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Friends

Im Sommer 2012 wurde im Zuge der Ermittlungen rund um die rechtsextreme Terrorzelle NSU bekannt, dass zwei Polizisten aus Baden-Württemberg Verbindungen zum rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan hatten. Auf dieser Nachrichtenmeldung gründet Jan Soeken seinen Comic Friends – der allerdings nichts mit einer Reportage oder einer Dokumention zu tun hat.

© Jan Soeken/Avant-Verlag

© Jan Soeken/avant-verlag

Im Gegenteil: Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist deutlich fiktiv, auch wenn es eingangs heißt, sie orientiere sich an einer wahren Begebenheit. Wir sehen zwei Männer im klassischen Ku-Klux-Klan-Outfit (weiße Kutten mit spitzen Kapuzen), die im Wald unterwegs sind. Aus ihren Dialogen erfährt man, dass sie zu einem Treffen des Klans wollen, auf dem sie in den Geheimbund eingeführt werden sollen. Dorthin werden sie allerdings im Verlauf des Comics nicht gelangen, denn das ein oder andere Missgeschick gerät zum unüberwindlichen Hindernis für die beiden.

Hermann und Thomas, wie Jan Soeken die Protagonisten seiner kurzen Geschichte nennt, werden hier nicht als gefährliche Nazis gezeigt; rechtsradikales oder rassistisches Gedankengut äußern die beiden an keiner Stelle. Vielmehr zeigt der Comic zwei äußerst durchschnittliche Typen mit sehr banalen Problemen und Fragen: „Meinst du, da sind auch Frauen im Klan?“, fragt Thomas, und Hermann antwortet: „Heute ist ja erstmal Kennenlernabend. Da kann man ja mal gucken. Is ja alles drin, nö!“

Diesen Tonfall behält der Comic bei, wenn er die beiden in einen trotzköpfigen Streit geraten lässt und sie mit einem seltsamen Hundezwinger mitten im Wald konfrontiert. Sie sind ganz normale Typen, ein wenig trottelig vielleicht, aber nicht dem Klischeebild des rechten Verfassungsfeindes entsprechend. Es ist die vielzitierte „Banalität des Bösen“, die Soeken hier mit einem sehr trockenen Humor ins Bild setzt.

© Jan Soeken/Avant-Verlag

© Jan Soeken/avant-verlag

Sein Zeichenstil mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein: Sehr simple Bleistiftzeichnungen, ein wenig an Aisha Franz erinnernd, aber noch naiver, noch näher an Kinderzeichnungen. Soeken wechselt kaum einmal die Perspektive, zeigt seine Figuren fast immer seitlich in der Halbtotalen. Das wirkt dröge, passt aber perfekt zum Inhalt: Das Unspektakuläre und Simple von Hermanns und Thomas‘ Existenz setzt sich in den Zeichnungen fort. Soekens Bilder sind ebenso deadpan wie sein Humor. Und wenn gegen Ende dann doch einmal die Perspektive wechselt, wenn Regen einsetzt und sich die Stimmung ändert, dann hat das einen umso stärkeren Effekt.

Dass die Kuttenträger des Klans viel komisches Potenzial haben, hat nicht zuletzt Quentin Tarantino in einer langen Szene in Django Unchained gezeigt. Auch Jan Soeken macht sie zu Witzfiguren, setzt dabei aber weniger auf Pointen und Schenkelklopfer, sondern auf kleine Absurditäten und trockene Dialoge. Und am Ende sind Thomas und Hermann das, was eigentlich alle Nazis sind: kleine, traurige Würstchen.

Extrem trockene Satire gegen Rechts

Friends
avant-verlag, 2014
Text und Zeichnungen: Jan Soeken
48 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-945034-14-9
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