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Die Legende des Kristallschwerts 1 – Die schwarze Zorya

Schon Anfang der Neunziger Jahre erschien die Serie Das Kristallschwert von Jack Goupil  und Didier Crisse auf Deutsch im Alpha Comic Verlag, 2002 gab es dann eine Neuauflage bei Carlsen. Fünf Abenteuer lang begab sich die Heldin Zorya auf die Suche nach den fünf Meistern der Sinne. Zwar war die Story nicht gerade innovativ, belohnte aber den Fantasy-Fan mit den Zutaten, die so ein Genremahl recht schmackhaft machen.

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Alle Abbildungen: © Splitter Verlag

Nun gibt es bei Splitter eine neue Serie namens Die Legende des Kristallschwerts. Zunächst mag man da an ein Konzept denken, ähnlich wie bei Die Legende der Drachenritter, wo abgeschlossene Abenteuer mit unterschiedlichen Hauptfiguren in einer gleich bleibenden Welt erzählt werden. Hier ist das aber nicht der Fall: Die Heldin ist immer noch Zorya, wobei der Begriff „Heldin“ hier nicht passend erscheint. Denn Zorya wurde korrumpiert und zu einer bösen Herrscherin, die zu Beginn dieses Bandes gestürzt und eingekerkert wird.

Die Schwarze Zorya, Kaiserin von Sulfur, wird der Tyrannei und des Massenmordes für schuldig befunden und in ein ausbruchssicheres Verlies geworfen. Befreit von der Herrscherin, sehen die unterdrückten Völker nun eine Möglichkeit, auch die letzten Fesseln der Unterdrückung abzustreifen, während andere sich daran machen, Zorya zu befreien.

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Das klingt recht dünn, und in der Tat sucht man eine ausgefeilte Dramaturgie vergebens. Anfangs mag man etwas verwirrt sein und sich wünschen, vorher noch einmal die Ur-Serie gelesen zu haben. Aber ob das hilft? Es treten zwar einige alte Bekannte auf, wie die beiden schusseligen Hexen, aber was das Schicksal einiger Figuren in der neuen Reihe betrifft, ist das nicht sonderlich relevant. Es erklärt jedenfalls nicht die vielen merkwürdigen inhaltlichen Sprünge. Es fehlen ein roter Faden und eine klare Intention, wohin das alles führen soll. Zwar ist es mal sehr wohltuend, eine Geschichte zu lesen, die dort anfängt, wo man normalerweise aufhört – nämlich bei dem Sturz eines Tyrannen und was das zur Folge hat. Aber durch das Fehlen eines klassischen Merkmals der Fantasy, nämlich der Reise, bewegt man sich nicht auf einer Straße, sondern auf Stolperwegen. Auch ist es nicht gerade förderlich, dass die Hauptfigur eine „Böse“ ist, da man als Leser dann nicht weiß, wem man eigentlich seine Empathie widmen soll. Darf man mit der Schurkin mitfiebern? Oder wem soll man sonst beistehen? Zu oft springt die Erzählung zu unterschiedlichen Figuren, die teilweise auch nicht lange genug am Leben bleiben, um mit ihnen mitfühlen zu können.

Passend zu dieser Unentschiedenheit, welche den ganzen Band prägt, ist auch der zeichnerische Stil. Auf den ersten Blick wirkt er schlicht niedlich und könnte auch jüngeren Lesern gefallen. Das wird jedoch kontrastiert mit äußerst blutigen Szenen, die manchmal schon in den Splatter rutschen. Als ob Kinderfiguren auf Nickelodeon das Kettensägenmassaker nachspielen. Autorin Sylvia Douyé und Zeichner Fabio Lai springen hin und her und werfen den Leser von Ereignis zu Ereignis, was einen kompletten Blick auf diese Fantasywelt verhindert. Und trotzdem entwickelt sich eine ganz eigene Faszination. So bekommt man letztendlich eine lupenreine, typische Fantasygeschichte, die vor allem Fans ansprechen dürfte. Aber ob sich wirklich noch eine Story entwickelt, welche die angekündigte Form einer Trilogie ausfüllen kann, ist hier wahrlich noch nicht abzusehen.

Dramaturgisch gesehen fehlt die klare Linie, aber eingefleischte Fantasy-Fans könnte der Band durchaus unterhalten.

4von10Die Legendes des Kristallschwerts 1 – Die schwarze Zorya
Splitter-Verlag, 2016
Text: Sylvia Douyé
Zeichnungen: Fabio Lai
Übersetzung: Swantje Baumgart
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,80 Euro
ISBN: 978-3-95839-200-7
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