Rezensionen
Schreibe einen Kommentar

Die schwarzen Moore

Den französischen Starautoren und -zeichner Christophe Bec kann man wohl als einen der fleißigsten Akteure des französischsprachigen Comics bezeichnen. Neben zahlreichen abgeschlossenen Geschichten erhöhen auch noch derart viele Serien seinen Output, dass man sich fragt, woher der Mann bloß all seine Ideen nimmt. Man kann dabei nicht abstreiten, dass er sich ab und an wiederholt und bestimmte Merkmale und sein typischer Erzählstil immer wieder vorzufinden sind. Aber damit ist Bec schließlich bei den Fans erfolgreich. Und spannend sind seine Erzählungen allemal.

Alle Bilder © Splitter Verlag

Mit der neuesten Veröffentlichung macht Christophe Bec es sich verhältnismäßig einfach, da es kein eigener Stoff ist. Er adaptiert mit seinem Comic Die schwarzen Moore eine Kurzgeschichte von Guy de Maupassant und siedelt sie in unsere Gegenwart an. Es ist nicht neu, dass er sich eines klassischen Stoffes annimmt, denn schon bei Doppelgänger hatte er sich einer fremden Grundlage, nämlich von E.T.A. Hoffmann, bedient. Die übersichtliche Story der vorliegenden Adaption ist stimmungsvoll in die Gegenwart geholt worden und bedient sich einiger mittlerweile klassischer Elemente.

Antoine ist ein junger Fotograf, der auf der Suche nach Motiven durch das Hochmoor von Aubrac wandert. Als er von der Nacht überrascht wird, kann er Unterschlupf in einem abgelegenen und verfallenen Gehöft finden. Doch der Bauer und seine Tochter scheinen ein düsteres Geheimnis zu teilen. Und schleicht da nicht etwas Unheimliches durch das Dunkel?

Nachdem über 100 Jahre seit der Veröffentlichung von Maupassants Erzählung Die Angst vergangen sind, sind viele der enthaltenen Elemente durch oftmalige Anwendung mittlerweile zum Klischee verkommen. Bec will in dieser Hinsicht das Rad auch nicht neu erfinden, sondern verlässt sich ganz auf seine Zeichnungen, um ein beklemmendes Gefühl herzustellen, bei dem sich die dem Gothic Horror zugeneigten Leserinnen und Leser wohlig gruseln können. Erfreulicherweise ist Bec dabei selbstbewusst genug, um auf überbordende Kommentare und Beschreibungen verzichten zu können. Intensiv wird die Erzählung vor allem durch die Einheit von Zeit und Raum, wobei die Erzählzeit immer mit der erzählten Zeit übereinstimmt (wenn man einmal vom Anfang absieht).

Die Verneigung vor dem Genre und seinen Meistern erfährt auch darin seinen Ausdruck, dass  Bec Berni Wrightson und Swamp Thing zitiert. Insofern ist Die schwarzen Moore nicht nur eine Hommage an klassische Gruselliteratur, sondern auch an die Horrorcomics des legendären EC-Verlages. Dass die Story an sich ist etwas übersichtlich geraten ist, ist der Kurzgeschichten-Vorlage geschuldet. Wichtiger aber sind das Setting und die Stimmung. Und diese sind hervorragend getroffen. Schon das Cover stimmt wunderbar darauf ein.

Eine stimmungsvolle und unheimliche Verbeugung vor dem Gothic Horror

Die schwarzen Moore
Splitter Verlag, 2016
Text: Christophe Bec, Guy de Maupassant
Zeichnungen: Christophe Bec
Übersetzung: Resel Rebiersch
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-95839-427-8
Leseprobe