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Frankenstein Underground

Die Geschichte von Viktor Frankenstein und dessen künstlich erschaffenem Wesen wurde erstmals in Mary Shelleys berühmten Roman erzählt. Seitdem fasziniert das im Labor gezüchtete „Monster“ die Menschen und dient bis heute als Inspiration für direkte Adaptionen wie für eher freie Interpretationen. Schließlich geht es im Kern um eine Kreatur, deren Existenz die Frage nach der Moral und den Grenzen des menschlichen Forscherdrangs stellt. Ein Thema, das niemals an Aktualität verliert.

Alle Abbildungen: © Cross Cult

Alle Abbildungen: © Cross Cult

Von der Kreatur war wohl auch Hellboy-Schöpfer Mike Mignola sehr angetan, als er vor einiger Zeit beschloss, für Frankensteins Monster, dass er bereits in der der Story „Haus der lebenden Toten“ (auf dt. im Band Geschichten aus dem Hellboy-Universum 2) einführte, eine eigene, fünfteilige Miniserie zu schreiben. Die klassische Horrorfigur wurde damit endgültig Teil des erweiterten Mignolaverse, wo sich z.B. auch Lord Baltimore aufhält und für die es nur am Rande Berührungspunkte mit den zentralen Geschichten rund um Hellboy oder die B.U.A.P. gibt.

Frankenstein Underground kann man sich demnach auch ohne Vorkenntnisse zu Gemüte führen. Der Comic zeigt, wie das Monster nach der Flucht aus einem mexikanischen Labor in die Wüste gelangt, von finsteren Mächten ins Innere der Erde gelotst wird und dort allerhand übernatürliche Zeitgenossen trifft, mal in menschlicher, mal in grotesker Form. Über all dem schwebt selbstredend die Sinnsuche des Monsters, das seine Identität zu definieren versucht und seinen Platz in der Welt finden möchte. Stattdessen gerät es unter der Oberfläche in eine bedrohliche Lage und glaubt sich in der Hölle wieder. Das ist nebenbei bemerkt eine nette Parallele zu Mignolas letzter Hellboy-Erzählung „Abstieg zur Hölle“, in der dieser seine Schöpfung tatsächlich die reale Hölle durchwandern lässt. Überdies ist Hellboy äußerlich eine ähnlich monströse Figur wie Frankensteins Monster, ein missverstandenes Wesen mit einem guten Kern.

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Nicht nur deswegen fühlt sich Frankenstein Underground wie ein typischer Mignola-Comic an, beinahe so, als könnte man hier den Protagonisten auch gut und gerne austauschen. Das spricht einerseits für die konsequente Erzählweise Mignolas, zeugt andererseits nicht von einer hohen Eigenständigkeit des jüngsten Spin-Offs aus dem Mignolaverse. Zu einem schlechten Comic macht das den Band aber sicher nicht. Dafür ist der Autor zu erfahren und weiß, wie er faszinierende Horror-Stories mit mystischen und folkloristischen Einschlägen zu Papier bringt. Allein die Referenz an die Hohle-Erde-Theorie ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Zum einen, weil hier ein geschichtlicher Mythos geschickt und plausibel mit einem anderen gekreuzt wird, zum anderen weil die Thematik bereits in einem Zyklus der Serie B.U.A.P. vorkam. Eine muntere Verquickung, die Mignola innerhalb seines eigenen Kosmos gerne zur Anwendung bringt.

Wie bereits angemerkt, lässt sich Frankenstein Underground als abgeschlossener Band auch ohne Vorkenntnisse lesen. Das verbindet ihn mit dem kürzlich in Deutschland erschienen ersten Sammelband der Serie Baltimore, die mit einer vergleichbaren Atmosphäre arbeitet, ebenfalls im erweiterten Hellboy-Universum angesiedelt ist und sich abgekoppelt von den Geschehnissen in anderen Comicserien lesen lässt. Während die eine Figur ein Monster auf der Flucht ist, jagt die andere eben jene Monster.

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Beide Comics werden von Mignola persönlich geschrieben und von Ben Stenbeck gezeichnet. Stenbecks Zeichnungen sind durchaus ansprechend und passen auch gut zu solch düsteren Erzählungen. Aber den Vergleich mit den großartigen Bildern eines Mignola beispielsweise (der für Frankenstein Underground immerhin die Titelbilder gezeichnet hat) können sie nicht standhalten. Zu beiden Künstlern findet man übrigens noch mehr Material im Skizzenbuch im Bonusteil des deutschen Bandes. Für den hat Cross Cult überraschenderweise ein Albenformat gewählt, das deutlich größer als die vergleichbaren Titel des Hauses ist.

Gewohnt gute Story von Mignola, solides Artwork von Stenbeck; Frankenstein Underground ist nicht zuletzt dank einiger Parallelen ein Muss für alle Hellboy-Fans

Eine weitere Rezension zu diesem Comic findet Ihr hier.

Frankenstein Underground
Cross Cult, 2015
Text: Mike Mignola
Zeichnungen: Ben Stenbeck
Übersetzung: Frank Neubauer
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,95 Euro
ISBN: 978-3-86425-689-9
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