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Kommentare 3

Black Science 1 & 2

Wenn der Blick nur flüchtig über Black Science hinwegschweift, meint man fast, die ebenfalls bei Splitter erscheinende Serie Low vor sich zu haben. In der Tat sind sich die beiden genannten Comicserien an der Oberfläche recht ähnlich. Autor Rick Remender hat wieder eine Science-Fiction-Story geschrieben, in der exotische Welten erforscht werden, und die Zeichnungen Matteo Scaleras, die Dean White (und in späteren Geschichten Moreno Dinisio) in gedeckt gehaltenen Farben koloriert hat, ähneln denen von Low-Künstler Greg Tocchini.

Alle Bilder © Splitter Verlag

Bei einem Science-Fiction-Abenteuer über die Erforschung fremder Welten sind die Zeichnungen sehr wichtig, da sie es dem Leser erst ermöglichen, deren Fremdheit und Exotik erfahren zu können. Dabei rast man hier von einer Welt in die nächste und bekommt immer mehr den Verdacht, dass sich Rick Remender meist nur auf den groben Überbau beschränkte und dem Zeichner für die genauere Gestaltung freie Hand ließ. Erst im zweiten Band gibt es einen Hauch von einer übergeordneten Storyline, die aber zunächst etwas verwirrend bleibt.

Grant McKay ist ein Wissenschaftler, der ein verbotenes Experiment mit Erfolg durchführte, das es ihm nun ermöglicht, verschiedene Paralleldimensionen zu bereisen, die unserer teils ähneln und doch sehr unterschiedlich sind. Aus Versehen startet die Apparatur, als seine Kinder und sein Finanzier im Labor zugegen sind. Die Gruppe wird in eine andere Dimension transportiert. Da die Steuerung sabotiert wurde, ist eine Rückkehr unmöglich. Zudem lässt die Apparatur die Personen immer weiter durch die Welten springen, wobei eine Kontrolle, wohin die Reise geht und wann der Sprung erfolgt, nicht möglich ist. Und so beginnt eine Odyssee.

Jedes Kapitel, was wiederum einem US-Heft der Originalveröffentlichung entspricht, spielt in einer anderen Dimension, in einer anderen Umwelt; und doch sind es alles Paralleluniversen, und die Gruppenmitglieder haben dort, teilweise jedenfalls, ihr Äquivalent. Das sorgt für eine zusätzliche Gruppendynamik und verschärft die Spannung. Ständig neue Gefahren ergeben sich, und der unberechenbare Timer der Reisemaschine tickt den Figuren im Nacken. So herrscht permanent eine bedrohliche Stimmung, da man nie weiß, was einen als Nächstes erwartet, und es herrscht eine Dynamik vor, die ihresgleichen sucht. Zudem überrascht Remender damit, dass er einige Konstellationen der Figuren gegen den Strich behandelt. So ist es erzählerisch schon sehr mutig, am Ende des ersten Bandes eine der wichtigsten Personen einfach sterben zu lassen. Aber gerade dieser Aspekt und die verschiedenen Inkarnationen der Person in anderen Welten sorgen im zweiten Band für eine zusätzliche Dramatik.

Vor allem sind es aber die überwältigenden Zeichnungen Scaleras, welche für Lesevergnügen sorgen. Diese Serie ist eine echte Wundertüte, und man lässt sich als Leser gerne von der flirrenden Atmosphäre mitreissen. Da mindern selbst Remenders sozialkritische Ansätze nicht das Lesevergnügen, da sie so geschickt eingeflochten sind, dass sie die Handlung nicht ausbremsen. Die einzige Gefahr ist, dass die Wiederholung des immer gleichen Weltenspringer-Motivs bald zu Erschöpfung führt. Bereits in Band 2 wirkt es leicht abgenutzt.

Eine faszinierende Reise durch fremde Welten

7von10Black Science 1: Der tiefe Fall
Splitter Verlag, 2016
Text: Rick Remender
Zeichnungen: Matteo Scalera, Farben: Dean White, Moreno Dinisio
Übersetzung: Gerlinde Althoff
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-95839-375-2
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Black Science 2: Willkommen im Nirgendwo
152 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80
ISBN: 978-3-95839-376-9
Leseprobe

  • Martin

    Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß Dean White nur die ersten 10 (US-)Hefte koloriert hat und ab dem 12. durch Moreno Dinisio ersetzt wurde. Ich weiß, daß Whites Name auf dem Cover des zweiten deutschen Sammelbandes steht, aber meiner Rechnung nach dürfte bereits der größere Teil dieses Bandes von Dinisio koloriert worden sein. Oder welche Hefte umfasst welcher Band?

    • Thomas

      Ich habe die Bände nicht vorliegen, gehe aber davon aus, dass sie den US-Sammelbänden entsprechen. Dort umfasst der zweite Band die Hefte 7-11. Und bei diesen Einzelheften steht jeweils der Name Dean White auf dem Cover. Dinisio übernahm dann wohl ab #12, also ab dem dritten Sammelband.

      • Martin

        Das dachte ich auch zunächst, aber wenn man sich die Seitenzahlen anschaut, kann das eigentlich nicht hinhauen:

        US vol. 1 How To Fall Forever: 152 S.
        US vol. 2 Welcome, Nowhere: 128 S.
        US 1+2: 280 S.

        D Bd. 1 Der Ewige Fall: 176 S.
        D Bd. 2 Willkommen, Nirgendwo: 152 S.
        D 1+2: 328 S.

        Oder sind die deutschen Bände dermaßen durch Bonusmaterial aufgebläht?