adaption des Stoffes von James Matthew Barrie ist stilistisch von der Zeichentrickversion Walt Disneys inspiriert, fokussiert sich allerdings auf die Vorgeschichte des Jungen, der nie erwachsen werden möchte. Woher kommt Peter? Wie kam er nach Neverland? Und wie verlor Hook seine Hand? Es sind diese Fragen, die Régis Loisel in seinem ambitionierten Werk umtreiben. So beginnt sein Comic mit einem bemitleidenswerten Straßenjungen, von der Mutter ungeliebt, in miesen Verhältnissen lebend. In den dunklen Gassen im London des späten 19. Jahrhunderts wird Peter von der kleinen Fee Tinkerbell in eine phantastische Welt jenseits der rauen Realität seiner Heimat entführt. Auf der Insel Neverland existieren neben allerlei Fabelwesen auch Indianer und Piraten. Letztere angeführt von einem bösen Kapitän, dessen einziges Ziel es ist, den geheimnisvollen Schatz der Insel aufzuspüren.

© Egmont Comic Collection

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Loisels Peter Pan beschreibt die Hintergründe der bekannten Figuren und verleiht ihnen somit eine gewisse Tiefe. Mit seiner sich über sechs Alben erstreckenden Handlung endet er im Prinzip an der Stelle, wo Barries Urversion beginnt. Dabei springt der Franzose immer wieder zwischen den beiden, auch optischen, Kontrasten des kühlen, finsteren London (sogar Jack the Ripper ist hier Bestandteil der Story) auf der einen und dem bunten, abenteuerlichen Neverland auf der anderen Seite. Peter, als Springer zwischen den Welten, verleiht beiden Seiten durch seine Präsenz eine gewisse Glaubwürdigkeit. Hier das Kind, dessen Jugend geraubt wird, dort das Kind, das seinem Spieltrieb Ausdruck verleihen darf. Insofern ist Loisels Interpretation Peter Pans vielleicht die realistischste, da nachvollziehbarste. Und das, ohne die zugrunde liegende Naivität der Figuren und den Fantasyaspekt einzuschränken.

© Egmont Comic Collection

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Man merkt der Serie an, dass sich der Künstler viel Zeit gelassen hat, um seine unverwechselbare Vision zu Papier zu bringen. Das gilt aber nicht nur für die ausgefeilte Story, sondern umso mehr für die Zeichnungen. Loisels Strich bewegt sich gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen Detailreichtum und Überzeichnungen. Auch auf dieser Ebene zeigt sich der starke Kontrast zwischen dem präzise dargestellten Bild der verkommenen Großstadt und der Fabulierfreude in der Welt außerhalb.

Die Gesamtausgabe von Egmont beinhaltet neben allen sechs Alben auch einen auf beide Bände aufgeteilten redaktionellen Beitrag von Volker Hamann, in dem ausführlich über den privaten und beruflichen Werdegang von Régis Loisel sowie über dessen langjährige Arbeit an Peter Pan berichtet wird.

Eine Comicserie, die zu Recht als Meisterwerk gilt, in einer verdienten Gesamtausgabe

Peter Pan Gesamtausgabe
Egmont Comic Collection, 2014
Text und Zeichnungen: Régis Loisel
Übersetzung: Eckart Sackmann
Preis: je 29,99 Euro

Band 1
184 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-7704-3833-4

Band 2
168 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-7704-3834-1
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